Haus Horst in Mönchengladbach „Das ist wie auf einer Insel hier“

Mönchengladbach​ · In das frisch restaurierte Wasserschloss Haus Horst zieht eine private Fachklinik für Kinder- und Jugend-Psychiatrie ein. Wie es im Inneren des Hauses aussieht und welche Krankheitsbilder dort behandelt werden.

Haus Horst in Mönchengladbach: Psychiatrische Klinik nach Umbau wieder eröffnet
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So sieht es im renovierten Haus Horst aus

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Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Drei Jahre lang wurde das idyllisch gelegene Haus Horst nach Vorgaben des Denkmalschutzes renoviert und nach aktuellen Anforderungen einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 21 Jahren umgebaut. Jetzt ziehen die ersten 22 Patienten und Patientinnen dort ein, in der Hoffnung, wieder gesund zu werden. Die Klinik im Haus Horst gab es schon vor der Renovierung. Für die Zeit des Umbaus war sie in Kaarst untergebracht, einem weiteren Standort des Klinik-Betreibers, die Oberberg-Gruppe.

Geschafft: Chefärztin Ewa Cionek-Szpak und ihre Mitarbeiter sind wieder zurück im Haus Horst.

Geschafft: Chefärztin Ewa Cionek-Szpak und ihre Mitarbeiter sind wieder zurück im Haus Horst.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

„Das ist wie auf einer Insel hier“, sagt die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie -psychotherapie und Chefärztin Ewa Cionek-Szpak. Die abgelegene Lage und die Anmutung des ehemaligen Rittersitzes aus dem 14. Jahrhundert bringe viele Eltern und Patienten zum Schwärmen. Die Jüngeren unter ihnen fühlten sich an die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei in der Romanreihe „Harry Potter“ erinnert.

Viel wichtiger aber sei: Die Patientinnen und Patienten, die etwa Erfahrungen mit Mobbing gemacht haben oder medienabhängig sind, verspürten in Haus Horst den Wunsch, aus ihrer alltäglichen „Blase“ herauszukommen. Dann sei das abgeschiedene Wasserschloss ein guter Ort.

In der Fachklinik ist Platz für 35 vollstationäre und zwei teilstationäre Patienten. Es gibt Klassenräume, Küchen, Aufenthaltsräume für die Kinder und Jugendlichen sowie für die Ärzte, Therapeuten, sowie Schlafräume. Die Verwaltung, die Büros des Therapeuten-Teams, die Tagesräume und die Räume, in denen Kunst- oder Ergotherapie angeboten wird, finden ebenfalls Platz.

In der Klinik im Haus Horst werden junge Leute behandelt, die etwa an Angst-, Ess- oder Zwangsstörungen leiden, emotional instabil oder depressiv sind oder an Störungen aus dem Autismusspektrum leiden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt drei Monate. Auch Schlafstörungen in Folge einer psychischen Erkrankung werden in der Klinik behandelt.

Die Krankheitsfälle haben sich, so hat Cionek-Szpak beobachtet, in den letzten drei Jahren in Folge der Auswirkungen der Corona-Pandemie verändert: „Im Rahmen des Lockdowns scheinen die Essstörungen und sozialen Ängste zugenommen zu haben.“ Die Jugendlichen seien in dieser Zeit der Möglichkeiten beraubt worden, sich zu entfalten und zu präsentieren. Die Ratschläge in der Zeit der Pandemie, man solle auf seine Kondition achten, seien bei den jungen Leuten oft übertrieben worden. Ein Nebeneffekt sei das Abrutschen in die Essstörung gewesen. „Ein Art der Verarbeitung“, so die Psychiaterin.

Besonders erfreut ist Cionek-Szpak über die Einführung eines speziellen Lichtkonzepts. Es funktioniert nach dem biologischen Rhythmus. Die Patientenzimmer und Aufenthalts- wie Therapieräume wurden mit Lampen ausgestattet, die mit 1000 Lux tageshelles Licht nachstellen. Man kann mit ihnen ein dem Chronotyp des Patienten angepasstes Licht einstellen, womit die Serotonin- und Melatoninproduktion angeregt werden kann. In den Klassenräumen wird eine spezielle Mischung aus rotem und weißem Licht programmiert. Das soll die Konzentration der Patienten stärken. Weiter gibt es Licht, das mobilisieren, beruhigen und entspannen soll. Auch in den Klassenräumen kann eine „Lichtdusche“ die Serotoninproduktion anregen.

An der Klinik wird nach dem Konzept der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) gearbeitet. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Einzel- und Gruppentherapie, in der Themen wie Emotionsregulation, Stresstoleranz und Achtsamkeit angegangen werden. Damit sollen den jungen Patientinnen und Patienten Fertigkeiten vermittelt und eingeübt werden, um in Zukunft besser mit Belastungen umgehen zu können.

Eine andere Therapieform ist die Interpersonelle Psychotherapie (IPT). Diese Methode setzt an zwischenmenschlichen Beziehungen an und bezieht weiterhin die aktuelle Lebenswelt mit ein.