1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Theaterstück "Der Himmel über Paris"

Matinée : Der Himmel über Paris bricht mit Klischees

Ab dem kommenden Freitag können die Theaterbesucher den „Himmel über Paris“ erleben. Noch nie habe er an einem Stück so lange „geknabbert“, verriet Autor Lothar Kittstein bei einer Matinée.

„Himmel über Paris“ – da denkt man doch gleich an den Eiffelturm, die Champs Elysées, an Paris als Stadt der Liebe. Klischees, die der Autor Lothar Kittstein durchaus zu bedienen und zugleich brechen versteht. Am Sonntagvormittag konnten knapp 40 Gäste der Matinée in der Theaterbar einen inhaltlichen und musikalischen Vorgeschmack auf den „Himmel über Paris“ erhalten.

Moderiert von Dramaturg Thomas Blockhaus standen der musikalische Leiter des Theaters, Jochen Kilian, die Schauspieler Adrian Linke und Jochen Henschke sowie Matthias Gehrt für die Inszenierung und Autor Lothar Kittstein zum Gespräch bereit. Musikalische Kostproben lieferten Linke und Henschke. Kittstein hat mit „Himmel über Paris“ nach „Kein schöner Land“ bereits das zweite Auftragsstück für das Theater geschrieben.

Im aktuellen Stück geht es um den aus Herne stammenden Ingenieur Franz, gespielt von Adrian Linke, der in Paris die Prototypen seiner neu entwickelten, dünnen Windel vorstellen wird. Der Koffer, in dem er sie aufbewahrt, wird gestohlen. Er läuft ihm hinterher und landet nächtens in den untouristischen Banlieus von Paris. Hier begegnet er der zweiten Hauptfigur des Stückes, einer ebenfalls aus Herne stammenden und ebenso gestrandeten, frisch geschiedenen Lehrerin, gespielt von Esther Keil. Und damit wird aus einer unschönen Odyssee dann doch noch eine kleine Liebesgeschichte.

Man habe, so Gehrt, nach der „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, in dem französische Chansons eingebaut waren, die Idee gehabt, einen Abend zu entwickeln, der sich primär mit Musik befasse. Mit 13 französischen Chansons übernimmt die Musik den Schwerpunkt des Stücks. Kilian begleitet die Sänger live am Klavier, Heinz Hox spielt das Akkordeon.

 Lothar Kittstein bekam den, wie er sagt, „ungewöhnlichen“ Auftrag, ein Theaterstück um „Chansongrößen“ wie Piaf, Brel, Aznavour herumzuschreiben. Noch nie habe er so lange an einem Stück „herumgeknabbert“, aber es sei eine tolle Aufgabe gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit den Schauspielern sei überaus konstruktiv gewesen. „Von mir aus hätte er die ganze Zeit dabei sein können“, meinte Adrian Linke. Der Schauspieler Joachim Henschke übernimmt im „Himmel über Paris“ die Rolle eines verarmten, rassistischen Mannes, ehemals Algerienkämpfer. Henschke begreift „Unterwerfung“, „Kein schöner Land“ und „Himmel über Paris“ als zusammengehörige Trilogie. „Es ist ein großes Vergnügen, ‚Himmel über Paris‘ zu spielen“, so Henschke.

Trotz aller Lieder: das Stück sei kein Musical, so Gehrt. Es ist „mehr als ein Sozialdrama, mehr als ein Musical, es will beides gleichzeitig.“ „Sie mögen sagen, ob’s gelungen ist“, wandte sich Gehrt an die Besucher der Matinée. Das Paris, in das Kittstein die Zuschauer entführt, ist „das sozial randständige Paris, in dem alle damit beschäftigt sind, aufs Zentrum zu starren.“

Zwei Welten sind an einem Ort auf der Bühne präsent. Das gelingt in der Inszenierung, wie Gehrt erklärte, durch große Projektionen, die Motive des Zentrums sowie der Péripherie zeigen.