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Mönchengladbach: Raumausstatter Terstappen betreibt das Geschäft in der Altstadt

Mönchengladbach : Raumausstatter aus der Tiefe der Altstadt

Günther Terstappen betreibt seinen Raumausstatter-Betrieb in dritter Generation inmitten von Kneipen, Discos und Imbiss-Buden in der Altstadt – und er liebt die Umgebung, in der sich so viel tut.

Gegenüber das Black & White. Gleich nebenan ein Mini China Thai Imbiss. An der Waldhausener Straße vermutet man so einiges – allerdings kaum das Ladenlokal eines Raumausstatters. Edelmarken, ungewöhnliche Formen, Stoffe und Accessoires in einem eher unscheinbaren Schaufenster, dazu eine, mehr oder weniger einladende, jedenfalls gewöhnungsbedürftige Umgebung. Das sieht zumindest der gemeine Gladbacher so. In Hamburg oder Berlin fände man diese Form von „Branchenmix“ im Schanzenviertel oder in Kreuzberg eher normal. Günther Terstappen muss seinen Kunden, die von auswärts kommen, „manchmal erst einmal etwas erklären.“

Dabei habe sich in den vergangenen Jahren viel getan auf dieser Straße, „die zur Fußgängerzone wurde, obwohl das damals niemand von uns wollte.“ Günther Terstappen gehört zu den Gründern der Altstadtinitiative. „Es geht voran“, sagen er und seine Frau Gesa. Sie freuen sich, dass „die GEM super bemüht ist und putzt, bis der Arzt kommt. Die Polizei hat immer ein offenes Ohr für unsere Fragen und Sorgen.“ So langsam verliere die Straße, die einmal stolz im gleichen Atemzug mit der Düsseldorfer Altstadt genannt wurde, ihren Status als dreckiges, dunkles, von Gewalt geprägtes Viertel. Tagesgastronomie trage dazu bei, aber auch die Kulturküche, das Köntges, die Vinylgarage sowie die übrigen Initiativen. Durch gemeinsame Aktivitäten wie den Altstadtflohmarkt wachse ein Nachbarschafts- und Gemeinschaftsgefühl, so Gesa Terstappen.

Das Wohl der Waldhausener liegt Günther Terstappen am Herzen. Er ist dort geboren, das Geschäft mit der Raumausstattung blüht nunmehr schon seit 80 Jahren. Was so unscheinbar daher kommt, ist so etwas wie ein Juwel in der noch tristen Umgebung, eine Art Insel aus Kreativität und Mut.

Dennoch lebt das Geschäft nicht von der Laufkundschaft. Davon gebe es nicht einmal ein Prozent. Das meiste wird über die unschlagbar beste Werbung abgewickelt, die man sich als Handwerker vorstellen kann: die Empfehlung. Und die reichen längst bis über die Grenzen der Stadt hinaus, so Günther Terstappen: „Der Flughafen Düsseldorf ist seit 50 Jahren unser Kunde.“ Ein Hotel in Österreich gehört ebenso zur Kundschaft wie angesagte Prominente oder einfach Menschen mit Geschmack. Und oft höre er: „Herr Terstappen, Sie machen das schon.“

Das ist ein Vertrauensvorschuss, der seit Bestehen des Unternehmens hart erarbeitet wurde und der darauf beruht, „dass wir ausschließlich Experten und Könner beschäftigen, ob das nun unsere begnadete Näherin ist oder der geniale Polsterer.“ Die Erfahrung aus 80 Jahren zahle sich aus: „Wir verarbeiten in der Werkstatt zum Beispiel Drahtgurte, wie sie schon mein Großvater eingearbeitet hat.“ So würde Neues gefertigt mit alten Werten.

Dieses Verständnis von Handwerkskunst versuchen die Terstappens durch Vorträge in Schulen auf die nächste Generation zu übertragen oder durch die Vergabe von Praktikumsplätzen. „Die jungen Leute sind oft erstaunt und auch begeistert, wie vielfältig der Beruf ist.“ Ausprobieren, selber bauen, das sei der eigentliche Sinn von Handwerk. Und: „Wir bieten neun sichere Arbeitsplätze an.“

Vielleicht mag das der eine oder andere nicht verstehen, aber Gesa und Günther Terstappen lieben die Waldhausener Straße. Er habe mal eine Zeit lang in München arbeiten und sogar das Geschäft dort übernehmen können. „Aber ich gehöre hierher“, meint der Polsterer in der dritten Generation.