Denkanstoß Nächstenliebe im Alltag wagen und zeigen

Mönchengladbach · Unsere Autorin ist Seelsorgerin bei der katholischen Kirche. Sie hat sich Gedanken dazu gemacht, wie die Osterbotschaft in die Welt getragen werden kann.

Die Flamme der Osterkerze ist Zeichen des auferstandenen Christus. Er trug seinen Jüngern auf, Nächstenliebe zu leben.

Die Flamme der Osterkerze ist Zeichen des auferstandenen Christus. Er trug seinen Jüngern auf, Nächstenliebe zu leben.

Foto: dpa/Felix Hörhager

Heute ist der 32. Tag des Frühlings. Wer hätte gedacht, dass nun schon ein Drittel des Frühlings vorbei ist, oder sehen wir lieber: Noch zwei Drittel liegen vor uns. Viele assoziieren mit Frühling neuen Schwung nach dem Winterschlaf, nach der Trägheit der dunklen Jahreszeit, wir freuen uns in der Regel, dass es abends länger hell ist, auch wenn das Wetter derzeit nicht frühlingshaft daher kommt. Der christliche Aufbruch in die neue Zeit der Auferstehung, das Osterfest, liegt schon drei Wochen zurück. Letzte Woche hat Superintendent Dietrich Denker an dieser Stelle geschrieben, dass er seine Hoffnung aus den Ostergeschichten zieht, die von neuem Leben berichten. Ja, den Jüngerinnen und Jüngern waren das nicht einfach erzählte Geschichten aus ferner Zeit; sie haben das wirklich erlebt und waren so ergriffen und im wahrsten Sinne des neudeutschen Wortes „geflasht“, dass sie vom leeren Grab hinweg eilten, um anderen davon zu berichten.

Es ist kein Zufall, dass Ostern im Frühjahr liegt. In der Bibel wird um die Zeit der Ereignisse von Tod und Auferstehung Jesu herum das jüdische Pessachfest gefeiert, auch immer im Frühjahr als Erinnerung an einen großen Neubeginn; deshalb war es auch so voll in Jerusalem. Nach Ostern begann die eigentliche Ausbreitung des Christentums, zunächst im Mittelmeerraum und noch sehr stark gefährdet von Gegnern dieser neuen Religion.

Am heutigen Tag wird – zumindest in den katholischen Gottesdiensten – überall auf der Welt die Erzählung gelesen, wie Saulus zum Paulus bekehrt wurde. Es gibt ja die Redewendung, dass jemand vom Saulus zum Paulus wurde, wenn einer eine Kehrtwende in seinem Verhalten oder seinen Ansichten um 180 Grad vollzieht. Vielleicht kennen Sie die biblische Geschichte, dass Saulus von einem Blitz getroffen wurde, auch wieder ein Flash, der sein Leben total ändert. Zusammen mit dem einfachen Fischer-Jünger Petrus wird er zu einem der ersten großen Verkünder der neuen Botschaft von Jesus von Nazareth. So viel Energie haben wir ja meistens nicht, dass wir unser Leben so total umkrempeln; muss aber auch nicht jede und jeder machen. Vielfach reichen schon kleine Gesten, um ein Mehr an Mitmenschlichkeit, an Wertschätzung und Anerkennung, an Freundlichkeit im Leben aufleuchten zu lassen. Das sind alles auch christliche Tugenden und Haltungen aus christlichem Geist heraus, was als Botschaft des Evangeliums bezeichnet wird: Nächstenliebe, ein großes Wort, kann aber ins alltägliche Leben heruntergebrochen werden und wird von vielen in unserer Stadt auch getan. Mit einer solchen Haltung können (zumindest manche) Konflikte und Unachtsamkeiten unserer Zeit verkleinert werden. Dies sollten wir auch gut wahrnehmen und uns daran freuen. Wäre dann vielleicht auch so etwas wie Osterfreude.

Ulrike Wellens ist katholische Seelsorgerin

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