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Mönchengladbach: Unterwegs im vitalen Stadtteil Hardt

Unterwegs in Hardt : Vitaler Stadtteil – mit kleinen Lücken

Hardt hat jede Menge Tradition und viele engagierte Bürger – aber auch mit klassischen Problemen eines Stadtteils im Wandel zu kämpfen. Ein großes Plus ist der Hardter Wald als beliebtes Naherholungsgebiet. Über einen Rundgang mit vielen interessanten Gesprächspartnern.

Es ist kein Wunder, dass Ralf Hennekes an jeder Straßenecke gegrüßt wird, wenn er durch das Hardter Zentrum geht. Der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes ist in einigen Vereinen aktiv, kennt als freier Redakteur der Werbering-Zeitung viele Geschäftsinhaber und hat seit Kindheitstagen die Entwicklung des Viertels mitverfolgt. „Hardt ist ein Stadtteil mit einer langen Geschichte und viel Tradition, der aber in den letzten Jahren starke Veränderungen erlebt hat“, sagt er bei einem Gang durch das Zentrum. Vor allem eine Entwicklung bereitet ihm Sorgen.

 Leerstand im Ort ist ein Hardter Thema.
Leerstand im Ort ist ein Hardter Thema. Foto: Thomas Grulke

Marktplatz Mittwochnachmittag ist Markttag in Hardt. Besucher schlendern über den Platz, begutachten die Stände, manche setzen sich noch ins nahe Eiscafé. „Am Marktplatz hat sich in den vergangenen Jahren wieder einiges zum Positiven gewandelt“, sagt Hennekes. Doch man muss nur wenige Meter die Vorster Straße Richtung Kirche gehen, um die ersten leeren Geschäfte zu entdecken. „Das ist ein schleichender Prozess der vergangenen Jahre, der stationäre Handel hat es durch das Online-Geschäft immer schwerer. Zudem sind viele Gaststätten verschwunden, von einmal etwa 30 haben wir jetzt nur noch um die zehn“, sagt Hennekes. Mitunter stehen Geschäfte jedoch schon seit Jahrzehnten leer. „Wir haben in Hardt einen höheren Anteil an älteren Menschen. Für sie ist es besonders wichtig, dass der Stadtteil seinen Nahversorgungs-Charakter behält“, sagt Hennekes. Und Michael Fischer, der ebenfalls im CDU-Ortsverband aktiv ist und Hennekes an diesem Nachmittag begleitet, fügt hinzu: „In der Corona-Krise haben einige Händler auch auf Lieferservice umgestellt. Es wird immer wichtiger, für sich eine Nische zu finden und sein Angebot mit Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu verknüpfen.“

 Ralf Hennekes vor der alten Förderschule.
Ralf Hennekes vor der alten Förderschule. Foto: Thomas Grulke
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Förderschule Leerstand gibt es auch an der Ecke Winkelner Straße/Glockenstraße. Seitdem die alte Förderschule vor einigen Jahren von Hardt nach Wickrath gezogen ist, wird das Gebäude nicht genutzt. „Die Älteren in Hardt sind hier früher noch zur Volksschule gegangen, deswegen interessieren sich viele Bürger natürlich für die Zukunft des Geländes“, sagt Hennekes. Der Bebauungsplan für dieses Gebiet sieht vor, dass das Gebäude erhalten bleibt, nun aber für Wohnungen genutzt werden soll. Die Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach sucht einen Investor. Manche Hardter würden es auch begrüßen, wenn der Heimatverein dort einziehen könnte, da dieser Räume für ein Heimatmuseum sowie ein Büro und Archiv sucht. Es wäre ein gutes Signal für das rege Vereinsleben im Stadtteil. „Hardt ist durch die vielen engagierten Vereine sehr gefestigt“, sagt Fischer.

 Heribert Weuthen in der Marienkapelle.
Heribert Weuthen in der Marienkapelle. Foto: Thomas Grulke

Tomper Straße Als Beispiel dient der Marienkapellenverein. Eigentümer der kleinen Kapelle an der Tomper Straße ist die Stadt, unterhalten wird sie jedoch von engagierten Bürgern aus der Nachbarschaft. „Wir haben insgesamt 120 Mitglieder und sorgen dafür, dass es regelmäßig Aktivitäten an der Kapelle gibt“, sagt der Vereinsvorsitzende Heribert Weuthen. Ein Höhepunkt ist das Treffen der Anwohner an Heiligabend bei Blasmusik und Glühwein.

