Mönchengladbach: Rouven Peters lehrt den Weg des Samurai und des Ninja

Mit Schwert und Rüstung : Der Samurai-Lehrer von Mönchengladbach

Der 39-jährige Rouven Peters lehrt in seinem Verein „Yamabushi“ die Kampfkünste der Ninja und Samurai. Im normalen Leben ist er Lehrer.

Rouven Peters hat immer einen Schrein im Kofferraum. Kleine Porzellan-Schälchen, hölzerne Miniatur-Bauten japanischer Tore und Bilder des aktuellen Kampfkunst-Großmeisters transportiert er regelmäßig von A nach B. Sie sind für sein Training gedacht. Denn Rouven Peters ist „Shidoshi“, er hat das 10. „Dan“, ist Schwarzgürtelträger. Übersetzt bedeutet das: Der Mönchengladbacher ist ein engagierter Lehrer. Im Beruf unterrichtet er Gymnasiasten in Kaarst in Pädagogik und Sport. Und in seiner Freizeit lehrt er die Kampfkunst der Samurai und Ninja. Den Schrein, den er herumfährt, stellt er zu jedem seiner Trainings auf – zu Ehren des Großmeisters.

In Gladbach gibt es kaum eine Kampfkunstschule, die der von Rouven Peters ähnelt. Was der 39-Jährige im gemeinnützigen Verein „Yamabushi“ unterrichtet, nennt sich „Ninjutsu“. Das sind Kampftechniken, die japanische Spione, die Ninja, und der japanische Kriegeradel, die Samurai, im Mittelalter ausgeübt haben. Seit 20 Jahren hat Peters mit diesem Thema zu tun. Mit 18 ist er bei „Yamabushi“ eingetreten, mittlerweile ist er erster Vorsitzender. Ihm fehlen nur noch fünf von 15 Meisterprüfungen, bis er ganz oben angekommen ist. Seit vielen Jahren trainiert Rouven Peters aber auch andere. Wenn der gebürtige Gladbacher also nicht gerade im  Klassenraum oder in der Turnhalle  des Gymnasiums steht, dann lassen sich rund 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in seinen Ninjutsu-Kursen von ihm anleiten. Als Kampfkunst-Trainer, als „Sensei“, ist Rouven Peters aber auch in Düsseldorf oder Köln gefragt.

Rouven Peters lehrt „Bujinkan“, eine von mehreren Organisationen innerhalb des Ninjutsu. Bujinkan sei eine Art Dachverband, sagt Peters, in der drei verschiedene Ninja- und sechs Samurai-Schulen von Großmeister Masaaki Hatsumi zusammengefasst wurden. „Eine Schule ist wiederum wie ein Konzept von vielen verschiedenen Techniken“, erklärt Peters, „eine Art Stilrichtung.“ Wenn Rouven Peters beginnt, über seine Leidenschaft zu sprechen, könnte er tagelang reden. Er weiß viel, man könnte meinen alles über japanische Kampfkunst oder zumindest über „Bujinkan“. Schon immer habe er sich dafür interessiert, vielleicht auch weil schon sein Großvater begeisterter Kampfsportler war. Angefangen hat Rouven Peters mit Judo, da war er sechs Jahre alt. Doch nie habe ihn eine Kampfkunst oder -sportart so gefesselt wie Ninjutsu, sagt Peters. „Immer hat mir etwas gefehlt, mal waren es die Waffen, mal das Treten oder Schlagen.“ Bei Ninjutsu aber seien alle Techniken und Möglichkeiten vereint.

Auch im eigenen zu Hause in Gladbach lässt Peters die Faszination Ninjutsu nicht los. Das ehemalige Esszimmer sei jetzt sein „Dojo“. Damit bezeichnen Japaner den Raum, in dem sie Kampfkunst ausüben. Im Dojo trainiert er nicht nur, dort steht auch seine Büchersammlung über die Geschichte japanischer Kampfkunst, dort hängt sein Samurai-Schwert, und auch seine Samurai-Rüstung. Es ist eine nachgebaute Museumsvorlage der Samurai-Gruppe „Takeda“ aus Düsseldorf. Bis ins 16. Jahrhundert sei sie von japanischen Kämpfern so getragen worden, sagt Peters, hauptsächlich zum Schutz vor Pfeilbeschuss. Auch bei Takeda ist Peters Mitglied. Einmal die Woche trifft er sich mit Takeda-Kollegen in der Werkstatt und bastelt an neuen Rüstungen – für den Japantag in Düsseldorf oder einfach nur so.

Ninjutsu, das bedeutet so viel wie die „Kunst des Erduldens“. Rouven Peters hat das verinnerlicht. Das will er seinen Schülern mitgeben. Bei der Kampfkunst, sagt er, gehe es nicht um Wettkampf, nicht um große Kraft oder Ausdauer. Es gehe um Selbstkontrolle, Achtsamkeit, Respekt. Mit den Schülern spreche er auch oft über die „Sieben Tugenden des Bushido“. Nein, nicht die des Rappers. „Bushido“ bedeute eigentlich „Der Weg des Kriegers“. Und all das macht was mit den Schülern. „Oft sagen mir Eltern, dass ihre Kinder ruhiger, disziplinierter oder konzentrierter geworden sind“, sagt Peters.

Wenn Rouven Peters kann, dann lernt er für sich selbst. Dann fährt er zu Seminaren in ganz Deutschland, zu seinem Hauptlehrer nach Limburg. Dann fliegt Peters nach Japan, zu Masaaki Hatsumi, dem Bujinkan-Großmeister, dem Oberhaupt. Zweimal schon habe er ihn besucht und an seinem Training teilnehmen können. Bis zu 100 Leute der unterschiedlichsten Kulturen finden sich bei so einem Training zusammen. „Hatsumi ist ein sehr liebenswürdiger und fröhlicher Mensch. Ständig lacht er“, sagt Peters. Rouven Peters sagt auch: Ein Training bei Masaaki Hatsumi, das sei wie Zauberei. „Etwas, bei dem man sieht, dass es funktioniert, das man aber noch nicht ganz versteht.“