Mönchengladbach: Überschuldung erneut gestiegen, Verbraucherzentrale gibt Tipps

Kolumne Der Verbraucherschützer : Überschuldung in der Stadt erneut gestiegen

Bundesweit haben die Menschen weniger Schulden, in Mönchengladbach aber wieder mehr Verbindlichkeiten angesammelt. Die Verbraucherzentrale mahnt zur Vorsicht beim Konsum.

Während im bundesweiten Trend die Zahl überschuldeter Personen in diesem Jahr erstmals seit fünf Jahren geringfügig gesunken ist, ist in Mönchengladbach die Überschuldungsquote erneut auf jetzt 16,6 Prozent gestigen. Damit liegt Mönchengladbach von 401 erfassten Städten und Kreisen auf Platz 390 und hat die „Top Ten“ nur knapp verfehlt.

Entnehmen lassen sich diese Zahlen dem Schuldner-Atlas von Creditreform. Aktuell sind rund 6,92 Millionen volljährige Verbraucher in Deutschland überschuldet. Die Auskunftei begründet die im Bund positive Entwicklung mit der zuletzt guten wirtschaftlichen Lage und auch mit dem Zuwachs der Bevölkerung. Angesichts dieser Zahlen wird man sich in Mönchengladbach die Frage stellen dürfen, was hier anders läuft und warum sich die zuvor genannte Entwicklung nicht auch in unserer Stadt positiv bemerkbar macht.

Neu ist die Situation für Mönchengladbach indes nicht. Schuldnerberatung und Verbraucherzentrale haben seit Jahren viel zu tun. Auch wenn die Zahl der Privatinsolvenzen zuletzt rückläufig war, der Trend zeigt in eine andere Richtung. Sollten sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben, dürften auch die Überschuldungszahlen eher noch stärker steigen als in den letzten Jahren. Schließlich ist die in Mönchengladbach ansässige Logistikbranche auch vom innerdeutschen Konsum abhängig und die zunehmende Digitalisierung könnte zusätzlich zu Rationalisierungen führen. Die aktuell sehr niedrigen Zinsen kurbeln zwar den Konsum an, Ratenzahlungen und Kredite können aber im Falle von Arbeitslosigkeit, längerer Krankheit oder Familienzuwachs schnell zu finanziellen Problemen führen. So sind etwa alleinerziehende Frauen überdurchschnittlich häufig von Überschuldung betroffen.

Nach der Einschätzung von Creditreform ist zudem die angespannte Lage am Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten für viele Verbraucher weiterhin ein Überschuldungsrisiko. Entgegen dem Trend nahm 2019 auch die „Altersüberschuldung“ der über 50-Jährigen zu. So stieg zum Beispiel die Zahl der Personen ab 70 Jahren, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten, innerhalb von nur zwölf Monaten um 44,9 Prozent auf rund 380.000.

Schulden haben hat nichts mit Schuld zu tun. Nur in der deutschen Sprache sind die Worte fast identisch. Schulden sind in unserer heutigen Gesellschaft nicht nur sozialüblich geworden, sondern auch wesentlicher Bestandteil unseres Wirtschaftssystems. Keiner muss sich schämen, wenn er Schulden hat und doch haben viele Menschen Hemmungen, über dieses Thema zu sprechen. Dabei ist es wichtig, sich bei finanziellen Problemen rechtzeitig Rat zu holen. Sich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen, das konnte nur der Baron von Münchhausen.

Sebastian Dreyer ist Rechtsanwalt und Leiter der Verbraucherberatung.

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