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Mönchengladbach: So geht Rollschuh-Disco unter freiem Himmel bei Sport im Park

„Sport im Park“ in Mönchengladbach : Rollschuh-Disco unter freiem Himmel

Bei der Aktion „Sport im Park“ in Neuwerk ging es am Samstag beim Rollschuh-Freestyle zurück in die 1980er Jahre. Bis zum 16. August kann jeder mitmachen, der Rollschuhe oder Skates mitbringt.

Aus einer Box am Rande des Platzes dröhnt ein Knarren und Quietschen. Schritte kommen immer näher. Mit einem Donnern fällt die Tür ins Schloss. Dann tönt das Heulen eines Wolfes über den Sportplatz. Langsam wird aus dem Heulen ein Bellen. Und aus den Schritten schließlich der Beat. „It’s close to midnight“ klingt aus der Musikbox. Und Jade, Mya und ihr Vater Ralf fangen an, ihre Schritte an den Rhythmus von Michael Jacksons Welthit „Thriller“ anzupassen.

Auf insgesamt 24 Rollen geht es für die Familie über den hellblauen Boden der Außerbahn hinter der Krahnendonkhalle in Neuwerk. In einer Reihe stehend und die Arme vorne miteinander gekreuzt, strecken der Vater und seine beiden Töchter nacheinander ihre rechten und die linken Füße nach vorne und bewegen sich so in der Form einer Acht über den Platz. Die Schritte werden schneller, alle drei greifen mit ihren Händen noch einmal neu um und drängen auf den Rollschuhen dann so weit auseinander, sodass die zwölfjährige Mya im Spagat auf dem Boden landen  kann, während ihre 17-jährige Schwester Jade sich mit den Händen auf dem Platz abstützt und ihre Beine wie beim Breakdance um ihren Oberkörper kreisen lässt. Wie die Schwestern sich zu dem Lied auf den Rollschuhen bewegen, geben nur die Umgebung und der Takt der Musik vor. Beim „Freestyle Roller Dance“ ist sonst alles erlaubt.

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Seit dem 22. Juni gibt es im Rahmen der Aktion „Sport im Park“ vom Stadtsportbund an vielen öffentlichen Orten täglich kostenfreie Sportangebote unter freiem Himmel. Jeden Samstag bis zum 16. August ist auch der Gladbacher Roll- und Schlittschuhclub mit seinem „Roller Skating und Freestyle Roller Dance“-Angebot auf der Außenbahn hinter der Krahnendonkhalle dabei. Mitmachen kann jeder, der seine eigenen Rollschuhe oder Inline-Skates mitbringt – eine Anmeldung ist nicht nötig. „Wir wollten mit unserer Teilnahme natürlich auch etwas Werbung für unseren Sport machen“, sagt Vater Ralf, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte und – als Leiter des Angebots – sowieso eher als „Mr. Jam Boogie“ bekannt sei.

Den Namen hat er sich selbst gegeben: Es ist eine Kombination aus seinem Lieblings-Skate-Stil, dem „Jamskating“, bei dem zu jeder Art von Musik improvisiert werden kann, und der Tanzrichtung „Electric Boogie“, welche besonders durch Schritte wie das wellenförmigen Bewegen von Armen und Schultern oder das Imitieren eines Roboters mit dem Oberkörper bekannt ist.

Eigentlich sollte das Training in einem leerstehenden Bereich des Minto stattfinden. Weil das aufgrund der Corona-Auflagen nicht möglich war, wurde das Skaten einfach nach draußen verlegt. „Wir haben uns nur die falsche Uhrzeit ausgesucht“, sagt Ralf und lacht, als das Freestyle-Training um 15 Uhr anfangen soll und die Sonne bei über 31 Grad auf den Platz knallt. Ab dem 5. Juli soll das Training darum erst zwei Stunden später anfangen (von 17 bis 19 Uhr). Dieses Mal gilt aber einfach: eincremen und viel trinken.

Dass es in Mönchengladbach eine frei zugängliche Außenbahn zum Freestyle-Skaten und sogar ein eigenes Trainings-Angebot in einem Verein gib, das sei etwas ganz Besonderes. „In Deutschland bringt einem sonst kaum noch jemand bei, wie man das richtig lernt“, sagt Vater Ralf. Er selbst habe Ende der 1970er Jahre mit dem Sport angefangen, als Skaten auf den Straßen gerade beliebter wurde und in den ersten Rollschuh-Discos zu Beats gefeiert wurden. „Da konnte ich ja gar nicht anders, als mitzumachen“, sagt er und zuckt lachend mit den Schultern. Anders als viele andere, sei er jedoch dabeigeblieben, habe immer weiter an seinem Grundschritt gearbeitet oder sei ab und zu für einen Tag in die Niederlande gefahren, wo es bis heute noch häufiger als in Deutschland kleine Rollschuh-Partys oder Plätze zum Freestyle-Tanzen gebe. Auf seinem YouTube-Kanal „MrJamBoogie“ veröffentlicht er außerdem Anleitungen für bestimmte Tanzschritte oder lädt Videos hoch, die ihm beim Skaten zeigen. „Mir gefällt einfach die Bewegung und die Musikalität. Es gibt zwar auch einige Elemente des Rollschuh-Kunstlaufens, aber keine festen Regeln, wie man eine Bewegung ausführen muss. Und ähnlich wie beim Tanzen trainiert man das Gleichgewicht und gleichzeitig den ganzen Körper“, sagt er.

Seine ganze Familie konnte er bis heute für den Sport begeistern. Neben seinen Töchtern Mya und Jade ist auch sein 20 Jahre alter Sohn Keith mitgekommen. Während er besonders gerne zu Rap und Hip-Hop über die Außenbahn fährt, mögen seine Schwestern besonders gerne die Sprünge oder den Spagat, den sie schon aus dem Ballett-Unterricht kennen. Dort trainieren sie ebenfalls schon seit Jahren, können jedoch aktuell nur online unterrichtet werden. Auf der Außenbahn in Neuwerk ist das anders: Hier kann Trainer und Vater Ralf direkt sein Wissen über das Skaten weitergeben.