Mönchengladbach: Sorgen über Mangel an Hebammen

AOK-Report über den Start ins Leben: Mönchengladbach hat zu wenige Hebammen

Die Stadt zählt zu den Regionen, in denen die wenigsten Kaiserschnitte gemacht werden. Darauf weist ein AOK-Report hin. Im Oktober ist eine Gesundheitskonferenz geplant.

Es war eine Premiere für AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn und Fachserviceleiterin Marion Urmes-Breuer: die Vorstellung des Reports über die Analyse der Versorgungssituation in der Stadt Mönchengladbach rund um die Schwangerschaft, Geburt, Hebammenversorgung und das erste Lebensjahr des Kindes. Um den „Start ins Leben“, geht es also, ein „hochemotionales Thema“, so Frohn. Er ist zuständig für den Raum Mönchengladbach und die Kreise Viersen und Heinsberg.

Die AOK Rheinland/Hamburg hat zu den Themenbereichen Hebammenversorgung und -leistungen, Geburtshilfe und der Situation im 1. Lebensjahr eine Vielzahl von statistischen Zahlen aus ihrem gesamten Zuständigkeitsbereich erhoben. Hieraus wird jeweils deutlich, wie der Standort Mönchengladbach in den einzelnen Bereichen im Vergleich zu anderen Orten im Rheinland dasteht. Und diese Bewertung fällt leider nicht immer zum Besten aus.

Da ist das große – bundesweite – Problem der geringen Zahl von Hebammen. Im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 haben 33 Hebammen ihre Tätigkeiten bei der AOK abgerechnet. Auf eine Hebamme kommen jährlich 71 Geburten. Damit ist Mönchengladbach die Region mit den wenigsten Hebammen im Verhältnis zu den Geburten. Zum Vergleich: In Aachen sind es 27 Geburten, die auf eine Hebamme kommen. „Warum funktioniert das in Aachen, aber nicht in Mönchengladbach“ müsse man sich fragen, so Frohn. Und dass sich das ändert: „Daran arbeiten wir.“

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Die Annahme von Hebammenleistungen, auf die jede Frau Anspruch hat, liegt auf einem niedrigeren Niveau als noch vor sechs Jahren. So ist beispielsweise die Inanspruchnahme der aufsuchenden Wochenbettbetreuung, die für alle Frauen täglich in den ersten zehn Lebenstagen und darüber hinaus noch 16-mal bis zur zwölften Lebenswoche angeboten wird, deutlich zurückgegangen. Auch hier warten Städte wie Aachen, Bonn und Köln mit besseren Zahlen in der Statistik auf. Die Arbeit der Hebammen während der Wochen nach der Geburt ist besonders bedeutsam, da in dieser Zeit Grundsteine für die kommende Gesundheitsversorgung und –vorsorge getroffen werden können. Nur 38,7 Prozent aller Mütter greifen auf dieses Angebot zurück.

Natürlich werden solche Erhebungen immer auch nach dem Sozialstatus differenziert, und es ist festzustellen, dass sozioökonomische Fakten direkt mit dem Gesundheitsbewusstsein zu tun haben. Etwa 2500 Kinder werden allein im Elisabeth-Krankenhaus in Rheydt geboren, damit die größte Geburtsstation im Rheinland – wobei viele der entbindenden Mütter aus einem weiten Einzugsbereich anreisen. Hier werden auch die wenigsten Kaiserschnitte gemacht. Mönchengladbach steht mit 26,5 Prozent Kaiserschnittrate an der drittgeringsten Stelle. Allerdings ist die Säuglingssterblichkeit im 1. Lebensjahr mit 4,3% höher als im Landesschnitt von 4,1%. Auch hier könnte man eine Verbindung zu der oben erwähnten geringen Versorgung durch Hebammen sehen.

Das Fazit aus der Analyse: Wesentlich ist, das betont Frohn immer wieder, dass die Gesundheitskompetenz der Bürger allgemein gestärkt wird. Dass schon in der Schule gelehrt wird, was Gesundheitsvorsorge bedeutet und wo und wie ärztliche Hilfe im weitesten Sinne zu finden ist. Aufklärung lautet also die Devise. Und nachschauen, warum es in anderen Regionen besser läuft. Für den kommenden Monat ist eine Gesundheitskonferenz geplant, an der auch Dörte Schall, städtische Beigeordnete für Recht, Soziales, Jugend, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie  Kommunalpolitiker, Ärzte und Leistungserbringer teilnehmen. Hier sollen Wege gefunden werden, die Situation zu verbessern. Die AOK, das machte Heinz Frohn deutlich, sei bereit, ihr Budget zu erhöhen.

(b-r)
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