Mönchengladbach: Rundgang zwischen Polizeipräsidium und Wissenscampus

Zwischen gestern und morgen : Wissenscampus für Start-ups statt Polizei

Das frühere Polizeipräsidium soll zum hochschulnahen Zentrum für Innovation werden. Der dafür gegründete Verein will das Areal für die Gründerszene attraktiv machen. Erste Ideen gab ein Rundgang

Es ist ein Filetgrundstück mitten in Mönchengladbach: 35.300 Quadratmeter misst das Areal des alten Polizeipräsidiums. Die meisten Gebäude sind Ziegelsteinbauten, die unter Denkmalschutz stehen. Eineinhalb Jahre ist es her, dass die Polizei in das neue Präsidium an der Krefelder Straße umgezogen ist. Jetzt steht alles leer.

Der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) muss die Gebäude sichern. Dafür fallen jeden Monat Kosten an. „Wir müssen Liegenschaften, die nicht genutzt werden, zuverlässig vermieten oder verkaufen“, sagt BLB-Chefin Gabriele Willems und erteilt damit der Idee einer Zwischennutzung eine Absage. Der Mönchengladbacher Landtagsabgeordnete Jochen Klenner, Sprecher des BLB-Ausschusses, hat den Vorschlag aus der freien Szene für eine gastronomische und kulturelle Zwischennutzung aufgegriffen und in die Runde geworfen, die gerade einen Gang durch die Gebäude macht. Die Idee kommt gut an. Doch solange das Land Eigentümer ist, wird es mit Zwischennutzung schwierig.

Das könnte sich mit dem gerade gegründeten Verein Wissenscampus ändern. Der hat das Ziel, für das alte Polizeipräsidium ein schlüssiges Konzept  zu erarbeiten. Dafür erhofft man sich Geld aus dem milliardenschweren Fördertopf für den Strukturwandel nach dem Kohleausstieg. Geplant ist ein modernes Innovationszentrum mit hochschulaffinen Unternehmen, einer Junior-Uni, Start-ups, einige Jahre Mietfreiheit für Ausgründungen aus der Hochschule, die als direkter Nachbar auch an einer eigenen Nutzung von Teilen des Geländes interessiert ist. Sollte das Land die Immobilie verkaufen, strebt der Verein auch den Kauf aus den eigenen Reihen an.

Unter den Gründungsmitgliedern sind Stadt, Hochschule und sämtliche wichtigen Unternehmen aus Mönchengladbach. Sie erhoffen sich eine Initialzündung, die nicht nur die Stadt nach vorne bringt, sondern auch Fachkräftenachwuchs sichert. Vorsitzender des Vereins ist neben Norbert Miller von Scheidt & Bachmann auch  Stadtsparkassen-Chef Hartmut Wnuck. Er ist bei dem Rundgang mit dem BLB durch die Immobilie dabei.

Ebenso der designierte Hochschul-Präsident Thomas Grünewald und Bibiana Kemner, Vizepräsidentin für Wirtschafts- und Personalverwaltung an der Hochschule Niederrhein. „Eine Nutzung im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ wünscht sich Grünewald. Dabei gehe es um projektbezogenes Arbeiten in den Bereichen Textil, Soziales, Wirtschaft und Lebensmittel. Es werden aber auch Flächen für einzelne Fachbereiche benötigt.

Die verlassenen Räume, deren frühere Nutzung noch an vielen Details zu erkennen ist, inspirieren die Runde. Bei der alten Fahrzeughalle, einem riesigen Raum mit Säulen und Industrie-Flair sind sich alle einig: Hier sollte man nicht zu viel ändern. Das könne man als große Veranstaltungshalle ebenso nutzen wie für Technologie-Entwicklung, sagt Grünewald. Oder Co-Working-Spaces als Raum im Raum einrichten. Oder einen Ort der persönlichen Begegnung, einen „Meeting Point“. Auch Wnuck sieht eine vielfältige Nutzung: Führungskräfte von Tech-Unternehmen könnten hier vor jungen Gründern von ihren Erfahrungen berichten. „So entwickeln wir Power.“ 

Das Hochhaus, Mitte der 1970er erbaut und nicht von ansprechender Ästhetik, wird wohl nicht abgerissen, sondern kernsaniert. Zu hoch wäre  in dem denkmalgeschützten Umfeld das Risiko, keine Genehmigung für einen Neubau zu bekommen. Dann die Sporthalle, ein imposanter Raum. Womöglich auch für die Sportler der Hochschule und aus Vereinen.

Co-Working-Spaces im Trakt an der Theodor-Heuss-Straße, „und in dem langen Gang mit Rollern oder Fahrrädern fahren“, sagt Kemner.  Vielleicht werden auch die Haftzellen im Keller integriert. Um dort in Ruhe zu telefonieren oder, im Gegenteil,  keinen Empfang zu haben: für „Digital Detox“.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht es im alten Polizeipräsidium aus