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Mönchengladbach: So reagieren die Kirchen auf Corona

Glocken läuten in Mönchengladbach : So reagieren die Kirchen auf Corona

Keine Gottesdienste, keine Kommunion, keine Konfirmation – wie Gemeinden ihre Gläubigen jetzt zusammenbringen.

Veranstaltungen und Versammlungen sind bis vorerst 19. April untersagt. Das gilt auch für die Kirchen. Das heißt: keine Gottesdienste, keine Osternacht, keine Erstkommunion und keine Konfirmation. Das hat es in dieser Form bisher noch nie gegeben. Doch Kirche lebt von der Gemeinschaft, und trotz Corona will man weiter für die Menschen da sein. Was also lassen sich die Gemeinden einfallen, um trotz Pandemie und Gottesdienstverbot die Gläubigen zu erreichen?

Ökumenisches Glockengeläut Am Sonntag zum Beispiel läuteten um 10 Uhr die Glocken aller evangelischen und katholischen Kirchen. Mit dieser ökumenischen Aktion soll auf den Ausfall der Sonntagsgottesdienste reagiert werden. Superintendent Dietrich Denker und Regionalvikar Klaus Hurtz: „Die Glocken wollen in diesen sehr schwierigen Zeiten zum gemeinsamen Gebet einladen.“ Das gemeinsame Glockenläuten findet auch jeden Werktag um 19.30 Uhr statt.  Peter Blättler, Leiter der GdG Mönchengladbach-Mitte und Propst an St. Vitus: „Das Glockengeläut kann zum Beispiel in den Familien eine Einladung zu einem kurzen Hausgottesdienst oder auch zu einem verlängerten Gebet sein. Aber dies bitte nur in der Hausgemeinschaft.“

Messen ohne die Gemeinde Bischof Helmut Dieser bittet in seinem Hirtenbrief die Priester, besonders an den Sonntagen dennoch die Heilige Messe für die Gläubigen zu feiern. Der Bischof: „Sie müssen dies ohne die versammelte Gemeinde tun.“


Funk, Fernsehen und Internet  In diesen Zeiten von Corona kommen Fernseh- und Radio-Gottesdienste ins Gespräch. Regionalvikar Klaus Hurtz: „Wir beraten und experimentieren noch, auch in Gemeinschaft mit der evangelischen Kirche. Radio 90.1 wäre da für uns ein Ansprechpartner für lokale Gottesdienste. Nur soll nicht jeder für sich arbeiten, sondern konzertiert mit uns überlegen.“ Das unterstützt auch Superintendent Dietrich Denker für die evangelische Seite: „Wir sind im gemeinsamen Gespräch. Das Glockengeläut werktags und sonntags ist dabei nur ein erster Schritt. Aber auch das digitale Angebote sind wichtig und da haben einige unserer Kirchengemeinden bereits Erfahrung.“

In der GdG Mönchengladbach-Mitte bleibt die Münster-Abtei zu. Alle anderen Kirchen sind zum Gebet geöffnet. Foto: Ilgner Detlef (ilg)


Das Venner Angebot  Sonntag, 10 Uhr, war der erste katholische Gottesdienst für die Stadt auf YouTube zu sehen und zu hören. Pfarrer Rüdiger Hagens, Leiter der GdG MG-West, zelebrierte vor zwei Kameras, begleitet von Küster Jürgen Wangler und Organist Heinz Jakob Quast in der Venner Pfarrkirche die Messe. Dieses von der Schützenbruderschaft und vom Kirchenvorstand ins Leben gerufene Angebot der GdG MG-West kann kommenden Sonntag ab 10 Uhr auf der Seite www.gdg-mg-west.de besucht werden. Thomas Brüggemann mit seiner Media-Firma macht dies möglich. Der Bruderschaftler und Mediafachmann rückte dazu mit Helfern, Technik, Kameras und Übertragungswagen an. Pfarrer Hagens: „Ich bin froh und dankbar, dass es ein solches Angebot gibt.“ Der virtuelle Gottesdienst gestern hatte in der in der Spitze 201 Besucher.

Was ist mit Ostern? Das Osterfest ist das wichtigste Fest der Christen. Normalerweise sind die Kirchen, wie auch an Weihnachten, übervoll. Propst Blättler: „Die Pfarrer beider Konfessionen werden Ostern feiern – im kleinsten Kreis. Die Kirchen sind dann allerdings zugesperrt. Warum sollen wir denn nicht feiern? Der Papst macht es und Bischof Dieser ebenso.“ Auch die Kar- und Osterfeierlichkeiten im Vatikan finden in diesem Jahr ohne die Teilnahme von Gläubigen statt. Papst Franziskus muss die wichtigsten Liturgien des Kirchenjahres hinter verschlossenen Türen feiern.

Die evangelische Hauptkirche auf dem Rheydter Marktplatz bleibt an einigen Tagen für persönliche Gebete geöffnet. Foto: Nina Jedrychowski


Schmerzlicher Einschnitt Es ist ein schmerzlicher Einschnitt, der die Christen in der Hoch-Zeit des Kirchenjahres trifft. Doch die Seelsorger und Seelsorgerinnen werden das tägliche Gebet nicht einstellen, und es wird stellvertretend für viele weiterhin nichtöffentliche Gottesdienste im kleinsten Kreis geben.  Dazu Klaus Hurtz „Wir gehen diesen aufgezeigten Weg, aber versuchen trotzdem, ansprechbar und bei den Menschen zu sein. Diese Verbundenheit werden wir deutlich machen und das Anliegen der Gemeinden vor Gott tragen.“