Mönchengladbach: SPD will mehr Ogata-Plätze anbieten

Politik: SPD-Expertenrunde: Bedarf an Ogata-Plätzen wird weiter steigen

Die SPD Mönchengladbach diskutiert mit Experten über Ausbau  und  Qualitätsstandards  der Ganztagsbetreuung.

Dass Deutschland sich mit dem Ganztagsunterricht so schwer tut, ist der historischen Entwicklung geschuldet. „In allen anderen europäischen Ländern ist Unterricht bis 15 Uhr üblich“, erklärt Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „In Deutschland wollte man das nach dem Zweiten Weltkrieg und den Erfahrungen der Nazi-Zeit nicht.“ Mit dem Ergebnis, dass es heute in jedem Bundesland ein anderes Betreuungsangebot für Schüler gibt. Im Koalitionsvertrag aber haben SPD und Union nun vereinbart, bis 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter zu schaffen. Das produziert zusätzlichen Druck zur Schaffung neuer Ogataplätze – bereits jetzt stehen 600 Kinder in Mönchengladbach auf der Warteliste.

Grund genug für die SPD Mönchengladbach, sich grundsätzlich mit dem Thema zu beschäftigen. Neben dem schulpolitischen Sprecher der Landtagsfraktion und der Mönchengladbacher Sozialdezernentin waren Vertreter von Grundschulen, Betreuungseinrichtungen und freien Trägern zum Expertengespräch geladen. „Wir müssen uns gemeinsam aufmachen, um Lösungen zu finden“, stellt Ott fest. „Die Kinder, die 2025 einen Rechtsanspruch haben, werden nächstes Jahr geboren.“

Wie wichtig die Ganztagsbetreuung ist, nicht nur dort, wo die Eltern berufstätig sind, sondern auch in sozialen Brennpunkten, macht Ursula Stegemann-Hirsch, die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Waisenhausstraße in Rheydt, deutlich. „Den Kindern fehlen häufig Strukturen, die Erziehung wird zu Hause nicht geleistet“, erklärt sie. Deshalb sei es notwendig, neben Lehrern Erzieher und Sozialpädagogen im Offenen Ganztag zu beschäftigen. Wie sinnvoll die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe sei, zeige das erfolgreiche HOME-Projekt, erklärt Sozialdezernentin Dörte Schall. Hier sind Sozialarbeiter an den Grundschulen angedockt und erreichen so die Familien besser. Die Experten sind sich einig, dass neben vom Land festzulegenden Qualitätsstandards für die Ogatas eine enge Verzahnung von Schule, Betreuungsangebot und Sozialarbeit nötig ist. „Ein ganzheitlicher Bildungsbegriff ist für eine erfolgreiche Integration notwendig“, stellt SPD-Ratsherr und Bildungspolitiker Ulrich Elsen fest. Gleichzeitig müsse Bildung eine zentrale Entwicklungsaufgabe der Stadt sein.

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Aber es muss nicht nur inhaltliche Standards für Ogatas geben, der Offene Ganztag braucht auch Räume. Zwar hat der Bund zwei Milliarden Euro versprochen, davon wird aber nur ein kleiner Teil in Mönchengladbach ankommen. Der Neubau eines Betreuungsraumes aber kostet etwa 200.000 Euro. Am der Grundschule Waisenhausstraße etwa schlug der Neubau von zwei Betreuungsräumen mit rund 415.000 Euro zu Buche. Warum also nicht verstärkt die Klassenräume für die Ogata-Betreuung mit nutzen? „Wir müssen überlegen, wie Klassenräume aussehen müssen, damit sie sich auch als Betreuungsräume eignen“, sagt Nicole Wilms. Wenn man auch nur einen Teil der 200.000 Euro, die ein Neubau koste, investiere, könne man existierende Räume in Paläste verwandeln, meint sie.

Die SPD wird sich auch weiter mit dem Thema Ogatas auseinandersetzen. Für den Herbst sind weitere Veranstaltungen geplant.

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