Mönchengladbach: RWE-Chef Schmitz für weiteren Betrieb von Kohle-Kraftwerken

Mönchengladbach: Wie sich RWE die Energiewende vorstellt

Vorstandschef Rolf Martin Schmitz betonte bei den Mönchengladbacher Wirtschaftsgesprächen, konventionelle Kraftwerke müssten neben erneuerbaren Energien weiter laufen. Wichtigste Voraussetzung für den Kohleausstieg sei der Netzausbau.

RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz hat die Rolle von konventionellen Kohle- und Gas-Kraftwerken für die Sicherheit der Energieversorgung in Nordrhein-Westfalen betont. Schmitz sagte am Dienstagabend vor rund 350 eingeladenen Gästen der Mönchengladbacher Wirtschaftsgespräche im Hugo-Junkers-Hangar: „Solange es noch keine ausreichenden Energiespeicher für Strom aus erneuerbaren Energien gibt, brauchen wir konventionelle Kraftwerke für die sichere Energieversorgung.“ Der gleichzeitige vollständige Ausstieg sowohl aus der Kernenergie als auch aus der Stromerzeugung aus Braunkohle sei „zu viel für unser Land“. Derzeit erarbeitet die Kohlekommission ein Ausstiegsszenario für den Kohleausstieg. Der Bericht wird in Kürze vorgelegt. Ungeachtet dessen werde RWE mit Investitionen von 1,9 Milliarden Euro in erneuerbare Energien in den kommenden Jahren zum größten Produzenten von Strom aus Sonne und Windkraft in Deutschland.

Der gebürtige Mönchengladbacher Schmitz, der noch immer in der Stadt wohnt, traf dafür bei vielen Gästen der Wirtschaftsgespräche von Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, der Wirtschaftsförderung WFMG, der Stadtsparkasse und der Rheinischen Post auf Zustimmung. IHK-Präsident Elmar te Neues betonte: „Für die Unternehmen in der Region ist es wichtig, wettbewerbsfähig zu bleiben durch Sicherheit in der Energieversorgung. Es gibt Unternehmen, in denen die ganze Produktion liegt, wenn nur eine Millisekunde der Strom ausfällt.“ Der RWE-Chef musste sich im von RP-Redaktionsleiterin Denisa Richters moderierten Gespräch aber auch mit Kritik auseinandersetzen, beispielsweise von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU): „Wir sind weit davon entfernt sicher sagen zu können, wie die Ewigkeitskosten des Braunkohlatagebaus aussehen. Wir wünschen uns klare Regelungen, damit wir als Stadt da nicht allein gelassen werden.“ Schmitz entgegnete, es gebe anders als bei der Kernenergie und der Steinkohle keine Ewigkeitslasten. Am Ende stehe eine Summe für die Gestaltung und Umstrukturierung der Tagebau-Regionen.

Ulrich Schückhaus (WFMG), IHK-Präsident Elmar te Neues, RWE-Chef Rolf Martin Schmitz, RP-Redaktionsleiterin Denisa Richters, OB Hans Wilhelm Reiners, IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz, Sparkassenvorstand Hartmut Wnuck (v.l.). Foto: Ilgner Detlef (ilg)
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Schmitz nannte vier Voraussetzungen für „den Umbau der Energielandschaft in Deutschland, wie es kein Land bisher gemacht hat“. Dazu gehörten eine sichere Energieversorgung aus erneurbaren und konventionellen Energieträgern, bezahlbare Strompreise („Wir brauchen ein vernünftiges Umbautempo, sonst entstehen hohe Zusatzkosten für energieintensive Industrien“), der Ausbau der Stromnetze und ausreichend Zeit für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen. Insbesondere der Netzausbau für den Transport von erneuerbaren Energien sei der wichtigste Baustein für den Ausstieg aus der Kohle. „Jede Kilowattstunde Strom aus Sonne und Windkraft verdrängt eine Kilowattstunde Kohlestrom.“ Nur seien laut Bundesnetzagentur von 7700 Kilometern erforderlicher Leitung bisher erst 950 Kiloometer gebaut. „Interessanterweise sind diejenigen, die lautstark den Kohle-Ausstieg fordern, auch gegen den Netzausbau.“

Rund 30 Gegner der Braunkohleverstromung und der Tagebaue Garzweiler und Hambach hatten am Rande der Veranstaltung bei einer Kundgebung vor dem Hangar gegen RWE und den Betrieb von Braunkohle-Kraftwerken demonstriert. Nach Polizeiangaben verlief alles friedlich. Schmitz sagte: „Ich respektiere und begrüße friedliche Proteste. Aber im Windschatten der vielen friedlichen Demonstranten gibt es auch Leute, die unsere Mitarbeiter attackieren.“ In den vergangenen zwei Jahren seien auf diese Weise 34 RWE-Mitarbeier verletzt worden. Eine Braunkohlegegnerin wollte von Schmitz wissen, warum der Tagebau noch immer erweitert werde und unter anderem die Immerather Mühle abgerissen wurde. „Weil es dafür einen genehmigten Plan gibt.“ 1500 Menschen würden noch umgesiedelt, darunter auch Keyenberg. Auf ein Ausstiegsdatum wollte sich Schmitz nicht festlegen.

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