Mönchengladbach: So sieht die Ausbildung zum Therapiehund aus

Hunde in Mönchengladbach : Therapeuten auf vier Beinen

Daniela Schramm und Alexandra Jansen bilden Therapiehunde in Mönchengladbach aus. Nicht nur die Grundveranlagung des Hundes ist dabei wichtig, es kommt auch auf die Fähigkeiten der Besitzer an.

Alexandra Jansen hält einen gelben Schaumstoffwürfel in die Luft. Jona weiß schon, was jetzt kommt. Die Australian Shep­herd Hündin dreht sich aufgeregt im Kreis, fängt den Würfel mit der Schnauze auf und wurschtelt mit den Beinchen, bis der Würfel über den Boden kullert. Neben zahlreichen solchen Tricks beherrscht die Hündin auch emphatische Fähigkeiten: Jona ist ein Therapiehund.

Besitzerin Jansen hat sie vor einigen Jahren ausbilden lassen. „Nach dem Kurs habe ich zu Daniela gesagt: ‚Das können wir auch!‘“ Daniela Schramm ist seit 2007 hauptberufliche Hundetrainerin und machte sich schließlich mit einer Hundeschule in Mönchengladbach selbstständig. Dort lernte sie Jansen und Hündin Jona kennen. Inzwischen sind beide Sachverständige nach dem Landeshundegesetz, haben eine Prüfung abgelegt und bilden seit zwei Jahren Therapiehunde in ihrer Schule „Nette Hunde MG“ aus.

Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Mönchengladbach, sondern reisen auch aus dem Umland und der Eifel, sogar aus Niedersachsen an. Beginnen sie die Ausbildung, so kommen die angehenden Therapiehunde und ihre Herrchen ein Wochenende im Monat zur Schulung nach Mönchengladbach. In einem ausgebauten Bauernhof üben sie in kleinen Gruppen Tricks mit den Hunden ein sowie Hygiene-Richtlinien, Rechtliches und Ethik.

„Einem Hund kann man beispielsweise keinen 12-Stunden-Tag in einer Schulklasse zumuten“, sagt Jansen. Jona nimmt die Sozialpädagogin zwar mit zur Arbeit, sorge dort jedoch für regelmäßige Ruhepausen. „Der Hund macht das in erster Regel für uns – nicht, weil er es von sich aus tun würde“, so die 28-Jährige. Das dürfe man nicht vergessen. Fühlt sich ein Hund unwohl, könne man dies an kleinen Gesten erkennen: „Übermäßiges Gähnen, Hecheln, obwohl es nicht heiß ist oder ständiges Kratzen – all das sind kleine Symptome für Stress“, sagt Schramm.

Für die Ausbildung ist nicht jeder Hund geeignet, die Tiere müssen Voraussetzungen erfüllen und bestimmte Persönlichkeiten mitbringen (siehe Box). Aber auch die Besitzer müssen eine grundlegende Gelassenheit und gute Beziehung zu ihrem Hund haben“, sagt Schramm. Den dreimonatigen Grundkurs könnten alle Herrchen machen, die ihren Hund beispielsweise in einem Ehrenamt einsetzen möchten. Allerdings ist der viermonatige Aufbaukurs medizinischen und pädagogischen Fachkräften vorbehalten, die ihren Hund auf der Arbeit einsetzen möchten.

Mit Abschluss der Ausbildung dürfen Hund und Herrchen dann offiziell in Schulen, Altenheimen und anderen sozialen Einrichtungen arbeiten. Ihr Können bestimmt auch der Einsatzort, an den jeder Hund vorab gewöhnt werden sollte: Geräusche, Gerüche, aber auch Gegenstände wie Rollstühle zählen dazu, so Schramm. „Hunde, die im Altenheim arbeiten, lernen wie sie sich an Menschen heranlegen können“, sagt die 41-Jährige. In Behindertenheimen könne man Hunde auch in der Körpertherapie einsetzen. Bei einer Spastik könne der Hund zum Beispiel etwas Quark vom Handrücken ablecken und so dabei helfen, die Verkrampfung zu lösen. „Hunde haben oft eine entspannende Wirkung auf Menschen“, sagt Jansen.

Das merkt die Sozialpädagogin besonders, wenn sie Jona mit in den Unterricht bringt. „Wenn es mal zu laut wird, wirkt der Satz: ‚Seid ihr bitte leiser, sonst muss Jona rausgehen‘ wirklich wahre Wunder“, erzählt sie. Die Kinder seien dann sofort leise und sie würden zeitgleich lernen, auf ihre Umwelt mehr Rücksicht zu nehmen. Und wenn Jona mit ihrem großen Enthusiasmus würfelt, dann findet auch ein Kind, das Mathe nicht besonders mag, dieses Fach plötzlich spannend.

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