Mönchengladbach: Selbstverteidigung für Kinder: Jede Menge Mut

Mönchengladbach: Jede Menge guter Mut

Wie man sich mit Hilfe von Krav Maga wie ein Tiger verteidigt oder im Notfall einen Verband richtig anlegt, lernten Kinder bei einem Aktionstag im Menge-Haus. Der Erlös der Schnupperkurse geht an den Verein "Zornröschen".

Mia und Charlotte stehen sich vor einer Gruppe von Zuschauern gegenüber und schauen sich in die Augen. Langsam geht Charlotte auf Mia zu, streckt ihre Arme nach vorne und stößt mit ihren Händen leicht gegen Mias Schultern. Mia fällt einen Schritt zurück, lässt sich von Charlottes Angriff jedoch nicht einschüchtern. Schnell streckt sie ebenfalls ihre Handflächen nach vorne, macht sich groß und ruft mit lauter Stimme "Stopp, hör auf". Ein klares Signal. "Super gemacht", lobt Trainer Alex Kaiser.

Dann ist Charlotte dran, wird von Mia leicht nach hinten geschubst und wehrt sich in gleicher Weise mit ihrer Haltung und der Stimme. Geschafft! Mia und Charlotte schlagen zufrieden ihre Hände gegeneinander. Denn geschubst wurde hier natürlich nur zur Übung. "Wir haben uns schließlich versprochen, dass wir uns nicht wehtun", sagt Trainer Kaiser. Es gibt Momente wie diesen, da braucht es eine ganze Menge Mut. Etwa wenn man einfach von einer anderen Person geschubst wird. Oder vor einer Gruppe von fremden Menschen etwas vormachen soll. Doch bedeutet Mut auch in eine dunkle Höhle zu gehen, von einem hohen Klettergerüst zu springen oder mit einem Fremden mitzugehen? "Nein", sagt der Trainer deutlich zu der Gruppe aus sechs Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren. "Wir müssen zwischen guten und schlechten Mut unterscheiden. Schlechter Mut ist gefährlich. Doch bei gutem Mut kann nichts passieren. Der bringt uns weiter."

Foto: Andreas Baum

Um die zweite Form des Mutes - den guten Mut - soll es bei der gemeinsamen Wohltätigkeitsveranstaltung der Kampfkunst- und Selbstverteidigungsschule (KSM) und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Niederrhein im Haus Menge besonders gehen. Angeboten werden Schnupperkurse in Krav Maga für Kindergartenkinder, Schulkinder und Erwachsene. Wer möchte, kann außerdem seinen "Pflasterführerschein" machen. Erwachsenen erhalten eine Auffrischung in Erster Hilfe. "Besonders die Herz-Lungen-Massage und der Druckverband sind Themen, die schnell vergessen werden", weiß Jennifer Giebner vom ASB. Auf dem Parkplatz warten ein Einsatzwagen für Hochwasserlagen und ein Krankenwagen zur Besichtigung auf die Kinder. "Das nimmt die Angst vor dem Rettungsdienst", sagt Giebner.

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Michael Mentsches (KSM), Maik Hell (ASB) und Marc Fahrig haben die Veranstaltung ins Leben gerufen, letzterer ist als Geschäftsführer von Schaffrath auch Schirmherr der Aktion. Alle drei trainieren Krav Maga (übersetzt: "Kontaktkampf") und wollen ihre Liebe zu der israelischen Selbstverteidigungstechnik durch den Aktionstag weitergeben - für einen guten Zweck. Die Schnupperkurse sind kostenfrei, gesammelt wird für den Verein "Zornröschen", der sich in Mönchengladbach für einen verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch einsetzt.

"Krav Maga ist keine Kampfkunstform, sondern dient lediglich der Selbstverteidigung", erklärt Trainer Alex Kaiser. Bei den kleinsten Sportler geht es auch erst einmal nicht um das aktive Angreifen, sondern um Selbstbewusstsein, Sicherheitsregeln und Sozialverhalten. "Die Motorik und das Kennenlernen des Körpers stehen im Vordergrund", sagt Kaiser. Und Mentsches ergänzt: "Bei vielen Kindern ist die Koordination heute stark eingeschränkt. Dem wollen wir spielerisch entgegenwirken." Es geht für die Kinder nacheinander durch einen Parcours aus Hütchen, Tunneln und Seilen. Hier kommt nun auch schon die erste echte Technik zum Einsatz: die "Tigertechnik". Mit der einen Hand an der Schläfe und der anderen ausgestreckt über dem Kopf, verteidigt sich Kind für Kind gegen die roten Polster, die der Trainer ihnen entgegenstreckt. Mutig!

In einem weiteren Raum geht es zur "Pflasterführerschein-Prüfung" bei Sino Klaßen. Dort gibt es eine große Wärmedecke, in die sich jedes Kind einwickeln darf. Da wird es schnell so warm, dass manch einer gar nicht mehr unter der Decke hervorkriechen möchte. Und auch ein Sprichwort, wie man sich den Notruf besser merken kann, hält Sino Klaßen für die Kinder bereit: "Brauchst du Hilfe schnell herbei, dann wähle auf dem Telefon die 112", sagt er. Dann geht es an die Pflaster: Jedes Kind darf sich ein eigenes zurechtschneiden und dann behutsam um den Finger wickeln. Warum in der Mitte des Pflasters eine weiße Stelle ist? "Weil da das Blut abtropft", weiß der sechsjährige Julian Bescheid. Nach den Pflastern kommt der schwierigste Teil: die Verbände. Doch auch das Verbinden beherrschen die Kinder durch Praxisübungen an den eigenen Eltern schnell - der Pflasterführerschein ist damit gemeistert. Und die Nachfrage nach weiteren Verbänden groß: Es gibt schließlich noch jede Menge Kuscheltiere, die verarztet werden wollen.

(mcv)