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Mönchengladbach: Stadtteilerkundung in der psychiatrischen LVR-Klinik

An der Heinrich-Pesch-Straße : Expedition in die Psychiatrie-Klinik

Das LVR-Krankenhaus in Rheydt stellte sich 50 Besuchern bei einer „Stadtteilerkundung“ vor. Dabei erfuhren sie auch viel über die Geschichte der Psychiatrie.

Barrieren überwinden, sich auf Unbekanntes einlassen, Informationsbedarf decken – darum soll es an diesem Tag gehen. „Mit so einer großen Gruppe hatte ich nicht gerechnet, das ist schön. Mir ist Besuch wichtig, der unsere Besonderheiten annimmt“, begrüßt der Ärztliche Direktor Stephan Rinckens am Eingang des Klinikgeländes 50 Gäste, die im Zuge des Veranstaltungsreihe „Stadtteilerkundung“ das Haus des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) an der Heinrich-Pesch-Straße kennenlernen wollen.

  Rinckens steigt dann auch gleich ein in die Historie der Klinik. Ein Gebäude aus dem Jahr 1905 diente zunächst der Familie des späteren Luftfahrtpioniers Hugo Junkers als Stadtvilla. Danach zog dort die Rheydter Kinderklinik ein, die 1967 in das neu eröffnete Elisabeth-Krankenhaus umzog. Die Kinderklinik war damals durch eine Schranke von der Außenwelt abgeriegelt; die Besuchszeit beschränkte sich auf zwei Stunden pro Tag.

Auf der anderen Seite des weitläufigen Parkgeländes liegt der älteste Trakt der heutigen Klinik. Er beherbergte ab 1884 die Städtischen Kliniken Rheydt. Später kam ein Erweiterungsbau hinzu mit dominierenden Rundfenster.  Hinter diesen Fenstern befanden sich innenliegende Balkone, die von Tuberkulose-Patienten genutzt wurden. „Zur Heilmethode gehörte eine Liegekur auf diesen Balkonen“, erklärt Rinckens. Als das Elisabeth-Krankenhaus eröffnet wurde, zogen auch die Rheydter Kliniken dorthin. „Der Umzug gelang mit zwei VW-Bussen“, berichtet Rinckens. „Die Kinderkrankenschwestern packten sich ein Baby unter jeden Arm und los ging es zum Eli.“ Viele der überwiegend älteren Besucher, die bislang ernst zugehört hatten, lachen auf.

Zwei Jahre stand das Gebäude-Ensemble leer, dann zog 1969 eine Tages- und Nachtklinik ein, anfangs noch als Außenstelle des Landeskrankenhauses Viersen-Süchteln. 1972 nahm dann die LVR-Kli­nik Mön­chen­glad­bach ihren Betrieb zur Entwicklung einer gemeindenahen psychiatrischen Versorgung für die Stadt auf. Dieses auf Inklusion abzielende Konzept hatte Modellcharakter.

Rückblick: Bis 1972 gab es in Mönchengladbach keine Einrichtung zur stationären Behandlung psychisch kranker Menschen. Die Psychiatrie fand seit dem 19. Jahrhundert generell ihren Platz in großen Hospitälern auf dem Land, fernab der Städte. Dort wurden Patienten zu Bewohnern: „Sie blieben Jahre und Jahrzehnte hinter diesen Mauern. Heute haben unsere Patienten eine durchschnittliche Verweildauer von 23 Tagen. Wir geben ihnen die nötige Hilfe, und dann gehen sie wieder ins Leben“, sagt Rinckens. „Mit unserem Konzept hoben wir die damalige Parallelwelt der Psychiatrie auf und richteten unsere Arbeit nach dem Grundsatz ‚ambulant vor teilstationär vor stationär‘ aus. Entsprechend arbeiten wir eng mit den städtischen sozialen Einrichtungen zusammen“, sagt Rinckens. „Mit zwei Tageskliniken an der Regentenstraße und der Gartenstraße können wir unsere Dienste auch dort anbieten, wo die Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, leben.“

Hell, farbenfroh, Böden in Holzoptik: 2005 wurde ein Erweiterungstrakt mit zwei Einzel- und acht Doppelzimmern, alle mit eigenem Bad, eröffnet. Die Zimmer bieten Raum zum Innehalten; Aufenthalts- und Speisebereiche sind zentrale Begegnungsstätten. „Durch diese Gestaltung nehmen wir den Patienten den Stress. Sie können selbst bestimmen, ob sie Nähe zu anderen suchen oder Distanz wahren möchten. Die Patienten erkennen diese Umgebung als Wertschätzung ihrer Person an. Wir haben keine Sachbeschädigungen mehr“, sagt Rinckens.

Ein Besucher will wissen, ob es in der LVR-Klinik noch Schleusen gibt. Nein, sagt Rinckens, Schleusen, durch die Patienten gehen mussten, um geschlossene Abteilungen zu verlassen, gebe es nicht mehr. Die Tür zu dieser Abteilung ist in der LVR-Klinik mit einem einfachen Schloss gesichert.

In der ergotherapeutischen Werkhalle können sich Patienten begegnen, gemeinsam neue Erfahrungen machen. Durch eigene Leistungen sollen sie wieder Mut schöpfen. Massage, Tonkneten, Flechten, Basteln und Gesellschaftsspiele laden zum Bewegen und zu Stressabbau ein. Ein Besucher will wissen, wie man in die LVR-Kli­nik hineinkomme. „Es muss eine akute Situation oder eine ärztliche Einweisung vorliegen,“ erklärt Rinckens. Eine Bedingung, die aber nicht selten erfüllt wird: Die Klinik behandelt mit 300 Mitarbeitern 1200 Patienten ambulant, hat 170 stationäre Betten und bietet 66 Plätze in ihren Tagespflegeeinrichtungen an. Sie ist Klinik ist an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden lang geöffnet.