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Mönchengladbach: Stephan Dedring über neue Verbundenheit in Corona-Zeit

Denkanstoß aus Mönchengladbach : Gemeinsam die Corona-Krise in den Griff kriegen

Der evangelische Pfarrer Stephan Dedring schreibt über konfessionelle Verbundenheiten und wünscht sich auch im Alltag mehr Miteinander, um die Herausforderungen in Zeiten der Pandemie zu meistern.

Manchmal habe ich kein Verständnis mehr. Ein Bote wirft 600 Wahlbenachrichtigungen kurzerhand in den Papiermüllcontainer. Irgendjemand stellt seinen Müllbeutel einfach wieder in der Grünanlage ab. Ein Vermieter verabredet mit einem Mietinteressenten einen Besichtigungstermin, aber der erscheint ohne Entschuldigung einfach nicht. Und manche ignorieren provokativ die Maskenregelung in den Geschäften. Ja, geht´s noch? Ist manchen Leuten einfach alles egal? Haben wir nicht gerade in der Corona-Pandemie wieder lernen können, dass wir nur in gegenseitiger Rücksichtnahme und Verantwortung füreinander die Krise und das Leben meistern können?

Ich will mich aber lieber über das Gute freuen. Vergangenen Sonntag waren wir Protestanten eingeladen, im Gladbacher Münster die offizielle Ankündigung der Heiligtumsfahrt zu begehen, die im nächsten Jahr wieder in ökumenischer Verbundenheit gefeiert werden soll. „Verwoben“ ist das Motto, das auch anzeigt, dass im Gewebe der konfessionellen Verbundenheit die traditionell verschiedenen Perspektiven auf den gemeinsamen Christus nichts Trennendes mehr haben.

  • Reigen
Zehn Dialoge
von Arthur Schnitzler
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Die alte Tuchreliquie und das neue protestantische Abendmahlstuch, die beide im Münsterschatz aufbewahrt werden, stehen zeichenhaft für die Sehnsucht und die Hoffnung, dass die theologische Annäherung auch amtskirchlich bald zur gegenseitigen Einladung zur Teilnahme am Abendmahl führen werden. Weitere Verbindungen in zunehmend schwierigen Zeiten könnten folgen.

In solcher Verwobenheit könnten die Kirchen in unserer Stadt vielleicht zum Katalysator werden für die immer weiter zunehmende Verbundenheit auch von Gladbach und Rheydt, von Münster im einen und Hauptkirche im anderen Stadtteil, von Alten und Jungen, Einheimischen und Zugewanderten, Männern und Frauen. Die jetzt wieder einmal neu zu erfindenden Innenstädte könnten zu Netzwerkzonen werden: Geschäfte, Cafés, Theater, Kirche und Rathaus mit leicht zugänglicher Stadtbibliothek, in der Alphabetisierungs-, Sprach- und Integrationskurse stattfinden – und auch besucht werden!

Menschen nicht nur auf der isolierten Schnäppchensuche oder in der Blase des immer gleichen Eigenen, sondern jemand in der Pause vom Homeoffice im Gespräch beim Kaffee auf dem Markt mit dem zugewanderten Arbeiter, dem IT-Spezialisten aus Indien, dem Pfarrer, der Postbotin und dem Studenten der Hochschule, der nicht sofort nach Hause fährt nach der Vorlesung. Ich fange an zu träumen – aber das wird ja noch erlaubt sein!

Unsere niederländischen Nachbarn und europäischen Geschwister haben ein nettes Wortspiel vielfach veröffentlicht: „Alleen samen“ – „allein zusammen / nur gemeinsam“ kriegen wir die Coronakrise in den Griff – und gewinnen Zukunft! Gebe Gott uns dazu seinen Segen!

Der Autor ist evangelischer Pfarrer in Rheydt.