Mönchengladbach: Stadt plant zwei neue Rettungswachen

Rettungsdienst in Mönchengladbach: Stadt plant zwei neue Rettungswachen

In den Mönchengladbacher Stadtteilen Venn und Odenkirchen sollen künftig Rettungswagen stationiert werden, weil sonst nicht mehr 90 Prozent der Einsatzorte in unter acht Minuten zu erreichen sind. Grund ist die eklatant steigende Zahl an Einsätzen der Feuerwehr.

Die Rettungsdienste in der Stadt haben immer mehr zu tun, und sie brauchen zwei zusätzliche Wachen. Denn die Zahl der Einsätze der Feuerwehr ist im vergangenen Jahr auf 49.497 gestiegen. Das waren 8,9 Prozent mehr Einsätze als im Jahr 2016 und sogar 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2014.

Der Großteil davon entfällt auf den Rettungsdienst, der zu 36.631 Einsätzen ausrückte. Das ist im Vergleich zu 2016 ein Zuwachs um 10,2 Prozent und im Vergleich zu 2014 ein Sprung um 25,6 Prozent. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht der Feuerwehr hervor, den der zuständige Dezernent Matthias Engel (SPD) und Feuerwehr-Chef Jörg Lampe am Dienstag vorstellten. "Wir haben eine katapultartige Steigerung", sagte Lampe.

Der Feuerwehr-Chef macht dafür die alternde Gesellschaft verantwortlich. Mehr Senioren bräuchten in gesundheitlichen Notfällen die Hilfe der Rettungsdienste und riefen sie auch, so Lampe. Demnach seien Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle die häufigsten Notlagen, in denen die Retter gerufen werden. Erst dann kommen die Unfälle.

Wachen ausführlich für Rettungsdienst

Die steigende Zahl der Einsätze und weitere Fahrten, die die Retter zurücklegen müssen, setzt die Stadt unter Druck: "Wir müssen reagieren und zwei neue Rettungswachen bauen", sagte Dezernent Matthias Engel. Die sollen strategisch sinnvoll in Venn und Odenkirchen entstehen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Wachen für den Rettungsdienst, nicht für Feuerwehr-Kräfte.

Bisher wird das gesamte Stadtgebiet von vier Wachen aus bedient: In Bettrath, Holt, am Stockholtweg in Rheydt und in Wickrath sind jeweils gemeinsame Feuer- und Rettungswachen untergebracht. Die zusätzlichen Standorte für Rettungswagen zwischen den bestehenden Wachen seien notwendig, weil es immer schwieriger werde, den gesetzlichen vorgeschriebenen Erreichungsgrad zu erfüllen.

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Der schreibt vor, dass die Retter bei 90 Prozent der Notrufe den Einsatzort in weniger als acht Minuten erreicht haben müssen. Das ist bei Notfällen, in denen es auf jede Minute ankommt wie bei einem Schlaganfall, auch dringend erforderlich. Diese 90 Prozent würden laut Feuerwehr-Chef Jörg Lampe derzeit gerade noch erreicht.

Wir müssen die Sicherheit in der Stadt sicherstellen

"Wir drohen allerdings, diese 90 Prozent in absehbarer Zeit zu unterschreiten", sagt Engel. "Alle Indizien zeigen: Wir haben Handlungsbedarf. Wir müssen die Sicherheit in der Stadt sicherstellen." Das drohende Defizit bei weiter steigenden Einsatzzahlen und Fahrzeiten sei auch nicht durch zusätzliche Rettungswagen an den bestehenden Wachen zu beheben. "Wir müssen die vorhandenen Einsatzmittel besser über die Stadt verteilen", sagt Lampe.

Bevor neue Wachen konkret geplant werden können, müssen allerdings die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen zustimmen. Sie sind der Kostenträger der Gebühren, die für Rettungseinsätze anfallen. Die Kosten für Neubauten werden zwar zunächst von der Stadt bezahlt, aber über Gebühren von den Krankenkassen wiederum finanziert. Die Anfrage bei den Kassen laufe bereits, so Engel. Sobald deren Zustimmung vorliegt, ist es Sache der Entwicklungsgesellschaft EWMG, passende Grundstücke zu finden.

Die Warn-App Nina wurde 2017 auf 45.000 Smartphones für Mönchengladbach eingestellt. "Das wird sehr aktiv genutzt", sagte Engel. Bei den vier Großbränden des vergangenen Jahres wurde die Bevölkerung über die App gewarnt. Insgesamt gab es 599 Brände mit 44 Verletzten. Tote gab es nicht. Die Zahl der Fehlalarme ist deutlich gestiegen um 12,6 Prozent auf 1402.

"Wir behandeln jede Alarmierung gleich und fahren mit dem kompletten Zug raus", sagte Lampe. Weil die Zahl der Brandmeldeanlagen steige, wachse damit auch die Zahl der Fehlalarme. Bei einem Fehlalarm wird jedes Mal individuell entschieden, ob die Gebühren (1048 Euro) an den Verursacher weitergereicht werden.

(agr)