 Alexandra Terveer und Walter Meurers engagieren sich bei der Tiertafel Pescherhof. Sie haben Pipa und Balu auf dem Arm.
Alexandra Terveer und Walter Meurers engagieren sich bei der Tiertafel Pescherhof. Sie haben Pipa und Balu auf dem Arm. Foto: Thomas Grulke

Tomper Straße/Tomphecke Einige Hundert Meter weiter, ganz nah an der Stadtgrenze, haben Alexandra Terveer und Michaele Schommertz die einzige Tiertafel im Umkreis von mehr als 20 Kilometern aufgebaut. Seit elf Jahren engagieren sie sich mit Walter Meurers, Irmi Verbeek und weiteren Helfern für Bedürftige und deren Tiere. 140 Kunden aus dem Stadtgebiet haben sie in ihrer Kartei, einmal im Monat können sie bei der Tiertafel Pescherhof Katzenstreu, Futter oder auch Kastrationsgutscheine bekommen. „Am vergangenen Samstag hatten wir erstmals nach der Corona-Pause wieder auf. Da hat sich wieder gezeigt, wie dringend wir gebraucht werden“, sagt Terveer. Geld für das Tierfutter nehmen sie durch den Verkauf von Kleidung, Geschirr, Büchern oder Werkzeug ein, bis auf Möbel ist fast jede Spende möglich. „Jeder kann bei uns einkaufen und damit etwas Gutes tun“, sagt Schommertz. Weitere Informationen gibt es unter www.tiertafel-moenchengladbach.de.

 Die Seilbahn auf dem Spielplatz im Hardter Wald ist defekt.
Die Seilbahn auf dem Spielplatz im Hardter Wald ist defekt. Foto: Thomas Grulke

Hardter Wald Ein kleiner Abstecher in den Wald lohnt sich von Hardt aus immer – gerade auch mit Kindern. Ursula van Ool war früher häufig mit ihren Kindern auf dem großen Spielplatz im Hardter Wald, nun besucht sie ihn mit ihren vier Enkeln. „Wenn sie bei mir zu Besuch sind, fragen sie auch immer, ob die Seilbahn wieder funktioniert“, sagt van Ool. Da jedoch muss sie ihre Enkel seit etwa zwei Jahren immer wieder enttäuschen: Die Attraktion des Spielplatzes ist zum Ärger vieler Hardter Familien schon lange defekt. Und so schnell wird sie auch nicht repariert werden, wie die Mags auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt: „Wir können die Seilbahn aktuell nicht erneuern. Der Spielplatz im Hardter Wald soll mit Fördergeldern in Höhe von rund 335.000 Euro überarbeitet werden. Nun warten wir sehnsüchtig auf den Förderbescheid vom Land, um loslegen zu können. Würden wir in der Zwischenzeit Veränderungen an dem Spielplatz vornehmen, wäre dies förderschädlich.“

 Bruni Jaspers (l.) und Brigitte Bockers haben diese wilde Müllkippe in der Düvelskull im Hardter Wald entdeckt.
Bruni Jaspers (l.) und Brigitte Bockers haben diese wilde Müllkippe in der Düvelskull im Hardter Wald entdeckt. Foto: Thomas Grulke

Düvelskull Ein anderes Ärgernis im Hardter Wald ist mitunter wilder Müll. Bruni Jaspers und Brigitte Bockers sind zuletzt bei einer ihrer Wanderungen durch den etwas weniger stark frequentierten Teil östlich der Hardter Landstraße auf eine wilde Müllkippe gestoßen. In der Düvelskull, einer Vertiefung an der historischen Landwehr, haben sie alte Holzzäune mit Maschendraht entdeckt, die dort entsorgt wurden. „In diesem Draht können sich Tiere verfangen und verletzen, zudem verschandelt der Müll die Kull“, sagt Jaspers. Die Mags will sich kommende Woche darum kümmern – mit Hilfe eines Minibaggers, da „die Stelle nicht so leicht zugänglich ist“, wie eine Sprecherin des Unternehmens erklärte. Generell würden sich Wildmüllablagerungen im Hardter Wald seit März häufen, aktuell sei es allerdings wieder etwas besser, teilte die Mags zudem mit.