Mönchengladbach: Streit über indirektes Linksabbiegen für Radfahrer

Indirektes Linksabbiegen : Rat für Radler: Drei Wege nach links

Radeln sorgt für stramme Waden und in Mönchengladbach auch für stramme Debatten zwischen Stadt, Politik und Fahrrad-Lobby. Etwa über die Frage, wie Radler an Kreuzungen am besten nach links die Kurve kriegen – nicht nur während der Mobilitätswoche.

Aufarbeiten! Eine gängige Vokabel in politischen Debatten, wenn die Lage unübersichtlich, aber unbedingt diskussionsbedürftig erscheint. In der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses nahm Thomas Fegers das Wort in den Mund. „Das indirekte Linksabbiegen muss öffentlichkeitswirksam aufgearbeitet werden“, sagte der SPD-Fraktionsgeschäftsführer. Gemeint war nicht das Abbiegen des Wählers zur SPD. Sondern eine Verkehrsführung für Radfahrer an Kreuzungen, die dem Mönchengladbacher Fahrradclub ADFC nicht recht gefällt. Oder in den Worten des ADFC-Vorstandsmitglieds Thomas Maria Claßen: „Wir sind nicht glücklich mit der Präferierung des indirekten Linksabbiegens durch die städtischen Planer.“ Zu unsicher und zu umwegig sei diese Lösung, findet der ADFC. Er strampelt sich für eine andere Variante ab: Aufstellflächen für Radler vor den haltenden Autos.

Uff! Besser erst einmal bremsen und in den Rückspiegel schauen:

Worum geht es eigentlich? Zu schmale Radwege, oft miserable Oberflächen, schlechte Führung entlang von Baustellen – das steht auf der Mängelliste des örtlichen Radwegenetzes weit oben. Hinzu kommt offenbar ein Problem, das der unbedarfte Verkehrsteilnehmer durch die Straßenverkehrsordnung geregelt wähnt: Linksabbiegen an einer Kreuzung. Einfach scheint das jedoch nur in der Sesamstraße zu sein, eröffnen sich doch dafür andernorts mehrere Möglichkeiten. Stellen wir uns also einmal janz dumm und lesen die Erläuterungen, die die Stadt dazu gibt:

Direktes Linksabbiegen „Beim direkten Linksabbiegen ordnen sich die Radfahrer auf der linken Fahrbahnspur ein. Diese Möglichkeit eignet sich vor allen Dingen auf Straßen, wo wenig Verkehr ist. Diese Variante ist die schnellste, aber auch die gefährlichste Möglichkeit.“

Indirektes Linksabbiegen „Sicherer ist die Variante des indirekten Linksabbiegens: Hier überqueren Radfahrer zunächst die von rechts kreuzende Straße und können sich dort in einem gekennzeichneten, geschützten Bereich aufstellen. Andere Fahrradfahrer, die weiter geradeaus fahren wollen, haben die Chance, vorbeizufahren. Eine eigene Ampel für Radfahrer schaltet einige Sekunden vor dem dahinter positionierten Autoverkehr auf Grün, so dass die Radfahrer zuerst losfahren können. Es gibt Kreuzungsbereiche, wo die Verkehrsteilnehmer mit dem Rad auf eine Fußgängerampel mit Radfahrsymbol achten müssen. In beiden Fällen erhöht das indirekte Linksabbiegen die Verkehrssicherheit. Der Nachteil ist ein etwas höherer Zeitaufwand.“ Und, Obacht: „Das indirekte Linksabbiegen ist ein zusätzliches Angebot, muss aber nicht zwingend wahrgenommen werden.“

Erweiterte Aufstellflächen „Hier können sich Radfahrer in einem auf den gesamten Kfz-Fahrstreifen ausgedehnten Bereich aufstellen und stehen im Blickfeld der Kfz-Fahrer. Der Nachteil ist, dass Linksabbieger sich bei Grün in den fließenden Verkehr einfädeln müssen.“

Was sagen die städtischen Planer? Bei der Einschätzung des Sicherheit des indirekten Linksabbiegens lassen die Erläuterungen einen gewissen Dissens zum ADFC erkennen. Doch Stadtdirektor Gregor Bonin, Chef nicht nur aller Stadtplaner, betont: „Wir müssen von Kreuzung zu Kreuzung abwägen, welche Möglichkeit die richtige ist. Aber klar ist, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer oberste Priorität hat.“ Klingt nicht nach Präferenzen. Im Planungsausschuss brachte er das auf die sentenziöse Formel: „Es hilft nicht, wenn alle Kreuzungen gleich aussehen, weil nicht alle Kreuzungen gleich sind.“

Und was sagt die Stadt sonst noch? Dass die Festlegung einer Verkehrsführung auf einer Kreuzung nicht Sache eines Ratsausschusses sei, sondern der Straßenverkehrsbehörde. Und dass sie den Austausch mit dem ADFC in einer AG Nahmobilität intensivieren wolle.

Mehr von RP ONLINE