Konzert in Mönchengladbach Wie Talente in der Musikschule besonders gefördert werden

Mönchengladbach · Ein Jahr lang erhielten fünf besonders begabte Schüler der Musikschule ein Stipendium. Sie erarbeiteten unter anderem eigene Konzertformate. Am Sonntag präsentieren sie das Ergebnis im Carl-Orff-Saal.

 Beim Workshoptag an der Musikschule probten die Schüler der S-Klasse, (v.l.) Arwen (14), Michelle (13), Oskar (17), Pauline (16), Paula (16) für das Konzert am Sonntag, 21. April, das sie auch selbst moderieren.

Beim Workshoptag an der Musikschule probten die Schüler der S-Klasse, (v.l.) Arwen (14), Michelle (13), Oskar (17), Pauline (16), Paula (16) für das Konzert am Sonntag, 21. April, das sie auch selbst moderieren.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Michelle Gruber, Paula Wilkes, Arwen Sun, Pauline Krull und Oskar Iseke fiebern dem 21. April entgegen. Dann geben die fünf Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren im Carl Orff-Saal ein Konzert mit Werken von Beethoven, Camille Saint-Saëns, Bach und weiteren großen Klassikern. „Das Niveau der ausgewählten Werke entspricht im Schwierigkeitsgrad eher an Studenten als an Schülern gestellte Erwartungen“, sagt Musikschulleiter Stefan Vörding. Die inzwischen freundschaftlich verbundenen vier Stipendiatinnen und ein Stipendiat wollen außerdem mit pfiffigen Anmoderationen als Beispiele weiterer Früchte ihrer einjährigen Förderung durch die S-Klasse punkten.

„S-Klasse steht für Spitzenförderung“ definiert Vörding das Format, das von seinem Vorgänger Christian Malescow eingeführt wurde. Das Vorspiel der Bewerber ist wegen des Strebens nach größtmöglicher Objektivität mit einer externen Jury besetzt. Zur Förderung zählen eine intensive Unterrichtsbetreuung durch extra Stunden, Workshops und in diesem Jahr auch die Zusammenarbeit mit der Musikvermittlerin Anne Kussmaul von der Elbphilharmonie Hamburg. „Das Thema, ein Stück schön zu spielen, lernen unsere Schüler auch ohne S-Klasse. Doch mit der Musikvermittlerin haben sie in diesem Jahr auch ein eigenes Konzertformat erarbeitet und gelernt, ein Programm zu moderieren und dabei auch zum Beispiel darauf zu achten, wie etwa ein Mikrofon gehalten werden sollte“, sagt Vörding. Er betont, dass neben den Ansprüchen an Integration, Inklusion und allgemeiner Förderung auch die Spitzenförderung zu den Kernaufgaben der Musikschule zähle.

„Ich habe mich beworben, weil ich Musik studieren und zusätzliche Erfahrungen machen möchte. Es macht auch großen Spaß, mit anderen auf gleichem Niveau abzuhängen“, begründet der 17-jährige Oskar seine Teilnahme. Besonders wertvoll sei für ihn die Erfahrung gewesen, ein eigenes Konzert zu planen. „So etwas habe ich vorher noch nie gemacht. Das war ein spannender Prozess von der Stückeauswahl bis zur Moderation“, so der Schüler.

Pauline Krull hat zwar nach vorübergehenden Plan, Musik zu studieren, vorläufig verworfen. Doch die 16-jährige Cellistin verspricht sich von den Angeboten der S-Klasse einen Erkenntnisgewinn, der auch außerhalb einer musikalischen Karriere von Nutzen sei. So habe sie zum Beispiel bei einem Workshop zum Thema Nervosität vor dem Auftritt auch für andere Bereiche viel gelernt. Die Überzeugung teilt sie mit Arwen, einer begeisterten Geigenspielerin, die von ihrer Lehrerin auf die S-Klasse aufmerksam gemacht wurde. „Ich spiele gerne Kammermusik und habe hier neue Freunde gefunden. Ich finde es schön zu erfahren, was die anderen machen und über den Austausch voneinander lernen zu können“, sagt die 14-Jährige mit dem Ziel Musikstudium.

Ohne Motivationsschübe durch die Lehrerin und vergleichbare Angebote hätte sie vielleicht schon mehrfach mit dem Unterricht aufgehört, bekennt Paula Wilkes. Doch inzwischen peilt auch die 16-jährige Geigerin ein Musikstudium an. Der dreizehnjährigen Michelle haben während des Förderprogramms die durchgeführten Rollenspiele besonders gut gefallen. „Vorher habe ich immer nur die Sicht des Publikums und mein Spiel gesehen. Jetzt aber kann ich mich auch besser in die anderen einfühlen“, sagt die junge Klavierspielerin.

Musikvermittlerin Kussmaul ist hochzufrieden mit den fünf Talenten. „Die haben gute Ideen eingebracht, etwa für Moderationstexte und die Art des Vortrags. Die Moderation mag schnell vorbeigehen, doch die Schülerinnen und Schüler merken, dass auch an kleinen Dingen alles seine Vorbereitung braucht, um sich einzubringen. Und darauf haben die Fünf richtig Bock“, sagt Kussmaul. Sie lobt explizit den wertschätzenden Umgang im Miteinander der fünf Stipendiaten. Die freuen sich auf ihr Konzert. Ein bisschen Nervosität gehöre dazu. „Fürs Spielen braucht man das Adrenalin. Wenn wir lustig nervös sind, können wir uns gegenseitig aufbauen und mit gutem Gefühl auf der Bühne stehen, weil die anderen mit uns fiebern und froh sind, wenn wir schwere Stellen gut geschafft haben“, sagt Arwen. Die Fünf sind halt Freunde geworden.
Früchte der BegabtenförderungKonzert: Sonntag, 21. April, 17 Uhr im Carl Orff-Saal der Musikschule.Stipendiatinnen und Stipendiat: Arwen Sun, Michelle Gruber, Paula Wilkes, Oskar Iseke, Pauline Krull.Eintritt: freiFörderung der S-Klasse durch Musikfreunde MG, Frank und Heide Paetzold-Stiftung, Förderverein der Musikschule.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort