Mönchengladbach: Sonne überm Mythos Böckelberg

Das legendäre Mönchengladbacher Stadion : Sonne überm Mythos Bökelberg

Noch so gerade eben im Jahr 100 nach Eröffnung des legendären Bökelberg-Stadions haben die Stadt und Borussia einen imposanten Gedächtnisort fertiggestellt. Fotos davon gehen auch nach Costa Rica.

Was den Farbkanon für ein Borussen-Denkmal anbetrifft, sind die Möglichkeiten in Mönchengladbach klar. Und so wundert nicht, dass der Rasen grün, die Linien weiß und der Schotter schwarz sind. Sogar die Bänder, die frisch gepflanzte Park-Bäumchen an Holzständer fixieren, sind weder bayrisch rot noch schwarzgelb. Ja, dieser neue Gedächtnisort an der Ecke Bökelstraße/In de Kull, dort, wo vor 13 Jahren noch das legendäre Bökelberg-Stadion seinen Schatten aufs Vereinshaus warf, bietet einem jeden Fan unmittelbar die Gelegenheit, sich zuhause zu fühlen. Zuhause im Mythos Bökelberg.

Zur feierlichen Eröffnung gestern Mittag waren nicht nur massenweise Offizielle gekommen, sondern etliche Leute ohne Business-Kleidung, aber mit der Raute im Herzen. Herma Hachfeld zum Beispiel, die zwar – aus Fan-Perspektive versehentlich – in  die Gegend um Frankfurt geboren wurde, aber seit Teenie-Zeiten, eben seit der zweiten Deutschen Meisterschaft 1971, sich nicht nur einfach Fan, sondern Borussin nennt. Sie hat gleich ihren Mann mitgebracht, der von der Denkmal-Eröffnung gelesen hatte. Das wollen sie sich ebenso wenig entgehen lassen wie Uwe Becelewski, den ein besonderes Verhältnis zum alten Stadion an den Denkmalort treibt. Früher riss er dort für ein paar Saisons Karten ab am Gästeblock. Heute schickt er seinem Freund aus Costa Rica Fotos von der Eröffnungsfeier. Darauf dürfte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners neben Borussia-Präsident Rolf Königs zu sehen sein, wie die beiden auf den drei Tribünen-Stufen stehen, die ein ziemlich quadratisches Kunstrasenspielfeld mit Linien und Eckfahnen einfassen. Hinter ihnen ein Metall-Relief mit jubelnden und Fahne schwenkenden Fans, darüber die stilisierte Fassung der legendären Anzeigentafel, auf der die legendäre Uhr kurz nach halb vier zeigt. Spielstand: Borussia-Gäste 1:0. Beide drücken gemeinsam auf einen Lichtschalter mit Raute-Logo, woraufhin in der Nachbildung des legendären Flutlichtmasten die Dioden aufglühen und gleichzeitig die Sonne durch den grauen Winterhimmel bricht und die Szene wie verklärt.

„Phantastisch“ findet das alles Rolf Königs, der mit wenigen Worten an die Eröffnung des „schönsten Naturstadions weit und breit“ im Jahre 1919 an Stelle der früheren Kiesgrube erinnert, an die Menschenpyramide, die die damals noch zum Verein gehörende Turnabteilung zum Fest bildete. „Müssen wir bei Gelegenheit mal wiederholen“, beauftragt er seinen Pressesprecher. Nicht verkneifen kann er sich auch die Geschichte zum Verkauf des Grundstücks samt Stadion an die Stadt. Damals war es noch so, dass die Stadt viel und Borussia wenig Geld hatte, bemerkt er augenzwinkernd. Die 208.000 DM Kaufpreis stellten sich spätestens seit dem Abriss des Stadions und mit der Vermarktung der Grundstücke als Glücksgriff für die inzwischen prekäre Stadtkasse heraus.

Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners freut sich in seiner Ansprache vor allem, dass der Bau des Denkmals so reibungslos vonstatten ging, dass noch im Jubiläumsjahr eröffnet werden kann. Die Lichtstärke des Flutlichts ist übrigens so eingestellt, dass die Nachbarschaft davon nicht gestört wird. Die Hoffnung, dass das Denkmal mit Respekt behandelt werde, äußert Reiners ebenfalls.

Bundesligatauglich ist das Spielfeld an historischer Stätte zwar nicht. Aber Nostalgie suchende Fans dürften das verkraften. Foto: Markus Rick (rick)

Denn ein bisschen „pengen“ darf man auf dem Kunstrasenfeld auch ohne Tore, nur hat zum Festakt keiner einen Ball dabei. Stattdessen gibt’s auf dem Grün farblich korrekt Kaffee mit Milch. Und jede Menge Mythos.

Mehr von RP ONLINE