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Mönchengladbach: So funktioniert digitaler Unterricht

Digitalisierung an Mönchengladbacher Schulen

Mit iPad in den Unterricht

„iPads im Unterricht“ – das war das Thema der Netzwerkveranstaltung im Gymnasium am Geroweiher. FOTO: Ilgner,Detlef (ilg) / Ilgner Detlef (ilg)

Mönchengladbach Mal eben auf digital umsteigen, ist nicht so einfach. Deswegen berät Apple Professional Learning Specialist Frajo Ligmann Schulen bei der Umsetzung eines iPad-Konzeptes.

Einen Podcast zum Thema Fotosynthese aufzeichnen, im Fremdsprachenunterricht Bildergeschichten vertonen, Schulbücher digital auf dem iPad nutzen – Ideen wie diese könnten für Mönchengladbacher Schüler zur Realität werden. In einer Netzwerkveranstaltung trafen sich Vertreter von rund 20 Schulen aus Mönchengladbach, Jüchen und Grevenbroich im Gymnasium am Geroweiher, um über die Chancen von iPad-Nutzung im Schulunterricht zu reden und etwas über Risiken und Erfolgsbedingungen zu lernen. Frajo Ligmann, Apple Professional Learning Specialist, gab dazu einige Tipps.

Damit ein digitales Lernkonzept funktioniert, reicht es noch lange nicht, den Schülern einfach ein iPad in die Hand zu drücken, stellte Felix Nattermann, Informatiklehrer am Gymnasium am Geroweiher, klar: „Viele denken, wenn man einmal das Geld für die Geräte hat, dann läuft alles. Es gehört aber viel mehr dazu, Schüler und Lehrer müssen eine Medienkompetenz erwerben und Themen wie Cybermobbing spielen eine Rolle.“

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Corona treibt die Digitalisierung voran

Lehrer Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland angekündigt, alle Lehrer mit digitalen Endgeräten samt Software auszustatten.

Schüler Für die Ausstattung der Schulen und benachteiligter Schüler stellt die Landesregierung 55 Millionen Euro bereit. Mit dem Sofortprogramm sollen Schüler aus einkommensschwachen Familien am Unterricht auf Distanz teilnehmen können.

Am Gymnasium am Geroweiher gibt es deshalb fast monatlich den „Digitrain“, bei dem Lehrer voneinander lernen und Erfahrungen mit verschiedenen Apps und Programmen sammeln können. Für Schüler gibt es außerdem von der fünften bis zur achten Klasse das Fach Informatik. Auch ansonsten versucht die Schule umzusteigen: „Wir haben uns einfach mal angeguckt, was wir alles in Papierform machen und das ins Digitale umgestellt. Elternbriefe kann man zum Beispiel auch per Mail verschicken“, berichtete Nattermann.

Ein nächster Schritt zur Digitalisierung wären iPads im Unterricht. Darüber informierte Frajo Ligmann, Apple Professional Learning Specialist, und Lehrer am Gymnasium in Würselen, seine Kollegen. Er weiß aus eigener Erfahrung: Mal eben auf digital umsteigen, ist nicht so einfach. Das Gymnasium in Würselen versuchte dies bereits vor zwölf Jahren, richtete W-Lan in allen Klassen ein und wurde mit 130 Laptops ausgestattet. Das habe aber nicht zum gewünschten Erfolg geführt, berichtete Ligmann: „Es gab kein gemeinsames Ziel im Kollegium, und die Kommunikation mit den Eltern lief teilweise nicht optimal. Außerdem sind Laptops nicht wirklich schultauglich, es waren immer viele Geräte kaputt.“

2015 wagte die Schule dann einen digitalen Neustart und führte das iPad-Konzept ein, mit dem die Schule auch den digitalen Bildungspreis „delina“ gewann. Die wichtigsten Bedingungen für ein Gelingen: Die technische Ausstattung, gut ausgebildete Lehrer und ein gemeinsames Ziel. Denn zu technischen Voraussetzungen gehören nicht nur die Geräte, sondern auch die Administrierbarkeit und Skalierbarkeit spielen dabei eine Rolle. Damit die Lehrer entsprechend ausgebildet sind, sei es außerdem wichtig verbindliche Fortbildungen und Sitzungen zu veranstalten. Am Gymnasium in Würselen müssten die Lehrer das „Apple Teacher Zertifikat“ vorweisen, bevor sie in den iPad-Klassen unterrichten. Das Programm „Apple Teacher“ biete eine kostenlose Weiterbildung für Lehrer, die Apple-Produkte in den Unterricht integrieren wollen. So gebe es dann auch eine gemeinsame Basis im Kollegium, auf der Fortbildungen aufgebaut werden können, sagte Lipmann. Außerdem sei es immer wichtig, dass es einen gemeinsamen Konsens gibt, was die Ziele angeht: „Zuerst müssen sie sich im Kollegium fragen, was das Ganze überhaupt soll“, so Ligmann.

Apple Professional Learning Specialists, wie Ligmann, kommen an Schulen, um ihnen bei der Umsetzung des iPad-Konzepts zu helfen: „Im ersten Schritt müssen wir wissen, wo ihr gerade digital steht. Dann müssen Verantwortliche für alle To-Dos bestimmt werden, und es wird eine Timeline erstellt, wann was wie gemacht werden soll.“

Fragen von den Kollegen gab es nach dem Vortrag einige, zum Beispiel was mit dem Konzept passiert, wenn einige Lehrer die iPads im Unterricht einfach nicht nutzen. „Sie erreichen im Schnitt 90 Prozent der Eltern und auch 80 Prozent der Lehrer. Das System funktioniert, auch wenn es ein paar gibt, die nicht mitmachen“, so Ligmann.