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Mönchengladbach: Square Dance Gruppe Glad Badges

Square Dance Verein Mönchengladbach : Tanzen im Quadrat

Die „Glad Badges“ treffen sich wöchentlich zum Square Dance und entfliehen dabei dem Alltag in eine Welt voller Farben, Formen und Figuren.

Donnerstagabend, 19 Uhr, der Feierabendverkehr ist schon in den letzten Schüben. Auf der Aachener Straße aber drängen sich die Autos, um in eine kleine Seitenstraße zu biegen. Ihr Ziel: Das Haus des Sports. Tritt man ein, fällt sofort ein großer schlanker Mann mit langen weißen Haaren, Schnäuzer und Brille auf. Kenn Wolcott trägt braune Cowboystiefel, ein schwarzes langärmliges Hemd mit türkisfarbigen Stickereien und einen schwarzen Cowboyhut. Nein, das ist keine Karnevalsparty. Hier wird getanzt. Square Dance.

Der US-amerikanische Volkstanz hat sich aus den europäischen Tänzen der Siedler und Einwanderer entwickelt. Ein „Square“ (deutsch: Quadrat) besteht aus vier Paaren, die sich im Quadrat tanzend von Ecke zu Ecke bewegen. Im Haus des Sports treffen sich die „Glad Badges“ wöchentlich. Eine von ihnen ist Brigitte Altenburg.

Als sie in den 1990er Jahren in der Kaiser-Friedlich-Halle eine Westernshow sah, in der auch Square Dance getanzt wurde, war es um die Pflegerin geschehen. Sie besuchte einen VHS-Kurs, um den Tanz zu lernen, machte ihr Abzeichen und gründete die Glad Badges. Das ist nun 25 Jahre her. „Jeder, der Englisch kann, laufen kann und die Tanz-Vertiefung Mainstream kann, kann überall auf der Welt mittanzen“, sagt Brigitte.

 Da es mehr Frauen als Männer im Verein gibt, wechseln manche Frauen die Rolle und machen dies mit einem Anstecker deutlich.
Da es mehr Frauen als Männer im Verein gibt, wechseln manche Frauen die Rolle und machen dies mit einem Anstecker deutlich. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Wie Brigitte sind viele Mitglieder der Glad Badges ganz zufällig zum Square Dance gekommen. Die Amerika-Begeisterung kam meist erst danach. Kassenwart Ansgar Neugebauer etwa lernte den Tanzsport in Saudi-Arabien kennen, wo er berufsbedingt viele Jahre lebte. „Es war eines der einzigen Freizeitangebote, die es dort gab“, erinnert er sich. Seither tanzt er in der ganzen Welt.

Im Hintergrund läuft Moonlight Shadow von Mike Oldfield und Maggie Reilly. Bunte Petticoats fächern sich auf, Hände werden einander gereicht – die Tänzer wechseln ständig ihre Partner. Dabei kann von Helene Fischer, über Johnny Cash bis hin zu modernem Pop auf jeglicher Musikrichtung getanzt werden. Zügige Marschschritte wechseln sich mit weichen Walzer-Bewegungen ab. Welche Schritte genau getanzt werden, entscheidet der „Caller“ (deutsch: Rufer). Er hat die Aufgabe, passend zur Musik eine möglichst abwechslungsreiche Choreografie vorzugeben. Er ist sozusagen der Dirigent der Tänzer.

Heute ist Rene Vinken der Caller. „Boys run, chain down the line“, spricht er ins Mikrofon. Auf seinen Befehl folgen Taten: Die Männer laufen los und hangeln sich wie an einer Kette an den Frauen entlang, bis sie wieder bei ihrer Tanzpartnerin ankommen. „Es gibt 180 verschiedene Figuren“, sagt Rene. „Die Leute wissen nicht, welche davon als nächstes drankommt.“ Dafür muss er die Figuren gut verinnerlicht haben. „Das ist wie Vokabeln lernen“, sagt er. Mathematik-Verständnis brauche man auch: „Wir mischen die Leute auf der Tanzfläche und müssen sie auch wieder auseinander kriegen.“ Ihn interessiert bei seinem Hobby vor allem die Beschäftigung des Gehirns. „Alles andere – Sorgen oder Alltagsstress – wird beim Tanzen ausgeblendet.“

 180 verschiedene Tanzfiguren gilt es, auswendig zu lernen.
180 verschiedene Tanzfiguren gilt es, auswendig zu lernen. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Wie bei vielen anderen Tanzsportarten auch, herrscht beim Square Dance Frauenüberschuss. Einige Tänzerinnen lernen daher alle 180 Figuren in weiblicher und männlicher Schrittfolge. Das wird durch eine Brosche an der Bluse gekennzeichnet, auf der die Worte „Boy“ und „Girl“ übereinander geschrieben stehen. Die Geschlechter trennt ein Strich. Brigitte trägt so eine Brosche. Je nach Bedarf, dreht sie sie auf das Geschlecht, dessen Schritte sie verkörpert.

Der Square Dance Verein aus Mönchengladbach ist mit 35 Mitgliedern im Vergleich zu vielen umliegenden Squares, wie die einzelnen Gruppierungen genannt werden, noch recht groß. Doch auch bei den Glad Badges ist Nachwuchs rar. Die Altersstruktur liegt zwischen 40 und 60 Jahren. „Wir versuchen durch lockere Kleidung junge Menschen anzuziehen“, sagt Caller Rene. Dabei gebe doch vor allem die Tracht das besondere Flair, findet er.

Tellerröcke fliegen, sodass die Petticoats zu sehen sind. Farben und Muster wechseln sich ab, manche sind gedeckter, andere mit Glitzersteinen und transparentem Tüll verziert. Die meisten Square Dancer kaufen ihre Tanzkleidung bei sogenannten „Specials“. Das sind große Tanz-Events, zu denen Tausende Square Dancer von verschiedenen Vereinen anreisen. Mit einem Turnier hat das aber nichts zu tun. Es ist eher wie ein kleines Festival, zu denen berühmte Caller aus dem Ausland engagiert werden. An Ständen kann Fachzubehör wie etwa Petticoats gekauft werden.

An Ostermontag, 13. April, veranstalten die Glad Badges ihr 15. Special an der Krahnendonkhalle in Neuwerk. Auch, um ihr 25-jähriges Club-Bestehen zu feiern. Dann sicherlich herausgeputzt in feiner Tracht!