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Mönchengladbach: Stephan Grünewald erklärt Folgen von Krieg und Corona für Menschen

Vortrag von Stephan Grünewald in Mönchengladbach : Was Corona und Krieg mit den Menschen machen

Der Psychologe und Bestseller-Autor Stephan Grünewald sprach vor Unternehmern der Metall- und Elektroindustrie über Krisenerfahrung, Leidensdruck und verlorene Allmachtsgefühle.

Erst Corona, dann der Krieg in der Ukraine mit allen Folgen und Unwägbarkeiten für das Leben der Menschen in Deutschland. Seit fast zweieinhalb Jahren währt der Krisenmodus. Und er hat die Menschen verändert, wie Psychologe Stephan Grünewald, Bestseller-Autor und Mitgründer des Rheingold-Instituts, erkennt. Grünewalt ist Mönchengladbacher und sagte jetzt bei der Jahreshauptversammlung der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie (UME) im Haus Erholung: „Veränderung ist nur möglich, wenn es eine Krisenerfahrung und Leidensdruck gibt.“

Krisen und Leidensdruck hören Unternehmer natürlich nicht gerne. Albrecht Driescher, Vorsitzender der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie, warnte vor einem Gasembargo gegen Russland: „Wir verurteilen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine auf das Schärfste. Der Druck auf das System Putin darf aber nicht mehr schaden als nutzen. Ein Gasembargo würde zwei Jahre Produktionsstillstand unserer Industriebetriebe inklusive Massenarbeitslosigkeit bedeuten.“ Deutschland sei keine robuste Insel des Wohlstands, sondern von Energie und Rohstoffen abhängig. „Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit unsrer Wirtschaft zu sichern. Globalisierung und Digitalisierung schüren bereits Zukunftsängste.“

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Grünewald ist bekannt dafür, die Frage zu ergründen, wie Deutschland tickt. Nun hat er untersucht, wie Pandemie und Krieg Menschen, Märkte und Gesellschaft verändern. Im Vorkrisenmodus waren die Deutschen in ihrem eigenen Auenland mit ihrem Smartphone verwachsen, das das Versprechen gab: „Unser Leben wird immer einfacher, digitaler. Ich fühle mich mit Apps allmächtig.“ Durch Corona und noch mehr den Krieg traf die digitale Allmacht aber auf analoge Ohnmacht und zwang die Menschen aus ihrer eigenen Bräsigkeit, die Grünewald so umschreibt: „Zustand permanenter Gegenwart ohne Zukunftselan“.

Im Herbst 2021 hatte die Pandemie für tief sitzende Verunsicherung gesorgt, den Rückzug ins eigene Schneckenhaus, manche sehnten sich nach den Lockdowns, weil diese Zeiten als Entlastung empfunden wurden bei rund ein Drittel der Menschen.

Im Frühjahr 2022 erkennt Grünewald eine „resignative Grundhaltung“ bei vielen Menschen, einen Zustand der Melancholie, den er „Melancovid“ nennt. Dann brach der Krieg herein mit „unheimlichem Eskalationspotenzial“ und neuerlicher Ohnmacht, auf die Menschen wieder mit Klopapier-Hamsterkäufen reagierten. „Das etwas mit Ohnmacht zu tun: Man zeigt der Welt, dass man in der größten Krise noch geschäftstüchtig bleibt.“

Während die Klimakrise ein berechenbares Bedrohungsszenario und Corona ein bedrohliches Angst-Szenario bedeuteten, habe der Krieg eine „Eskalationslogik und eine unfassbare Schockwirkung“ entfaltet. Mut mache in dieser Situation, dass der Mensch sich nicht mehr als Übermensch mit absoluter Daseinskontrolle via Smartphone begreife. „Wir brauchen den anderen als Unterstützung, weil wir nicht allmächtig sind. Wir haben den Abschied vom Auenland erlebt.“