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Mönchengladbach: Stephan Dedring über die Hilfe der Bundeswehr bei Corona

Kolumne Denkanstoß Mönchengladbach : Helfer in Uniform

Unser Autor beschäftigt sich in seiner Kolumne damit, warum Mönchengladbach die Corona-Infektionszahlen aktuell gut im Griff hat. Ein wichtiger Grund für ihn: die Bundeswehr.

Endlich gibt es mal ein Städte-Ranking, bei dem Mönchengladbach in positiver Weise vorne liegt – und das ausgerechnet bei der Corona-7-Tage-Inzidenz! Leider gehen die Zahlen nach dem Tiefststand von 23,4 seit einigen Tagen wieder nach oben, aber noch immer liegen wir deutlich vor Düsseldorf, Krefeld und erst recht vor Bonn und Köln. Wie kommt das? Sind wir Gladbacher tatsächlich disziplinierter im Umgang mit Abstand und Maske? Man mag es gar nicht glauben, aber es ist vielleicht doch ein Grund.

Es gibt aber noch einen anderen: Dem Gladbacher Gesundheitsamt sind Soldaten zu Hilfe gekommen! Als Seelsorger habe ich zuletzt mehr Einblick gewinnen können. Soldatinnen und Soldaten der Reserve, häufig mit höheren Dienstgraden und mit der Möglichkeit, für diese Zeit Sonderurlaub vom Arbeitgeber zu bekommen, sind in wechselnden Kontingenten angetreten und haben mit großem Engagement und zivilberuflicher Erfahrung entscheidend geholfen, trotz der zwischenzeitlich hohen Infektionszahlen, die Rückverfolgung der Infektionen und die rechtzeitige Anordnung von Quarantäne zu organisieren. IT-Spezialisten der Bundeswehr haben ein Computerprogramm installiert, das dies sogar bei einer 7-Tag-Inzidenz von mehr als 50 gewährleisten kann.

Soldatinnen und Soldaten haben auch beim Tests in Altenheimen und bei Hephata geholfen. Natürlich sind auch die zivilen Mitarbeitenden der Corona-Einsatzgruppe sehr engagiert und ein effektives Team. Und sie haben keinen leichten Job übernommen. Zivile und militärische Mitarbeitende haben sich gemeinsam richtig reingehängt, als auch in unserer Stadt die Intensivbetten knapp zu werden drohten. Aber sie haben es geschafft, den Überblick über die Infektionsketten zu gewinnen und zu behalten. Vermutlich sind klare Befehlsstrukturen in solchem Stress auch mal sehr hilfreich, damit jeder weiß, was er oder sie zu tun hat. Dankbare Rückmeldungen gibt es nicht nur aus den Altenheimen.

Als Zeichen des Dankes an die Soldatinnen und Soldaten gab es von den Kolleginnen und Kollegen des Gesundheitsamtes letztens auch wieder Gebäck in der Gemeinschaftsküche. Dieser Einsatz ist eine große Werbung für die Bundeswehr, trotz aller Probleme, die die Wehrbeauftragte der Deutschen Bundestages jetzt gerade auch wieder auflisten musste. Der „Bürger in Uniform“ ist seit der Aufhebung der Wehrpflicht etwas in Vergessenheit geraten, als Helfer in Uniform sind die Soldatinnen und Soldaten wieder da.

Einer der Diensthabenden in der Corona-Einsatz-Zentrale geht jeden Tag in Uniform zu Fuß nach Hause. Er hat es nicht weit. Letztens traf er dabei auf eine Frau mit ihrer kleinen Tochter. Als diese ihn in Uniform sah, sagte sie plötzlich und unvermittelt zu ihm: „Danke!“

Stephan Dedring ist evangelischer Pfarrer in Rheydt.