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Brauchtum in Mönchengladbach So war das Schützenfest in Windberg

Mönchengladbach · Bei strahlendem Wetter feierten die Windberger mit Gästen ihre Kirmes. Wie das ablief und wieso ein Blick auf die Geschichte des Festes lohnt.

Am Sonntagmorgen ist die festliche Schützenparade durch Windberg gezogen.

Am Sonntagmorgen ist die festliche Schützenparade durch Windberg gezogen.

Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)

Wenn die Schützen des Bürgerschützenvereins ihre Kirmes feiern, dann gibt es immer einiges über den Verein zu erzählen, speziell aus der Vergangenheit. So auch an diesem Wochenende, als das Schützenfest in Windberg begangen wurde, dessen Neustart nun 65 Jahre zurückliegt: In Windberg/ Großheide wurde bis zum Jahre 1956 das jährliche Schützen-, Volks- und Heimatfest unter der Verantwortlichkeit der St. Brigitta Bruderschaft gefeiert. Doch es entstanden ethische Schwierigkeiten, die in den damals recht konservativen Statuten einer Bruderschaft begründet waren und deshalb in Windberg-Großheide dazu führten, dass die Bruderschaft sich nicht in der Lage sah, im Jahre 1957 das traditionelle Schützenfest auszurichten.

Etwa 70 Bürger aus Windberg-Großheide, die bis zu diesem Zeitpunkt auch in der Bruderschaft aktiv waren, versuchten es dennoch. Sie wussten, wie in dem Stadtteil Kirmes gefeiert wird und versuchten zu retten, was zu retten war. Man gründete den Bürgerschützenverein Windberg-Großheide mit dem Ziel, dass unabhängig von Konfession und Besitzstand jeder Schütze in der Lage ist, jedes Amt zu bekleiden, was die Bürgerschützen zu vergeben haben. So wurde das erste Schützen-, Volks- und Heimatfest des neuen Vereins unter Dach und Fach gebracht. Mit dem ersten König, Franz Franken, feierte Windberg-Großheide die Kirmes 1957 und der Start in eine neue Ära konnte als Erfolg verbrieft werden. Erster Hauptmann bei den Bürgerschützen war Addi Brocher.

1976 feierte der Bürgerschützenverein am Kirmessonntag zum ersten Mal einen ökumenischen Gottesdienst. Und so ist es heute noch, denn auch an diesem Sonntag hatte der BSV wieder zum ökumenischen Festgottesdienst eingeladen. Zelebranten waren Pfarrer Karl-Heinz Bassy von der evangelischen Kirchengemeinde Großheide und Dietrich Blaese, geschäftsführender Vorstand der katholischen Gemeinde Windberg-Großheide. Vor allen Dingen Bassy begeisterte mit seiner Art eine Predigt zu halten die Messbesucher: bissig, kritisch, fordernd, aber immer auch mit einem gehörigen Schuss Humor versehen. Mit dem Satz: „Ihr müsst nicht leben, sondern ihr dürft leben“, versah er seine Predigt mit Gleichnissen des Lebens und ging auf die heutigen Krisen des Weltgeschehens ein. Auch er sei mit der momentanen Krisensituation im Alltag nicht zufrieden; so wolle Pfarrer Bassy sein 1980 zurück, als sein Leben ihm seine Liebe, seine schulischen Leistungen und seine Musik brachte. Für seine Predigt gab es Beifall. Beste musikalische Unterstützung bekamen die beiden Zelebranten vom Chor „Sound and Spirit“ aus Venn.

Draußen wurde nach dem Gottesdienst das Königshaus mit König Marcel Spieker und seinen Rittern Dirk Janissen und Bernd Lüttge von den viele Besuchern gefeiert. An der Parade nahmen Schützenbruderschaften aus Hardt, Venn und Waldhausen teil. Gast war auch eine Abordnung der Karnevalsgesellschaft Wenkbülle.

In diesem Jahr hat der Bürgerschützenverein Windberg-Großheide ein Jungkaiserhaus. Die jungen Majestäten mit Kaiser Marius Körner und seinen Jungrittern Dominik Lüttge und Luke Theißen waren mit Begeisterung bei der Sache. Und auf die Frage an den jungen Kaiser, wie es denn mit seiner Karriere im BSV weitergehen soll, zuckte er nur mit den Schultern und meinte: „Abwarten!“

Jedenfalls wird Marius Körner demnächst 18 Jahre alt und darf dann bei den älteren Schützen dabei sein. Nur für das nächste Jahr wird er nicht auf den Vogel schießen, denn da hat bereits ein Schütze aus seiner Gruppe „St. Brigitta-Bruderschaft“ Ambitionen angemeldet. Auch für den Nachwuchs im Verein setzen sich die Schützen ein. „Kinder und Jugendliche kann man nie genug im Verein haben“, sagt der Vorsitzende Bernd Lüttge: „Damit die bei uns vernünftig betreut werden, haben sich engagierte Vereinsmitglieder befreit gefunden, unsere Jugend in einer eigenen Jugendabteilung zu fördern.“

Die Windberger Kirmes endet am Montag mit dem Platzkonzert am Altenheim an der Marienburger Straße ab 10.15 Uhr und mit dem Klompenball ab 13 Uhr. Bis dahin wird im Biergarten an der Kirche St. Anna und im Festzelt an der Annastraße nach Windberger Art gefeiert.