1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: So liefen erste Gottesdienste in katholischer und evangelischer Kirche

Kirchenbesuche in Mönchengladbach : So liefen die ersten Gottesdienste in der Corona-Pandemie

In vielen Mönchengladbacher Kirchengemeinden versammelten sich am Samstag und Sonntag erstmals wieder Gläubige zum Gottesdienst. Die Besucher waren froh, die Schützen halfen beim Ordnungsdienst.

Die Kirchen riefen, die Gläubigen kamen: Am Wochenende wurden die ersten Gottesdienste, Messen und Maiandachten seit Beginn der Corona-Krise gefeiert. Vielerorts übernahmen die Schützen den geforderten Ordnungsdienst, etwa in  Venn und Hardt, Neuwerk und Hardterbroich, Holt, Schelsen und Rheindahlen, Broich-Peel und Stadtmitte, Untereicken, Lürrip, Korschenbroich, Pesch und Herrenshoff. Der Ordnungsdienst soll sicherstellen, dass die Abstandsregeln und Hygienevorschriften eingehalten werden. Er muss vor allem dafür sorgen, dass nicht mehr als die jeweils zugelassene Zahl von Gläubigen in die Kirchen kommen. Bezirksbundesmeister Horst Thoren sieht in der Zusage der Bruderschaften „einen Beitrag zum kirchlichen Dienst der Schützen“, deren überlieferte Schutzfunktion Glaube und Kirche umfasse.

St. Gereon Giesenkirchen Schon vor Betreten der Kirche wird schnell klar, dass alles anders ist als sonst. Zwei Schützen der St.-Sebastianus Bruderschaft stehen in Uniformen mit Mund-Nase-Schutz vor dem Eingang und desinfizieren jedem Kirchenbesucher die Hände. Außerdem achten sie darauf, dass die Gottesdienstteilnehmer ebenfalls einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Masken der Schützen sind mit ihrem Schützenbekenntnis „Glaube, Sitte, Heimat“ bedruckt. Getreu dem Motto übernehmen die Schützen vorerst die Ordnerdienste in der Kirche: „Genau so etwas ist eben auch Aufgabe der Bruderschaft. Wir sind nicht nur zum Feiern da“, erklärt Ulrich Jahn (65) von der Bruderschaft.

In der Kirche weisen weitere Schützen den Leuten die Plätze zu. Es gibt beschriftete Plätze für Familien, Ehepaare und Einzelpersonen. Dabei wird Abstand zu den Nachbarn gehalten. Außerdem sitzen die Besucher versetzt hintereinander, damit auch der Abstand zu  Vorder- und Hintermann gewährleistet ist. Einige wirken leicht verunsichert und wissen nicht direkt, wo sie sich genau hinsetzten sollen – die Ordner helfen ihnen weiter. Etwa 50 Gläubige haben sich entschieden, an dem ersten Gottesdienst seit Wochen teilzunehmen.  Die Atmosphäre ist etwas beklemmend und ungewohnt. Auch Pfarrer Achim Köhler betont einerseits seine Freude darüber, dass der Gottesdienst wieder stattfindet, aber auch seine Sorge um die Gesundheit der Menschen. Zudem gibt er weitere Hygienehinweise: Die Türen bleiben während des Gottesdienstes geöffnet, damit die Kirche durchgelüftet wird. Es gibt kein Abendmahl, keine Kollekte, kein offenes Becken mit Weihwasser und die Kommunion wird nicht empfangen. Die Lieder werden auf Blättern verteilt. Mitsingen dürfen die Besucher theoretisch, solange die den Mund-Nasen-Schutz dabei tragen. Die Meisten verzichten dennoch darauf – wohl auch weil es nicht unbedingt angenehm ist, in die eigene Maske zu singen.

 Die Schützen in Mönchengladbach-Giesenkirchen.
Die Schützen in Mönchengladbach-Giesenkirchen. Foto: Kremer

Insgesamt scheinen sich alle an die neuen Regeln zu halten. Auch Besucher Yannick Hamacher (33) zeigt sich zufrieden: „Ich war recht beeindruckt von der Atmosphäre. Alle mit Mund-Nasen-Schutz zu sehen, war gewöhnungsbedürftig. Ich denke aber, es ist ein wichtiges Zeichen, dass Gottesdienste wieder stattfinden, gerade in so einer Zeit.“

Evangelische Kirche Rheydt Treffender, als mit dem Eingangslied „Wie lieblich ist der Maien“, konnte der erste Präsenzgottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde am Samstagabend in der Hauptkirche Rheydt nicht beginnen. Das lag nicht nur an der lauen Frühlingsluft rund um den Rheydter Marktplatz, sondern auch an den erwartungsfroh gestimmten Gottesdienstbesuchern.

