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Mönchengladbach: Reimund Strauß von der IG Metall geht in Rente

IG Metall in Mönchengladbach : Reimund Strauß – ein Streiter für Arbeiter geht in Rente

Sein halbes Leben hat Reimund Strauß bei der IG Metall in Mönchengladbach verbracht. Zuletzt war er 1. Bevollmächtigter von 7000 Mitgliedern. Er hat viele Tarifkonflikte geführt – zur Not auch mit dem Panzer.

Im Tarifkonflikt darf die Form des Protests auch mal etwas schärfer sein. Einfach streiken kann ja jeder. Die Belegschaft der Werkstatt der britischen Rheinarmee in Lürrip (REME), die es schon seit 1992 gar nicht mehr gibt, griff mit dem damaligen Betriebsratsvorsitzenden Reimund Strauß zu ganz großen Waffen, buchstäblich. Sie stellte einen Panzer vor das Werkstor. In diesem Fall gar nicht mal ungewöhnlich, da es sich nun einmal um eine Panzerwerkstatt handelte und man somit von einer Blockade (also Streik) statt eines Angriffs ausgehen durfte. „Wir haben stürmische Zeiten erlebt in den Betrieben“, sagte Strauß nun, als er über seine vielen Jahre im Dienste der Arbeitnehmerschaft sinnierte und sich von von ehemaligen Weggefährten und Freunden in den Ruhestand verabschiedete. Mit zwei Jahren Verspätung wegen Corona wurde jetzt seine Verabschiedung gefeiert.

Mit Strauß verliert die IG Metall in Mönchengladbach nicht nur den 1. Bevollmächtigten, dessen Nachfolge Frank Taufenbach aber bereits vor zwei Jahren angetreten hat. Mit dem heute 64-jährigen Strauß ging mit Beginn der Altersteilzeit ein ausgewiesener Fachmann für Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) in den Ruhestand. Knut Giesler, IG Metall Bezirksleiter für NRW, würdigte Strauß’ Expertise gerade auf diesen Gebiet: „Mit den Präsentationen arbeite ich heute noch.“ Und Frank Taufenbach, Strauß’ Nachfolger in Mönchengladbach, sagte: „Wir sind sehr froh, dass wir ihn weiter um Rat fragen können und das er Schulungen macht. Die Mitglieder in Mönchengladbach haben ihm viel zu verdanken.“

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Strauß sagte den Gladbacher Metallern zu, weiter bereitzustehen, „aber im gemütlicheren Tempo und nicht mehr für einen Dauerlauf oder einen Sprint“. Den Ruhestand koste er aus, das haben ihn die bisherigen zwei Jahre gelehrt.

Seit 1990 war Strauß Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall und seit 2008 der 1. Bevollmächtigte. Seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machte er auch bei den Briten in der Reme-Werkstatt. „Eigentlich wollte ich ja Buchdrucker werden, aber dafür gab es nur zwei Ausbildungsplätze in Mönchengladbach.“ So kam er zum Militär, wurde aber schnell für die Kollegen aktiv und setzte sich für ihre Belange ein als Betriebsrat. Es passte, stammt er doch aus einem Arbeitshaushalter, wie Tochter Kathrin Strauß das Gewerkschaftsleben ihres Vaters aus ihrer Sicht nachzeichnete.

„Ich kam schon ein bisschen in eine andere Welt“, erinnerte sich Strauß an die erste Tagung in einem guten Kölner Hotel, wo beim Abendessen mehrere Messer und Gabeln pro Person gedeckt waren. „Ich musste erst einmal fragen, wozu die da sind“, erinnert er sich. Genau so ist er immer geblieben, hat viele Tarifkonflikte geführt und Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern bestritten. „Es gibt positive Beispiele wie SMS oder Scheidt & Bachmann, aber es waren doch eher viele negative Entwicklungen“, sagte Strauß. „Ich bin dankbar, dass es eine solche Organisation wie die IG Metall gibt. Ich habe keinen Tag bereit, auch wenn es manchmal nicht ganz spaßig ist, Kollegen zu sagen, dass sie ihren Job verlieren.“