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Mönchengladbach: Stella Farina, Solo-Harfenistin, der Niederrheinischen Sinfoniker

Orchestermusikerin in Mönchengladbach : Verliebt in die Harfe

Die Solo-Harfenistin der Niederrheinischen Sinfoniker Stella Farina entdeckte bereits im Alter von vier Jahren ihr Instrument. Fast so gerne wie Musik hätte sie Architektur studiert.

Stella Farina – diesen wohlklingenden, fast poetischen Namen trägt die Solo-Harfenistin des Orchesters, das sie seit mehr als vier Jahren mit silbrig schimmernden, manchmal virtuosen, dann wieder einschmeichelnden Klängen bereichert.

Doch wie die junge Italienerin, die 1986 in Turin zur Welt kam, ihr Instrument gefunden hat, das mutet fast wie ein Märchen an.

Eine kinderlose Tante, Lehrerin für Mathematik und Physik, wollte ihre vierjährige Nichte Stella musikalisch fördern und nahm sie mit in eine Musikschule – die erste seinerzeit in Italien. Dort wurde nach der Suzuki-Methode gelehrt, wobei die Kinder in diesem frühen Alter zunächst noch ohne Notenlesen gleich mit Einzel- und Gruppen-Instrumentalunterricht beginnen.

Als Erstes sollten die Mädchen und Jungen wählen, welches Instrument ihnen besonders gefalle. Stellas Nachbarin rief „Harfe“, und sie tat es ihr gleich. Mit dieser spontanen, von kindlicher Begeisterung geprägten Aussage, an die sich die Musikerin noch genau erinnern kann, war die Harfenistin der Niederrheinischen Sinfoniker „geboren“. Damit entstand überhaupt die erste Harfenklasse an dieser Musikschule, und Stellas Lehrerin hat über den Werdegang ihrer Eleven ein Buch geschrieben, das ihre inzwischen zu  Orchesterehren gekommene Schülerin in Rheydt wiederum für ihre eigenen Schüler verwendet.

Im Jahre 2004 legte Stella Farina ihre Matura am humanistischen Gymnasium ihrer Heimatstadt ab, drei Jahre später ihr Harfendiplom am Turiner Konservatorium „Giuseppe Verdi“ mit der höchsten zu erreichenden Punktzahl. 2007 folgte das Konzertdiplom mit Auszeichnung an der Hochschule der Künste in Zürich.

Die nächste Station war München. An der dortigen Musikhochschule studierte Farina – jeweils mit diplomiertem Abschluss – Harfe solo bei Prof. Cristina Bianchi und Kammermusik bei Prof. Hariolf Schlichtig und Prof. Andras Adorjan.

Bei der „Jungen Deutschen Philharmonie“, der sie fünf Jahre lang angehörte, und in anderen prominenten Jugendorchestern spielte sie unter erstklassigen Dirigenten wie Sir Roger Norrington oder Ricardo Muti. Weitere Orchesterpraxis erwarb sie unter anderem im Orchester der Oper Zürich, dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks oder beim Gürzenich Orchester Köln.

Zwei Spielzeiten lang hatte Stella Farina Zeitverträge an der Mailänder Scala, wo sie unter Dirigenten wie Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel und Daniel Harding musizieren konnte. In Meisterkursen, beispielsweise bei Xavier de Maistre, vervollkommnete sie ihr Harfenspiel.

Im März 2015 war die Stelle der Soloharfe bei den Niederrheinischen Sinfonikern ausgeschrieben, und mit zwanzig Mitbewerbern spielte die junge Italienerin um den begehrten Platz. „Bei der letzten Runde“, so erzählt sie voller Begeisterung, „durfte ich Probespielstellen aus „La Bohème“ von Puccini und das Solo im „Adagietto“ aus der 5. Sinfonie von Gustav Mahler zusammen mit dem Orchester spielen.“

Dann war es geschafft, und Stella Farina war die „Neue“ im Orchester. Schnell lebte sie sich ein – fühlte sich schon bald als „Mitglied der Theater- und Orchesterfamilie“. Kontakte zu knüpfen fällt der Sprachbegabten (Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch) dank ihrer offenen und freundlichen Art nicht schwer. Kammermusik liegt ihr, die Puccini und Richard Strauss zu ihren Lieblingskomponisten zählt, besonders am Herzen.

Architektur hätte Farina fast so gerne studiert wie Musik. Deshalb füllt diese zweite Vorliebe einen Teil ihrer Freizeit. „Und seit ich meinen kleinen Hund habe – er hört auf den sinnigen Namen Wotan – bin ich zwangsläufig zum Wanderer geworden“, berichtet die lebenslustige Musikerin.