 Der erste Gottesdienst in evangelischen Hauptkirche.
Der erste Gottesdienst in evangelischen Hauptkirche. Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Den Eingangsbereich hatten Küsterin Amelie Handschumacher und ihr ehrenamtlicher Helfer Johannes Körner nicht nur im Blick, sondern sie dirigierten die Besucher unaufgeregt auf „Einbahnstraßen“ zu den Sitzbänken. Ein Informationsblatt erinnerte die Besucher an die Hygienevorschriften und Abstandsregelungen. Gemeinsam mit ihren Helfern hatte die Küsterin 74 Sitzplätze mit grünen Zetteln gekennzeichnet, die Platz für Einzelpersonen und Familien boten.

 Die Schützen aus Lürrip halfen.
Die Schützen aus Lürrip halfen. Foto: Brockers

Aus Hockstein angereist war das Ehepaar Marlene und Rainer Theuerzeit. „Nicht unbedingt aus Coronagründen sind wir hier, sondern nach einem wochenlangen Nichts hatten wir das Bedürfnis zur Teilnahme an einem Gottesdienst“, erklären sie. Ausgerechnet am vierten Sonntag nach Ostern feiert die evangelische Kirche ihren Kantate-Sonntag, dessen zentraler Inhalt normalerweise der Gesang zum Gotteslob und die Wertschätzung des Gesangs und der Kirchenmusik ist. Doch da die Gottesdienstbesucher bereits beim Eintritt und auch später von Pfarrer Joachim Lenz darauf hingewiesen wurden, „dass wir heute der Musik zuhören und nicht selber singen“, hatte Kantor Udo Witt die alleinige und ungeteilte Aufmerksamkeit.

Mit einem „Danke, dass Sie hier waren“, beendete Pfarrer Lenz den Gottesdienst. Es war ein Gottesdienst, von dem Irmtraut Papritz später sagte: „ Ich bin richtig gerührt, und ich muss sagen, die vergangenen acht Wochen waren schon sehr lang, mir hat der Gottesdienst gefehlt.“

St. Maria Empfängnis Venn „Gut, dass wir wieder die sonntägliche Eucharistie zur gewohnten Zeit in unserer Pfarrkirche gemeinsam und in persönlicher Begegnung feiern können.“ Venns Pfarrer Rüdiger Hagens begrüßte so am Sonntag zum ersten Gottesdienst seit Begin zirka 50 Besucher, die zwar bis dahin durch die Livestreams aus der Kirche keine Gottesdienstabstinenz hatten, die jedoch nach acht Wochen den persönlichen Besuch herbeigesehnt hatten.

 Ordnungsdienst in Venn mit (v.l.) Ralf Grewe und Ulli Willekes.
Ordnungsdienst in Venn mit (v.l.) Ralf Grewe und Ulli Willekes. Foto: Zimmermanns

„Wir haben alle Vorgaben erfüllt und sind jetzt froh und dankbar, dass es wieder Gottesdienst gibt“, erklärte vor der Messe Klaus Bungter vom Kirchenvorstand. Diese Vorgaben wurden vor dem Eingang von Mitgliedern des Vorstands der St. Josef Schützenbruderschaft kontrolliert und umgesetzt. Siegfried Zimmermanns, Ulrich Willekes und Ralf Grewe erfassten die Besucher, erklärten die Hygienevorschriften, die dringende Empfehlung einer Mund-Nase-Bedeckung und führten die Gläubigen auf die mit roten Punkten gekennzeichneten Sitzplätze.

Ohne auf die Corona-Situation im Besonderen einzugehen, predigte Rüdiger Hagens über einen Weg mit Jesus, der, wenn man zurückblickt, zwar Steigungen, Windungen und Herausforderungen aufweist, aber letztlich doch ins Ziel führt.

Premiere an der Orgel hatte an diesem Sonntag Marcin Machnik, der als Seelsorgebereichsmusiker seit dem 1. Mai neuer Kirchenmusiker in Venn ist.