Lagebericht erwähnt auch Mönchengladbach Salafistenszene in NRW wächst weiter

Mönchengladbach · Im Bericht des Innenministeriums wird auch die Moschee an der Mittelstraße erwähnt.

 Salafisten beteten noch im Jahr 2014 auf dem Alten Markt bei einer Kundgebung.

Salafisten beteten noch im Jahr 2014 auf dem Alten Markt bei einer Kundgebung.

Foto: Gabi Peters

Mönchengladbach war über Jahre eine Hochburg des Salafismus. Bekannte Prediger wie Pierre Vogel und Sven Lau traten mehrfach öffentlich auf, provozierten mit nächtlichen Gebeten auf dem Eickener Marktplatz und versuchten, mit dem Verein „Einladung zum Paradies“ eine Islamschule anzusiedeln. Die Pläne wurden damals fallen gelassen. Von Pierre Vogel ist mittlerweile nur noch wenig zu hören. Und der gebürtige Mönchengladbacher Sven Lau nimmt nach seiner Haftstrafe (er wurde wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt) an einem Aussteigerprogramm teil. Dennoch gibt es noch Salafisten in der Stadt und auch sogenannte Gefährder. In NRW ist die Anzahl der bekannten Anhänger extremistisch-salafistischer Szenen in den letzten Jahren stark angestiegen, von 1500 Personen im Jahr 2013 auf 3100 Personen (Stand Oktober 2019). Das geht aus dem zweiten „Lagebild Salafismus“ des Innenministeriums hervor.

Die Geschwindigkeit der Radikalisierung habe zugenommen, heißt es in dem Bericht. Vom ersten Kontakt mit dem extremistischen Salafismus bis zum totalen Bruch mit der Gesellschaft seien in der Vergangenheit oftmals Jahre vergangen. Heute seien es teilweise nur noch einige Monate und manchmal sogar nur Wochen bis zum Abschluss eines Radikalisierungsprozesses. Moscheevereine seien weiterhin Treffpunkte der Szene, die Vermittlung ideologischer Inhalte und die damit einhergehende Radikalisierung finde zurzeit allerdings überwiegend außerhalb von Gebetshäusern statt. „Der Druck auf die Salafistenszene mit gleichzeitigen Programmen für Aussteiger muss unverändert hoch bleiben“, fordern deshalb die beiden Landtagsabgeordneten Frank Boss und Jochen Klenner.

In dem Bericht erwähnt wird auch der Mönchendladbacher Moscheeverein an der Mittelstraße, dessen Räume das NRW-Innenministerium im November 2018 durchsuchen ließ, um zu prüfen, ob dort ein Treffpunkt für Extremisten ist. Die Ermittlungen dauern weiter an. Geprüft wird ein Vereinsverbot. Unterdessen wird die Großmoschee an der Mittelstraße weitergebaut.

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