Mönchengladbach: Stroetges-Haus Thema im NRW-Ministerium

Käthe-Stroetges-Haus: Heimschließung erreicht den Landtag

Mit einer Anfechtungsklage versuchte der Trägerverein die Heimschließung im Eilverfahren zu verhindern – ohne Erfolg. CDU-Abgeordneter Jochen Klenner wirft ihm und seiner Vorsitzenden Käthe Stroetges fehlende Einsicht vor.

Die Situation des Alten- und Pflegeheims Käthe-Stroetges-Haus an der Brückenstraße ist inzwischen Thema im Landtag. Denn immerhin ist es seit 2015 wieder die erste komplette Heimschließung in NRW. Weil unter anderem die Pflege nicht mehr ordnungsgemäß gewährleistet war, mussten 47 Bewohner innerhalb weniger Tage in anderen Heimen untergebracht werden. „Ich habe darüber in den vergangenen Tagen intensiv mit Minister Karl-Josef Laumann und Abgeordnetenkollegen aus dem Sozialausschuss des Landtages gesprochen“, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Jochen Klenner und fügt hinzu: „Enttäuscht bin ich über das Verhalten des Trägers.“

Er vermisst beim Verein Sport für betagte Bürger „Einsicht oder Bereitschaft, gemeinsam für die betroffenen Bewohner die beste Lösung in dieser schwierigen Situation zu ermöglichen“. Stattdessen würden Verstöße zwar öffentlich eingeräumt, aber auf Plakaten verharmlost. Wie berichtet, hing am Käthe-Stroetges-Haus ein Banner mit dem Schriftzug: „Bei uns geht Menschenwürde vor Dokumentation!!“ Ihn, Klenner, mache dies betroffen, weil sich der Träger damit moralisch über andere Heimträger erhebe. Klenner lobt die städtische Sozial-Holding und andere Träger sowie deren Beschäftigte, die für eine schnelle Aufnahme und Versorgung der Stroetges-Haus-Bewohner gesorgt haben.

Die Gladbacher Grünen schalten zu den Vorgängen den Sozialausschuss des Rates am Donnerstag, 20. September, (17 Uhr, Ratssaal des Rathauses Rheydt) ein. Darin stellt die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Anna Bögner, neun Fragen. Die Stadt soll unter anderem Stellung zu den Mängeln nehmen, die dem Altenheimträger, dem Verein Sport für betagte Bürger, vorgeworfen werden. Auch mögliche Auswirkungen auf das Altensportzentrum, das von der Stadt seit Jahren gefördert wird, spielen im Fragenkatalog eine Rolle. Ebenfalls wollen die Grünen wissen, ob es eine Nachfolgeregelung für die Führung des Vereins gibt.

  • Dieses Banner hängt am Käthe-Stroetges-Haus und
    Verdi kritisiert Vorstand des Heimträgers : Stroetges-Haus: Zwei leitende Pflegekräfte erhielten die Kündigung noch in der Probezeit

Seit vielen Jahren ist Käthe Stroetges seine Vorsitzende, inzwischen ist sie über 80 Jahre alt. Die Gewerkschaft Verdi hatte ihr und dem Vorstand vorgeworfen, schuld an der Situation des Käthe-Stroetges-Hauses zu sein. Die Vorsitzende sei „inkompetent und überfordert“, so Gewerkschafter Frank R. Dücker. Die Heimschließung hatte der Vereinsvorstand juristisch zu verhindern versucht. Gegen die von der städtischen Heimaufsicht verhängte Betriebsuntersagung läuft eine Anfechtungsklage. Der Altenheimträger Sport für betagte Bürger hatte vor Gericht keinen Erfolg, die Entscheidung der Heimaufsicht kurzfristig aufzuschieben.

Auch Ralf Horst, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, stärkt der Stadt in ihrem Vorgehen den Rücken. Er fordert, die Bewertung und Qualitätskontrolle von Pflegeeinrichtungen zu überarbeiten, damit Missstände besser festgestellt und Bewohner als auch Angehörige transparent informiert werden können. „Wir brauchen aber auch Notfallregelungen auf Landesebene. Dabei muss geklärt werden, wann die Heimaufsicht Bewohner und Angehörige informieren darf. Und wie man einen Weiterbetrieb sicherstellt, auch wenn der Träger ausfällt“, sagt Ralf Horst. Laut Stadt wäre eine kommissarische Geschäftsführung auch jetzt durch einen anderen Träger möglich gewesen – in diesem Fall hätte aber der Verein zustimmen müssen. Er hatte vergangenen Freitag offenbar darauf verzichtet, Fachkräfte der Sozial-Holding, die sich selbst angeboten hatten, kurzfristig in den Altenheimbetrieb zu integrieren. Man habe ausreichend Personal, soll der Verein der Stadt mitgeteilt haben.

(web)