Mönchengladbach: Umweltaktivist David Mayer de Rothschild zu Gast

Pioniere der Welt: „Mehr emotionale Intelligenz, statt künstliche Intelligenz“

Umweltaktivist und Abenteurer David Mayer de Rothschild fordert bei seinem Auftritt im Kunstwerk in Wickrath ein verändertes Denken und emotionale Intelligenz. Er kam auf Einladung des Initiativkreises in der Reihe „Pioniere der Welt in Mönchengladbach“.

„Ich bin ein optimistischer Pessimist“, sagt David Mayer de Rothschild. „Einerseits sind wir von Angst und Gier getrieben, andererseits ist das menschliche Potenzial gewaltig.“ Es gebe Lösungen. Aber umsetzen könne sie nicht der Einzelne, sondern nur die Gesellschaft als Ganzes: Bürger, Politik und Wirtschaft.

David Mayer de Rothschild war auf Einladung des Initiativkreises in der Reihe „Pioniere der Welt in Mönchengladbach“ zu Gast. Der Umweltaktivist, der mit seiner Reise von San Francisco nach Sydney auf der „Plastiki“, einem Floß aus Plastikflaschen und Recyclingmaterial, bekannt geworden ist, setzt sich für einen anderen Umgang mit der Natur ein. „Er provoziert eine emotionale Antwort“, sagt Ute Dallmeier, Chefin des First-Reisebüros und Schirmherrin der Veranstaltung.

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Mayer de Rothschild sieht die Probleme der Welt, lässt sich davon aber nicht erdrücken, sondern will inspirieren. „Die vielen Nachrichten über Katastrophen motivieren die Menschen nicht zum Handeln, sie machen Angst und frustrieren.“ Dennoch thematisiert auch er die Bedrohungen: Plastikmüll in den Meeren, Smog in den Städten, Klimawandel, Aussterben von Tierarten und vieles mehr. „Wir spielen ein Todes-Jenga“, sagt er in Anspielung auf das Gesellschaftsspiel, bei dem ein Teil nach dem anderen aus einem Turm gezogen wird, bis der schließlich zusammenstürzt. Er fordert einen anderen Umgang mit der Umwelt. „Wir leben in immer größerem Abstand zur Natur und verlieren uns dabei selbst. Wir haben Angst vor der Dunkelheit im Wald, aber nicht davor, die Wälder abzuholzen.“ Menschen fürchteten Haie und kümmerten sich deshalb nicht um die Erhaltung der Art. Dabei liefere die Natur so viele Lösungen für Probleme der Menschen. „Die Haut des Haies beispielsweise ist so aufgebaut, dass Bakterien daran nicht haften können.“ Deshalb werden dem Beispiel folgend inzwischen antibakterielle Oberflächen so aufgebaut. Statt auf künstliche Intelligenz zu setzen, fordert er eine Stärkung der emotionalen Intelligenz. „Wir wünschen uns alle, bestätigt und geschätzt zu werden.“ Das funktioniere vor allem über den Konsum. „Aber wir müssen wieder von Verbrauchern zu Bürgern werden.“ Das Bruttosozialprodukt sei eine falsche Messgröße. „Es steigt, wenn Kriege geführt und Waffen verkauft werden“, kritisiert er.

Im Anschluss an den Vortrag wird Mayer de Rothschild vom Wissenschaftsjournalisten und TV-Moderator Ranga Yogeshwar interviewt, berichtet auch von seiner berühmten Pazifiküberquerung. 110 Tage sind er und seine Crew mit der „Plastiki“ gesegelt, haben die Fidschis verfehlt, stattdessen in Samoa angelegt, wo die Plastikflaschen, aus denen das Floß gebaut war, prompt in der Recyclingstation landeten. „Wir haben sie aber zurückbekommen“, sagt er lachend. Ist er, der in der Reihe „Pioniere der Welt“ zu Gast ist, nun ein Pionier? Eher nicht, meint er selbst. Höchstens ein Pionier des Lernens. Eher doch, sagt Yogeshwar, Pioniere veränderten etwas und er verändere das Denken.

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