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Mönchengladbach: So hilft eine Familienpflegerin armen Menschen

Serie: Armut in Mönchengladbach : Rechtzeitig eingreifen, bevor die Familie zerbricht

Andrea Wimmers ist Familienpflegerin. Sie arbeitet bei der Caritas in Mönchengladbach und kommt ins Haus, um Eltern zu entlasten und ihnen bei Problemen zu helfen.

Familie Nummer Eins Die Mutter von zwei kleinen Kindern erkrankt an Brustkrebs und muss ins Krankenhaus. Der Vater ist voll berufstätig, die Großeltern wohnen weit entfernt. Wer kümmert sich während des Krankenhausaufenthalts um die Kinder?

Familie Nummer Zwei Der Vater ist spielsüchtig und kommt eines Tages nicht mehr nach Hause. Die Mutter sitzt ohne Geld mit drei kleinen Kindern da, spricht schlecht Deutsch und hat plötzlich einen Berg Schulden. Wer unterstützt sie?

Familie Nummer Drei In einer jungen Familie werden Drillinge geboren. Der Alltag wird auf den Kopf gestellt. Wer hilft bei der Organisation? Oder beim Durchatmen?

Die Antwort in allen drei Fällen lautet: eine Familienpflegerin. Eine wie Andrea Wimmers.

Sie ist ausgebildete Familienpflegerin und arbeitet bei der Caritas Mönchengladbach. Sie kommt ins Haus, um Eltern zu entlasten, bei der Haushaltsführung, Alltagsorganisation und Kinderbetreuung zu beraten und zu unterstützen. Es geht dabei keineswegs nur um materielle Armut. „Es gibt Frauen, die überfordern sich, weil sie extrem hohe Ansprüche an sich selbst stellen“, weiß Walburga Iseken, beim Caritasverband Region Mönchengladbach für Familienpflege und Gemeindesozialarbeit zuständig. „Oder sie sind gerade zugezogen und leben sozial vollständig isoliert.“ Hier kann die Familienpflegerin unterstützen, indem sie in Spielgruppen vermittelt oder Austauschmöglichkeiten aufzeigt. Oder bei Mehrlingsgeburten verschafft sie den Eltern ein wenig Zeit und die Möglichkeit, einmal zur Ruhe zu kommen. Oft aber ist auch die Frage des Geldes eine sehr drängende in Familien, in die Andrea Wimmers kommt. Dann werden gemeinsam Haushaltspläne erarbeitet, überlegt, wo man günstig einkaufen kann oder die Grundlagen des Kochens vermittelt. „Manche Familien haben, obwohl mindestens ein Elternteil berufstätig ist, völlig die Kontrolle über die Finanzen verloren“, sagt die Familienpflegerin. „Sie haben sich finanziell übernommen und wissen nicht mehr weiter.“ Die Familienpflegerin unterstützt sie, nimmt ihnen aber die Aufgaben nicht aus der Hand. „Indem die Familienpflegerin bei der Haushaltsorganisation unterstützend und beratend zur Verfügung steht und anleitet beim Umgang mit Finanzen, beugt sie Armutsrisiken vor“, erklärt der Caritasverband für das Bistum Aachen.

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Die Familienpflegerin unterstützt auch beim Umgang mit Behörden oder bei der Suche eines Kita-Platzes. Nicht jeder – vor allem Menschen, die nicht gut Deutsch können – vermag mit dem Kita-Navigator umzugehen. „Ich helfe auch mal beim Anmelden der Kinder“, sagt Andrea Wimmers. Weil sie gut vernetzt mit anderen Hilfseinrichtungen arbeitet, kann sie eine gute Lotsin bei der Problemlösung in den Familien sein. Oft vereinbart sie aber auch mit den Familien ein bestimmtes Vorgehen, fordert sie auf, Termine zu machen, zum Beispiel bei der Schuldnerberatung. „So erhält alles mehr Verbindlichkeit und der nächste Behördenbrief wird dann auch geöffnet“, sagt sie.

(arie)