Mönchengladbach: So hilft Lungensport bei Krankheiten wie COPD

Zum Beispiel bei COPD : Lungensport hilft gegen Atemnot

Atemtechniken, Ausdauer und Beweglichkeit werden mit besonderen Methoden trainiert. Ein Besuch in einer Übungsstunde.

„Wenn ich diese Gruppe nicht gefunden hätte, gäbe es mich nicht mehr“ – davon ist Christa Overton überzeugt. Die heute 78jährige litt an schwerer Atemnot, hervorgerufen durch COPD, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung.  Dann lernte sie den Lungensport kennen. Seit vier Jahren kommt sie drei Mal pro Woche zum Training und wirkt heute beweglich und mobil. An diesem Mittwochnachmittag ist sie gemeinsam mit 15 weiteren Teilnehmern in der Turnhalle auf dem Gelände der LVR-Klinik aktiv. Unter der Leitung von Sporttherapeut Jacek Zajac findet hier Lungensport statt – Trainingseinheiten für Menschen, die unter eingeschränkter Lungenfunktion leiden, aber ihre Beweglichkeit zurückgewinnen und erhalten wollen.

Atemtechniken und Übungen, die die Beweglichkeit verbessern sollen, gehören zum Lungensport. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Herzsport kennen viele, Lungensport ist nicht so bekannt. „Der Lungensport stammt aus dem Herzsport“, erklärt Therapeut Zajac, der seit 20 Jahren  Lungensportgruppen in Mönchengladbach anbietet. In der Trainingsstunde werden Atemtechniken geübt, es gibt Übungen, mit denen die Beweglichkeit des Brustkorbs gesteigert wird. „Wir lockern die Muskulatur, die beim Atmen hilft“, sagt Zajac. Und die Gruppe, die sich zuvor warm gemacht hat, dehnt sich zur Musik, lässt die Arme kreisen und lockert die Schultern.

Dann folgt der Ausdauerteil: Auf eine Minute normales Gehen folgen 30 Sekunden Temposteigerung – immer im Wechsel. Die Teilnehmer marschieren durch die Halle und unterhalten sich dabei angeregt. „Es ist wichtig, dass die Teilnehmer sich wohlfühlen“, erklärt der Übungsleiter. „Und dass sie in der Lage sind, beim Gehen zu reden.“ Das klappt  in dieser Gruppe schon sehr gut. Und wenn mal der eine oder die andere eine Pause macht, um sich zu erholen, ist das kein Problem.

Die Übung klappt auch mit Sauerstoffgerät: eine der Lungensportlerinnen zieht ihr Sauerstoffgerät in einem kleinen Wägelchen hinter sich her. Das sei ein wenig umständlich, sagt sie, aber: „Zu Hause allein mache ich die Übungen nicht oft genug.“ Ein anderer Teilnehmer hat sein Sauerstoffgerät auf dem Tisch deponiert und macht ab und zu mal diskret eine Pause, um es zu benutzen.

Alles kein Problem. Selbst bei noch stärkerer Ausprägung von COPD ist weiterhin Lungensport möglich. „Ich habe eine Gruppe für die sehr stark Eingeschränkten“, sagt Zajac.

Selbst in diesem Stadium hat der Lungensport noch positive Effekte. „COPD verschwindet nie mehr“, weiß Dietmar Löwe, der seit dem Jahr 2007 unter dem Syndrom leidet, „aber durch den Lungensport ist es bei mir zum Stillstand gekommen.“ Jacek Zajac bestätigt: „Die Ärzte merken bei den Kontrolluntersuchungen, dass der Sport sich positiv auswirkt.“

Bei regelmäßiger Teilnahme spüren die Erkrankten oft nach drei bis sechs Monaten eine Besserung. Der Reha-Sport wird  bei einer entsprechender Diagnose des Lungenfacharztes von den Krankenkassen bezahlt: Mit der ersten Verordnung über 120 Einheiten kommt man etwa drei Jahre aus, die Folgeverordnung umfasst noch einmal 50 Einheiten.

Die meisten Teilnehmer trainieren einmal in der Woche, aber besonders Engagierte wie Christa Overton bringen es auch auf drei Kursstunden pro Woche. Organisiert wird der Lungensport wie der Herzsport über Sportvereine. Aber im Gegensatz zum Herzsport muss beim Lungensport kein Arzt anwesend sein. Das macht die Durchführung einfacher, so dass im Allgemeinen genügend Plätze zur Verfügung stehen.

Die Gruppe ist inzwischen am Ende ihrer Trainingsstunde angelangt. Eine letzte Atemübung zu den Klängen von Cat Stevens  „Morning Has Broken“ bildet den Abschluss. Die Teilnehmer heben und senken die Arme im Rhythmus des Liedes, atmen ein und aus – gelöst und entspannt.

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