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Mönchengladbach: So laufen die Online-Sportkurse des Sportbildungswerks

Online-Sportkurse aus Mönchengladbach : Heimtraining an der Plastikflasche

Das Sportbildungswerk hat mit Beginn der Corona-Beschränkungen sein Kurs-Programm ins Digitale verlagert. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Ein Selbstversuch im eigenen Wohnzimmer.

Uschi Kirschstein gibt das Kommando: „Drei, zwei, eins.“ Dann fange ich an, an beiden Enden meiner Plastikflasche zu ziehen, die ich vor meinem Bauch halte. Die Flasche soll nicht kaputt gehen, das ist nicht das Ziel. Doch schnell merke ich, wie viele Muskeln bei dieser einfachen, aber durchaus anstrengenden Übung involviert sind. Kleine Bewegung, aber große Wirkung: Das gilt derzeit für alle Online-Kurse, die das Sportbildungswerk Mönchengladbach in Kooperation mit dem Portal Sportdeutschland.tv in Corona-Zeiten anbietet – so auch für das Muskelaufbau- und Lockerungstraining für den Schultergürtel mit Uschi Kirschstein.

Anstatt mit den Kursteilnehmern zusammen eine Trainingseinheit beim Stadtsportbund (SSB) im Haus des Sports zu absolvieren, steht sie derzeit alleine im Raum vor einer Kamera, während die Gruppenmitglieder ihren Anleitungen daheim vor dem Laptop folgen müssen. Seit die Corona-Beschränkungen gemeinsamen Sport unmöglich gemacht haben, hat das Sportbildungswerk seinen Übungsplan nach und nach ins Digitale verlegt. „NRW-weit beteiligen sich mittlerweile ein Dutzend Außenstellen des Landessportbundes, und das Angebot ist von anfangs 20 auf nun schon 60 Kurse gestiegen“, sagt Heike Scholten, die das Online-Kursprogramm der Mönchengladbacher koordiniert.

Im Verlauf der Wochen ist auch die Zahl der Teilnehmer an den Online-Kursen – ob nun live oder in der Aufzeichnung – deutlich angestiegen. Zu den mittlerweile 23.000 Followern in Nordrhein-Westfalen habe ich mich für einen Vormittag hinzugesellt. Im Schnelldurchlauf schaue ich mir die Palette der Kursangebote an – und werde selbst aktiv.

Das Training für Arme, Schultern und Nacken macht sich schnell bemerkbar. Indes ist das gesamte Programm so konzipiert, das jeder zu jeder Zeit einsteigen kann. Wer ein Power-Training erwartet, wird enttäuscht. „Es geht nicht darum, für den Tag X ein bestimmtes Fitnesslevel aufzubauen. Das ist weder unser Ziel noch von unseren Kursteilnehmern gewünscht“, sagt Heike Scholten. Zu viel Raum darf das Training in den eigenen vier Wänden nicht einnehmen. Fast alles ist deswegen auf einer Fitness- oder Gymnastikmatte möglich.

Eine Unterlage für das Training ist auf jeden Fall empfehlenswert, auch bei Uschi Kirschsteins Einheit geht es später in die Bodenlage. Auf dem Bauch liegend lasse ich die Plastikflasche kreisen und gebe sie vor dem Kopf sowie hinter dem Rücken immer wieder von der einen in die andere Hand. Die Flasche ersetzt die Sportutensilien, die in den Kursräumen im Haus des Sports zur Verfügung stehen würden. Der einzige Onlinekurs, bei dem nicht so einfach improvisiert werden kann, ist das Jumping mit dem Minitrampolin – weswegen ich auf das Springen im eigenen Wohnzimmer verzichten muss.

Doch es gibt noch genügend andere Optionen – ob Tanz, Turnen und Akrobatik für Eltern mit Kind, Street-Jazzdance für Jugendliche, Faszientraining oder Ganzkörpertraining mit Qi Gong – jeder kann einschalten und mitmachen. Außerdem gibt es ein umfangreiches Angebot im Bereich des Reha-Sports.

Erste Ansprechpartner der Übungsleiter während der Übertragung sind in der Regel die Kursteilnehmer, die sonst in das Haus des Sports kommen würden. „Über die Online-Kurse können wir mit unseren Teilnehmern kommunizieren und auch einmal Fragen beantworten“, sagt Heike Scholten. Das Angebot sei sehr gut angekommen – auch wenn derzeit natürlich die direkte Hilfe des Übungsleiters für den Einzelnen bei Bewegungsausführungen wegfalle. Dafür seien die Teilnehmer nun nicht abgelenkt, sondern könnten sich ganz auf die Übungen konzentrieren.

„Für die Übungsleiter war es zunächst eine echte Herausforderung, nur noch in eine Kamera zu sprechen. Doch dafür erklären sie jetzt jeden Schritt noch ausführlicher und geben den Teilnehmern dadurch sehr viel Input“, sagt Heike Scholten. Das wird indes nicht mehr lange so sein, demnächst werden die Online-Kurse generell von Borken aus produziert. Vor allem im Juni werden daher Übungsstunden aus den Vormonaten nochmals digital zur Verfügung gestellt, ehe im Juli neu produziert wird.

Die Gladbacher starten derweil wieder mit ersten Kursen im Haus des Sports. „Wir wollen zunächst mit ein paar Outdoor-Angeboten beginnen. Dabei ist jedoch klar, dass die Risikogruppen noch außen vor bleiben“, sagt Heike Scholten. Die Online-Kurse seien aber ein Zusatzangebot, das sich etabliert habe und bestehen bleibe. „Das wird nun eine feste Installation des Sportbildungswerks, wir haben viel positive Rückmeldungen erhalten.“

Ich habe derweil nochmals auf das Aufbautraining für den Schultergürtel geklickt. Zumindest die 45-minütige Einheit will ich vernünftig zu Ende bringen. „Letzter Durchgang, gebt noch mal alles“, höre ich von Uschi Kirschstein. Und ich gebe nochmals alles – auch wenn ich nur mit einer Plastikflasche in der Hand im eigenen Wohnzimmer stehe.