Mönchengladbach: Straßenbahn fuhr bis 1969, 2019 kommt ein Triebwagen in die City

Nahverkehr in Mönchengladbach: Die Rückkehr einer Straßenbahn

50 Jahre ist die letzte Fahrt in Gladbach her, bald soll Triebwagen 26 als Ausstellungsstück in der Innenstadt stehen.

Der 5. Oktober 1968 ging in die Rheydter Geschichte ein. Damals fuhr die letzte Straßenbahn von Gladbach nach Rheydt. Am 15. März 1969, also vor fast genau 50 Jahren, war endgültig Schluss mit der Straßenbahn. Die Triebwagen 6, 21 und 95 der Linie 7 waren die letzten Straßenbahnen, die an jenem Tag durch die Stadt rollten. Die Fahrt ging von der Hindenburgstraße über den Alten Markt zur Endstation nach Lürrip. Die Bahnen waren schwarz lackiert und trugen Trauerflor. Um sich von der Straßenbahn zu verabschieden, verbrannten einige Bürger Modelle der Bahn. Seitdem ist die Straßenbahn aus dem Stadtbild verschwunden. Erhalten ist nur noch Triebwagen 26. Der könnte bald wieder mitten in der Innenstadt stehen.

„Seit April vergangenen Jahres lassen wir ihn bei einer Spezialfirma in Neustrelitz restaurieren“, sagt Axel Ladleif vom Verein „Projekt Straßenbahn Tw 26“. Das Ziel, ihn zum Jahrestag wieder in Gladbacher zu haben, ist gescheitert. Um die Kosten gering zu halten, dauern die Arbeiten länger. Doch der Triebwagen wird wieder nach Mönchengladbach kommen. „Wir hoffen, dass es noch in diesem Jahr klappt, es kann aber auch nächstes Jahr werden“, sagt Ladleif. Ursprünglich war geplant, dass er dann vor dem Hugo-Junkers-Hangar stehen wird und als Schauplatz kultureller Veranstaltungen dient. Daraus wird wohl nichts. „Wir sind in Gesprächen für einen besseren Standort in der Innenstadt oder in Innenstadtnähe“, verrät Ladleif. Ein Ziel ist bereits erreicht. „Die Scheiben des Triebwagens waren kaputt. Aus Mannheim haben wir nun welche von einem baugleichen Typ bekommen“, berichtet der Straßenbahnfan.

2014 kam Triebwagen 26 nach einem Zwischenspiel in Aachen zurück nach Mönchengladbach. Zunächst stand er in einer Halle auf dem Reme-Gelände, wurde dort aber durch Vandalismus stark beschädigt. Im Juli 2017 kam der Wagen ins Monfortsquartier. Von dort ging er im April vergangenen Jahres auf seine Reise nach Neustrelitz. Die Instandsetzung soll rund 50.000 Euro kosten. Die Kosten sollen durch Spenden finanziert werden. Triebwagen 26 stammt aus den 1950er-Jahren und wurde im April 1957 nach Gladbach geliefert. 1968 verkaufte man ihn nach Aachen, wo er bis 1973 in Betrieb war. Von dort ging die Reise nach Mainz, wo Triebwagen 26 bis 1988 fuhr. Seit 1993 diente er als Denkmal auf dem Betriebshof in Aachen.

Die letzte Fahrt der drei Triebwagen vor 50 Jahren erlebten viele Bürger mit. Sie säumten den rund elf Kilometer langen Weg. 1881 hatte die Geschichte der Straßenbahn in Mönchengladbach begonnen. Damals wurde die Bahn von Pferden gezogen. Die erste elektrische Bahn verkehrte im Frühjahr 1900 zwischen der Lüpertzender Straße und Mülfort. Die Fahrt kostete 20 Pfennig. Bei der letzten Fahrt vor 50 Jahren erklärte der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Wachtendonk, dass es an der Zeit sei, sich dem Fortschritt nicht mehr zu verschließen.

Triebwagen 26 im Betriebshof Voltastraße – so soll er später wieder aussehen (wenn auch wohl ohne Werbung). Foto: Verein Projekt Tw 26. Foto: Verein Projekt Tw 26

Elektrofahrzeuge soll es bald wieder im Nahverkehr in Mönchengladbach geben. Die NEW hat mit Fördermitteln vier Elektrobusse bestellt, die auf der Linie 033 von Eicken nach Venn eingesetzt werden sollen. Zwischenzeitlich hat es beim Lieferanten Verzögerungen gegeben. Die NEW hält nach Unternehmensangaben aber an dem Plan fest, Gladbachs erste Elektrobus-Linie im vierten Quartal in diesem Jahr noch in Betrieb nehmen zu wollen.

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