Mönchengladbach: Studie der Hochschule Niederrhein zu Personalmangel in Pflege

Hochschule Niederrhein : Studie rät, Altenpfleger besser zu bezahlen

Bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung könnten helfen, den Mangel an Fachkräften in der Altenpflege zu beheben. Das sagt eine Studie der Hochschule Niederrhein. Die will den Pflegeberuf mit einem Dualen Studiengang attraktiver machen.

Wer einen Beruf sucht, der vor allem krisenfest ist, sollte über Altenpflege nachdenken. „Gegenwärtig und auch zukünftig werden sich qualifizierte Pflegekräfte den attraktivsten Arbeitgeber aussuchen können“, stellt jedenfalls Eileen Kamps fest. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein hat für eine Studie fast 500 Personalverantwortliche in stationären Altenpflegeeinrichtungen befragt und sich mit Strategien gegen den Mangel von Fachkräften in der Altenpflege beschäftigt. Hier einige Erkenntnisse:

Mangel Im Schnitt dauert es 175 Tage, bis eine freie Stelle in der Altenpflege wieder besetzt werden kann. In den vergangenen zehn Jahren ist Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege gestiegen. Aber: 62 Prozent von 430 Pflegeheimen gaben bei der Umfrage an, dass sie ihre Ausbildungsplätze nicht alle besetzen konnten. Und selbst wenn ein Bewerber verpflichtet wird, ist damit oft kein künftiger Mitarbeiter gewonnen. Von 380 Heimen gaben mehr als 38 Prozent an: Dass eine Ausbildung abgebrochen werde, sei der häufigste Fall. Und oft verlassen die erfolgreich Ausgebildeten sofort das Unternehmen. Dass ehemalige Azubis auch nach mehr als fünf Jahren noch im Unternehmen sind, ist eher selten.

Image Altenpflege habe immer noch ein geringeres Ansehen als die Krankenpflege, die eher den medizinischen Berufen zugeordnet werde. Eileen Kamps verweist demgegenüber aber auch auf Studien, nach denen Pflegekräfte ihren Beruf für attraktiv, weil vielseitig halten und Motivation daraus ziehen, etwas Sinnvolles zu tun. Daher rät die Studie der Branche zu einer Informations- und Imagekampagne.

Arbeitsbedingungen Nacht-, Wochenend- und Schichtarbeit seien besondere Herausforderungen in der Altenpflege, sagt die Studie. Und: „Der Termin- und Leistungsdruck ist für die Pflegekräfte psychisch belastend. Daneben sind körperliche Anforderungen, wie das viele Arbeiten im Stehen oder das Heben und Tragen schwerer Lasten im Vergleich zu anderen Erwerbstätigen überdurchschnittlich hoch.“ Die Studie legt Arbeitgebern daher nahe, für gesündere Arbeitsbedingungen zu sorgen, auch um die Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter langfristig zu erhalten. Nötig seien „Maßnahmen zur Verminderung der Arbeitsbelastung“, „flexible Anpassung der Arbeitszeiten an biografische Bedürfnisse“ und die Digitalisierung von Arbeitsabläufen, etwa der Pflegedokumentation.

Bezahlung „Das Durchschnittsgehalt eines examinierten Altenpflegers beträgt 2621 Euro brutto monatlich“, heißt es in der Studie, „Altenpfleger verdienen damit 16 Prozent weniger als der Durchschnitt der Pflegeberufe und 19 Prozent weniger als ein Krankenpfleger.“ Kein Wunder, dass die Studie daher bilanziert: Die Attraktivität des Berufs werde „entscheidend von der Vergütung der examinierten Pflegekräfte abhängen“. Und die sei für Altenpfleger bislang „verhältnismäßig gering“.

Ausländische Arbeitskräfte Der Einsatz ausländischer Fachkräfte könne helfen, sei aber alleine nicht die Lösung des Problems, so die Studie. Mangelhafte Deutschkenntnisse, falsche Vorstellungen von den Arbeitsanforderungen in Deutschland und bürokratischer Aufwand für die Anstellung ausländischer Arbeitnehmer erwiesen sich als Hürden.

Fortbildung Weiterbildungen nach bundeseinheitlichen Qualitätssicherung-Standards könnten Aufstiegsmöglichkeiten eröffnen und den Beruf attraktiver machen. „Vor dem Hintergrund der zunehmenden Abiturientenquote unter den Schulabgängern scheint die Teilakademisierung ein Ansatz zu sein“, sagt Professor Christian Timmreck, Dekan des Fachbereichs Gesundheitswesen. Wie viele andere Hochschulen macht auch die Hochschule Niederrhein ein akademisches Angebot. Seit einem Jahr gibt es dort einen dualen Bachelorstudiengang „Pflege“. Er nimmt das Prinzip Teilakademisierung auf und rechnet große Teile aus der Pflegeausbildung an. Und: Er umfasst die Gesundheits- und Krankenpflege wie auch die Altenpflege.

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