Mönchengladbach: Stadt sucht Pflegefamilien für Kinder in Obhut

Inobhutnahmen in Mönchengladbach : Stadt sucht Pflegefamilien

Zehn Familien in Mönchengladbach stehen bereit, wenn das Jugendamt Kinder in Notlagen aus ihren Familien nimmt und woanders in Obhut geben muss. Weil der Bedarf an solchen Plätzen konstant hoch ist, werden weitere Pflegefamilien benötigt.

Claudia P.* kann sich ein Leben ohne Pflegekinder nicht vorstellen. „Ich wollte immer Pflegekinder bei mir aufnehmen“, sagt die Mönchengladbacherin. „Meine Eltern haben das auch so gemacht. Ich bin mit Pflegekindern zusammen aufgewachsen. Ich finde das spannend. Und so lange ich neugierig bin, mache ich das auch weiter.“ Zwei solcher Plätze hat sie deshalb in ihrem Häuschen am Rande der Stadt dafür hergerichtet. Die 64-jährige Pflegemutter steht nahezu permanent auf Abruf bereit, wenn die Stadt ein Kind akut unterbringen muss. Und das ist nicht selten. Nicht immer schaffen es Eltern, sich ausreichend um ihr Kind zu kümmern und es gut zu betreuen und zu versorgen. Manchmal wird die Not für die Kinder dann so groß, dass der Fachbereich Kinder, Jugend und Familien für sie eine Lösung außerhalb des Elternhauses suchen muss.

Im Jahr 2018 musste das Jugendamt der Stadt insgesamt 232 Kinder in Obhut nehmen, darunter 70 Kinder, die jünger als sechs Jahre waren. Die Bilanz für das erste Quartal 2019 sieht ähnlich aus. 60 Kinder, davon 18 Kinder im Vorschulalter, wurden wegen einer Gefährdung in Obhut genommen. Die Erfahrung zeige, dass gerade kleinere Kinder bis zu sechs Jahren in einer kritischen Situation am besten in Familien mit Kindern aufgefangen werden können. Und genau solche Familien sucht die Stadt jetzt und bietet dafür zwei Informationsveranstaltungen an.

Derzeit kann das Jugendamt auf die Unterstützung von zehn Bereitschaftspflegefamilien mit 18 Plätzen für Kinder zurückgreifen. Es ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, die auf solche Familien zukommt. Monika Ferfers vom Pflegeelterndienst weiß aus langjähriger Erfahrung, was Pflegeeltern für die Bereitschaftspflege mitbringen müssen: „Kinder sind in dieser Situation unsicher und haben Angst. Sie benötigen dann erstmal Ruhe und feinfühlige Erwachsene, die ihm eine sichere und verlässliche Umgebung bieten, die bereit sind, das Kind herzlich aufzunehmen und sich um sein Wohlergehen zu kümmern. Dies alles in der Gewissheit, dass das Kind nicht dauerhaft bleibt und die Rückführung in die Ursprungsfamilie oder die Vermittlung an eine Vollzeitpflegefamilie vorbereitet werden muss.“

Bereitschaftspflegefamilien sollten nicht nur ein Herz für Kinder haben, sondern möglichst auch eigene Kinder, ein gesichertes Familieneinkommen, Platz und Zeit. Sie müssen gesund und unbescholten sein. Das Jugendamt bereitet Bewerber intensiv auf die Aufgabe vor. Dabei stehen Gespräche mit allen Familienmitgliedern, Beratungsgespräche und ein Seminar an. Bereitschaftspflegefamilien werden auch während der Tätigkeit fachlich begleitet, fortgebildet, und sie können sich regelmäßig mit anderen Bereitschaftsfamilien austauschen. Sie erhalten ein Pflegegeld von monatlich 1.313 Euro pro Pflegekind im Alter bis zu sieben Jahren.

Claudia P. entschied sich im Jahr 2000, wieder Pflegekinder bei sich aufzunehmen. Damals waren ihre Kinder inzwischen erwachsen. Anders als früher schon sollten es aber keine Plätze mehr auf Dauer sein, sondern auf Zeit, zur Bereitschaft. Sie ist eingerichtet auf alles. Kinderwagen, Kleidung in Kindergrößen, für Mädchen und Jungen, großes Auto mit Platz für Rollstuhlfahrer – alles da. Für die Stadt ist ihre Bereitschaft wichtig, auch weil sie als Krankenschwester in der Psychiatrie und Arzthelferin in einer psychiatrischen Praxis (sie arbeitet aber lange nicht mehr im Beruf) besonders auf Kinder mit Behinderung spezialisiert ist.

*Name geändert

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