Mönchengladbach: Verteidiger plädiert auf Freispruch nach tödlichem Streit

Prozess in Mönchengladbach: Prozess um tödlichen Streit: Verteidiger fordert Freispruch

Nach der folgenreichen Auseinandersetzung im Februar in Wickrathhahn fordert die Staatsanwaltschaft vier Jahre und neun Monate Haft, die Verteidigung plädiert hingegen auf Notwehr. Das Urteil wird für den 12. Dezember erwartet.

Am Donnerstag wurde ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge fortgesetzt. Ein 25-Jähriger Gladbacher soll den 68-jährigen Vermieter seiner Ex-Freundin mit einem Baseballschläger angegriffen haben. Das Opfer verstarb wenig später an einem Herz-Kreislauf-Versagen.

Eine Polizistin erklärte, am Tatabend habe sich ein Streit des  Angeklagten mit seiner Ex-Freundin „hochgeschaukelt“, als sich der neue Freund der Ex eingemischt habe. Die Männer hätten die Auseinandersetzung „vor der Tür klären“ wollen. Dort habe jedoch auch auf mehrfaches Klingeln niemand aufgemacht. Stattdessen sei der Vermieter aufgetaucht, habe ihn zunächst mit „Worten angegangen“, der  Streit habe sich von dem Grundstück weg auf die gegenüberliegende Straßenseite verlagert. Später habe er eingeräumt, versteckt unter seiner Kleidung einen Baseballschläger mit sich geführt, ihn jedoch nicht eingesetzt zu haben. Stattdessen habe das spätere Opfer ihn mit einem Gegenstand geschlagen, er habe lediglich versucht, sich zu wehren.

Am Folgetag habe man den 28-Jährigen mit dem Obduktionsergebnis konfrontiert, laut dem das Opfer „Zeichen massiver Gewalteinwirkung“ zeigte. Dies decke sich nicht mit seiner Aussage, lediglich Schläge abgewehrt zu haben. Daraufhin habe er eingeräumt, den Baseballschläger eingesetzt zu haben. Alles sei sehr schnell gegangen, er habe „vermutlich mehr als einen Schlag“ ausgeführt, jedoch nicht die Absicht gehabt, jemanden zu verletzen oder zu töten.

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Abschließend wurde noch das Vorstrafenregister des Angeklagten verlesen: Neben mehrmaligem Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte weist es zwei Fälle von Körperverletzung aus. Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer vier Jahre und neun Monate Haft. Für ihn handele es sich klar um eine Körperverletzung mit Todesfolge: Der Tod des Rentners hänge kausal mit den Taten zusammen, auch wenn dieser nicht an den Verletzungen gestorben sei. Der Stress durch die Auseinandersetzung mit dem aggressiven 28-Jährigen sei eine zu große Belastung für das Herz und Kreislaufsystem des Geschädigten gewesen.

Der Verteidiger forderte auf Grund der Notwehr-Situation, in der sein Mandant sich am Tatabend befunden hätte, einen Freispruch. Falls sich die Kammer darauf „nicht einlasse“, fordere er eine Verurteilung wegen einer einfachen Körperverletzung, da die Vorerkrankung des Mannes zu seinem Tod geführt hätte. Der Rentner habe das „Recht in die eigene Hand nehmen wollen“, statt die Polizei zu rufen, als er einen Randalierer auf seinem Grundstück ausmachte. Er sei mit einem Axtstiel vor die Tür gegangen, wer den Streit begonnen habe, sei nicht auszumachen. Daher sei nicht ausgeschlossen, dass sein Mandant in Notwehr gehandelt habe.

Das Urteil wird für den 12\. Dezember erwartet.

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