Mönchengladbach: Schwules Prinzen-Paar Zeichen der Normalität

Kolumne Mensch Gladbach : Ein starkes Zeichen der Normalität

Das erste homosexuelle Prinzen-Paar macht bundesweit Schlagzeilen. Die Entscheidung der Karnevalisten zeigt aber eigentlich, dass das einst Besondere doch längst Alltag ist.

Will man schnell einen Lacher produzieren, dann stellt man einen als Frau verkleideten Mann auf die Bühne. Davon lebt mit der Travestie eine ganze Unterhaltungsbranche. Historisch gesehen haben Männer in Frauenkostümen auch einen konservativen Hintergrund. Weil es sich für Frauen nicht ziemte, auf die Bühne zu gehen, übernahmen in Theaterstücken oder Opern Männer die Frauenrollen.

Auch im Karneval war das lange üblich. Tanzmariechen zum Beispiel waren lange Zeit ausschließlich männlich. Vermutlich rührt daher auch die Kölner Tradition, die Jungfrau im Dreigestirn von einem Mann darstellen zu lassen. Liberal und einer Revolution gleich wäre in der Domstadt vermutlich eine Frau als Jungfrau, in Steigerung eine Frau als Prinz.

In Mönchengladbach gibt es in der nächsten Session erstmals zwei Prinzen. Thorsten Neumann und Axel Ladleif sind seit zwölf Jahren liiert und spielen in der Stadtgesellschaft eine tragende Rolle. Ihre Homosexualität leben sie offen, tragen sie aber nicht zur Schau. So wollen sie auch die närrische Regentschaft leben. Ohne ständig und demonstrativ die Regenbogenfahne zu schwenken. Ohne Mann-in-Frauenkleidern-Klischees zu bedienen, nur weil das Mönchengladbacher Prinzenpaar traditionell Mann und Frau vorsieht.

Die Reaktionen auf die Auswahl des Mönchengladbacher Karnevalsverbands sind fast ausschließlich positiv. Düsseldorf und Köln scheinen sogar ein wenig neidisch auf diesen strategisch klug platzierten Akt der Liberalität zu blicken. Ausgerechnet Gladbach! Hört man hier Kritik, dann nicht an der Tatsache, dass es ein homosexuelles Prinzenpaar ist, sondern dass die traditionelle Frauenfigur der Niersia kurzerhand durch einen zweiten Prinzen, den Niersius, ersetzt wird.

Dabei ist genau das der konsequente Ausdruck der Normalität. Ein Mann kann mit einer Frau liiert sein, ein Mann mit einem Mann, eine Frau mit einer Frau. Was spielt es für eine Rolle, was bei einem Prinzenpaar im Schlafzimmer passiert?, fragen die designierten Prinzen. Es sollte keine Rolle spielen, nicht im Karneval, nicht in der Politik, nicht im Krankenhaus oder in sonst einem Bereich. Straftaten und Belästigungen anderer natürlich ausgenommen. Die Normalität des einst Besonderen ist längst gesellschaftlicher Konsens.

Silke McCoy (r.) war in Rheindahlen Schützenkönigin und ist jetzt Ministerin des Bezirksschützenkönigs, mit ihrer Partnerin Melanie McCoy ist sie seit sechs Jahren zusammen. Foto: Mario Winkler

In Mönchengladbach gilt das auch für das Sommerbrauchtum. In Rheindahlen gab es im Sommer 2017 ein lesbisches Schützenköniginnenpaar. Silke McCoy schoss den Vogel ab, repräsentierte die Bruderschaft in Uniform, ihre Lebenspartnerin Melanie McCoy war im Kleid an ihrer Seite. Die frühere Stadtteilschützenkönigin ist inzwischen Ministerin des Bezirkskönigs – nicht ausgeschlossen, dass Silke McCoy sich selbst auch in dieses Königsamt schießt. Bei offiziellen Anlässen trägt sie dunklen Anzug, ihre Lebenspartnerin Abendkleid. Das Paar ist selbstverständlicher Teil der Schützengesellschaft.

In diesem Sinne: Ein besonders normales und schönes Wochenende!

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