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Mönchengladbach: Verbraucherschützer Sebastian Dreyer rät zur Vorsorgevollmacht

Kolumne Der Verbraucherschützer : Vorsorgevollmacht in Corona-Zeiten

Die Vorsorgevollmacht ist in Zeiten der Corona-Krise wichtiger denn je. Wer sich und sein Umfeld schützen will, sollte sich zeitnah bei Notaren, Ärzten und Beratungsstellen informieren und eine Entscheidung treffen.

Bevor meine Großmutter ins Altenheim kam, erteilte sie mir eine Vorsorgevollmacht. Entgegen manchem Vorurteil sollten sich nicht nur ältere Menschen mit dem Thema beschäftigen.

In Mönchengladbach sind nach Angaben der Stadt aktuell knapp 104 Personen mit dem Coronavirus infiziert, das Risiko ist dennoch real. Eine Erkrankung kann zu großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen und eine intensivmedizinische Therapie notwendig machen. Und diese kann zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, die eine intensivmedizinische Therapie notwendig machen. Das Problem: In solchen Fällen gibt es keine gesetzliche Vertretungsmacht von Ehegatten untereinander oder von Kindern für die eigenen Eltern. Wenn Sie Ihren Willen nicht mehr äußern können und keiner vertrauten Person eine Vorsorgevollmacht erteilt haben, muss durch ein Gericht ein Betreuer bestellt werden. Hier können Sie vorsorgen und jemanden mit einer Vorsorgevollmacht ausstatten. Er darf dann wichtige Entscheidungen für Sie treffen. Alternativ schreiben Sie eine Betreuungsverfügung, in der Sie eine bestimmte Person als Betreuer benennen, die dann vom Gericht benannt und kontrolliert wird.

Die Vollmacht kann für alle Angelegenheiten oder auch nur für bestimmte Teilbereiche erteilt werden. Üblich sind Vollmachten für die sog. Vermögens- und Personensorge. Das heißt, die von Ihnen bestimmte Person kümmert sich einerseits um Ihre Vermögensverwaltung und Bankgeschäfte sowie andererseits zum Beispiel um die medizinische Behandlung oder die Bestimmung Ihres Aufenthaltsortes. Möchten Sie im Ernstfall lieber zuhause, im Krankenhaus oder Pflegeheim sein? Wie sieht es mit einer intensivmedizinischen Behandlung oder lebensverlängernden Maßnahmen aus? Damit solche schwerwiegenden Entscheidungen nicht Ihre bevollmächtigten Angehörigen belasten, empfehle ich die Vorsorgevollmacht durch eine Patientenverfügung zu ergänzen. Mit dieser können Sie verbindliche Festlegungen treffen und auch im Ernstfall Ihre Selbstbestimmung wahren. Der Bundesgerichtshof hat 2016 entschieden, dass sich aus der Patientenverfügung eine konkrete Behandlungsentscheidung des Patienten ableiten lassen muss. Sollten Sie nur eine allgemein verfasste und ältere Verfügung besitzen, rate ich Ihnen, diese noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls mit Ihrem Arzt durchzusprechen.

Mit der Vorsorgevollmacht werden weitreichende Befugnisse übertragen, daher sollten Sie nur Personen bevollmächtigen, denen Sie zu 100 Prozent vertrauen, und sich zudem vorher beraten lassen. Die Verbraucherzentrale bietet umfangreiche Ratgeberliteratur zu diesem Thema. Bei der Erstellung helfen zudem Rechtsanwälte und Notare sowie die Betreuungsbehörde der Stadt Mönchengladbach. Diese erreichen Sie unter Telefonnummer 02161- 253353.

Der Autor ist Rechtsanwalt und leitet die Verbraucherzentrale Mönchengladbach.