Schulstadtmeisterschaft in der Jahnhalle Der 1. JC Mönchengladbach will Schüler für Judo begeistern

Mönchengladbach · Drei teilnehmende Schulen trugen ein Schulturnier im Judo in der Jahnhalle aus. Sieger gab es viele, im Vordergrund stand, die Sportart erfahrbar und bekannter zu machen.

Ringen um den Sieg auf nur vier Quadratmetern. Ob Judo-Erfahrung oder nicht, alle durften mitmachen.

Ringen um den Sieg auf nur vier Quadratmetern. Ob Judo-Erfahrung oder nicht, alle durften mitmachen.

Foto: Markus Rick (rick)

„Stellt euch vor, wir wiegen 180 Kilo und haben einen langen Zopf“, ruft Björn Eckert, Jugendleiter des 1. Judoclubs (JC) Mönchengladbach den rund 150 Schulkindern zu und zeigt schmunzelnd auf seine eigene Glatze. Gemeinsam mit seiner Frau Sarah macht er vor, wie man sich gegenseitig beim Judo-Sumo vom zwei Mal zwei Meter großen Kampfring befördern kann. Zwar haben die Schülerinnen und Schüler heute die Grundtechniken der Kampfsport Judo schon erlernt, in den eigentlichen Kämpfen um die Schulstadtmeisterschaft wird aber die anfängergerechte Ersatz-Sportart Judo-Sumo praktiziert, bei der zwar wie beim Judo gefallen wird, Judowürfe selbst aber nicht erlaubt sind. Stattdessen versucht man sich durch Schieben und Ringen, den Gegner vom Leib zu halten. Die dritten und vierten Klassen der GGS Waisenhausstraße sowie die fünften Klassen des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums (Math.-Nath.) und des Gymnasiums Rheindahlen machen begeistert mit.

Der städtische Ausschuss für den Schulsport hat zusammen mit dem 1. JC Mönchengladbach und dem Judo-Verband NRW die Mönchengladbacher Grundschulen und Sport-Kooperationsschulen zur Schulstadtmeisterschaft in die Jahnhalle geladen. Zwar haben sich nur drei Schulen angemeldet, doch die sind mit großer Schülerzahl erschienen. „95 Prozent der Schüler haben keine Vorerfahrung“, erklärt Mitorganisator Oliver Kapner vom Fachbereich Sportförderung. „Judo ist ein Kooperationssport, mit der Schule und Leistungssport verknüpft werden sollen“, sagt er. Kinder sollen frühzeitig damit vertraut gemacht werden, um direkt schon in der Schule Kontakt zum Vereinssport zu bekommen. Die Stadtmeisterschaft bietet dabei so etwas wie ein Schnupperangebot. „Die meisten sind am Anfang bei einem Kontaktsport wie Judo etwas verhalten, aber später werden die Ängste abgebaut“, sagt Kapner. Jenny Frey ist stellvertretende Schulsportbeauftragte des Judo-Verbands NRW und für das Rheinland zuständig und gleichzeitig Stadt-Schulsportbeauftragte. Vor allem ist sie aber auch Lehrerin am Math.-Nath.: „Ich habe die Kooperation mit dem 1. JC ins Leben gerufen, das Gymnasium Rheindahlen kam später dazu. Jedes Jahr seit rund zehn Jahren nimmt unsere komplette fünfte Jahrgangsstufe am Schulturnier teil“, erklärt sie.

So sind zehn der etwa 150 Schüler schon Mitglied im 1. JC, weitere belegen Judo-AGs am Math.-Nath. bei Jenny Frey oder an der Sportschule Gymnasium Rheindahlen. Björn Eckert, der außer seiner JC-Tätigkeit auch dort Lehrer ist, leitet sie. Werfen, halten, fallen, die grundlegendsten Fähigkeiten des Judos sind gar nicht so schwer und können schon an einem Vormittag erprobt werden. Nach der Trainingseinheit, bei der Eckert mit seiner Frau die wichtigsten Techniken vorgeführt hat, geht es dann los mit den Judo-Sumo-Kämpfen, die auch ohne Training funktionieren. Die Jungen und Mädchen werden bei der Meisterschaft getrennt in 13 Gewichtsklassen eingeteilt, in jeder Gewichtsklasse gibt es dann zwei Gruppen mit je fünf Schülern, die alle einmal gegeneinander antreten. Jene mit den meisten Siegen aus beiden Gruppen stehen dann im Finale. So sind in der Jahnhalle 13 neue Schüler-Stadtmeisterinnen und -meister gekürt worden. Doch eine Urkunde erhalten alle Teilnehmer, ebenso einen weißgelben Gürtel, den die Stadtsparkasse bereits das zweite Mal gesponsert hat.

„Das ist ein niederschwelliges Angebot, denn mit dem Gürtel kann man direkt im Vereinstraining anfangen. Und auch wenn sie hinterher nicht zu uns kommen, haben sie sich mal damit beschäftigt“, betont Eckert. Mit der Nachwuchsarbeit beim 1. JC sei man schon zufrieden, doch besser könnte die Nachfrage schon sein. Die Kinder seien motiviert, schwerer sei es jedoch, Trainer zu finden, die genügend Zeit investierten. Das Ziel sei, durch solche Schulmeisterschaften, Judo mehr publik zu machen. „Wir haben eher einen schlechten Ruf, weil es heißt, beim Judo kämpft man. Aber beim Judo passen wir aufeinander auf. Außerdem betonen wir Werte wie Respekt, Freundschaft und Bescheidenheit“, erklärt Eckert.

Der Fünftklässler Mats ist Schüler am Gymnasium Rheindahlen und besucht dort die Judo-AG, er konnte sich in seiner Gewichtsklasse als Stadtmeister durchsetzen. „Ich bin sehr zufrieden, habe alle Kämpfe gewonnen“, sagt er. Die Mitgliedschaft im Judoverein kommt für ihn aber nicht infrage: „Es wäre cool, aber da ich schon Hockey und Fußball spiele, habe ich dafür keine Zeit“, sagt der Zehnjährige. Und Kapner hofft, dass im nächsten Jahr noch mehr Schulen teilnehmen und ihre Skepsis gegenüber dem „Kampfsport“ aufgeben.

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