Mönchengladbach Verfahren wegen Beleidigung vor Gericht

Mönchengladbach : Angeklagter muss 600 Euro Geldstrafe zahlen

Ein Borussenfan stand wegen Beleidigung vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht. Er soll Polizeibeamte mit dem „Scheißnazi“ tituliert haben.

Ein 34-Jähriger musste sich am Dienstag wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten. Christoph F. soll Polizeibeamte vor einem Bundesligaspiel Borussias gegen Hannover 96 mit dem Begriff „Scheißnazi“ tituliert haben. Eine Gruppe gegnerischer Fans war am 30. September 2017 im Bahnhof Mönchengladbach die Ursache polizeilicher Maßnahmen. Unter anderem wurden Platzverweise erteilt.

Der Angeklagte ließ durch seinen Verteidiger erklären, dass er diese Beleidigung ausgesprochen habe, er bat jedoch darum, diese Aussage im Gesamtkontext der damaligen Vorgänge zu betrachten. Und diese beschrieben ein nicht zu tolerierendes Verhalten der Beamten im Hauptbahnhof: Der sprachlichen Entgleisung von F. voraus gegangen sei eine „ausufernde körperliche Gewalt der Polizisten“, die für Christoph F. nicht nachvollziehbar gewesen seien: „Da wurde anlasslos geschubst und geschlagen, wenn man die Anweisungen der Beamten nicht sofort befolgte“, so der Verteidiger. Seiner Darstellung nach seien die Hannoveraner Fans hingegen nicht aggressiv gewesen. Das Problem: Die Übermittlung der von der Polizei zur Verfügung gestellten Videos sei nicht vollständig gewesen, es gebe zeitliche Lücken und Lücken im Gesamtkontext. „Man sieht in einem Video, dass Beamte filmen, jedoch sind diese Videos nicht in der Akte.“ Die Erregung des Angeklagten sei eventuell verständlicher, wenn man diesen Kontext kenne: Sein Mandant sei geschockt und aufgebracht gewesen, habe sich dann zu diesem Ausruf hinreißen lassen. Der Verteidiger forderte daher die Einstellung des Verfahrens, zumal F. bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei.

Die Staatsanwältin erklärte, dass es trotz möglicherweise vorangegangen Fehlverhaltens der Polizei keine Rechtfertigung für eine solche Beleidigung gebe. Zudem habe es bereits polizeiliche Kontakte gegeben, und Christoph F. sei auch bereits mehrfach an Verfahren innerhalb einer Fan-Gruppe beteiligt gewesen. Ein Verfahren betreffe einen Vorfall, der sich wohl ebenfalls am Tag der Beleidigung ereignet habe, es habe auch auf der Rückfahrt des Spiels einen Vorfall gegeben. In ihrem Plädoyer forderte sie nach Erörterung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Angeklagten eine Strafe von 30 Tagessätzen zu 20 Euro als tat- und schuldangemessen. Nach einer Beratung mit seinem Mandanten stimmte der Verteidiger zu. Auch die Richterin folgte dieser Forderung. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

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