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Mönchengladbach: Promotion über Wagnerianer

Promotion : Warum Wagner weltweit verehrt wird

Elfi Vomberg hat an der Universität Bayreuth promoviert. Ihr Thema: Wagner-Vereine und Wagnerianer heute. Die Gladbacherin ist der Frage nachgegangen, wie es zu diesem Kult kommen konnte und was die Verehrer des Komponisten eint.

Seine Musik ist sehr körperlich und ausgesprochen bauchlastig durch die extrem tiefen Töne und den vollen Klang. Und: Richard Wagners Kompositionen können Depressionen heilen und Leben retten. Elfi Vomberg sagt das. Und sie muss es wissen. Vier Jahre lang hat sie sich intensiv mit den Wagner-Vereinen beschäftigt, die es weltweit gibt. Sie hat die Wagnerianer besucht – in Israel, Südafrika, Neuseeland, auf Kuba, in Montevideo, San Francisco, New York und in Japan.

„Japanische Wagnerianer sind speziell anders“, sagt sie. Nicht jeder Wagner-Fan outet sich als solcher. „Wagners Musik gilt in Japan als aufdringlich und viel zu expressiv.“ Elfi Vomberg sagt: „Indem sie sich als Wagnerianer intensiv mit dem Studium seiner Musik beschäftigen, begehren sie in gewisser Weise gegen die Emotionsfeindlichkeit in ihrem Land auf.“ Und in dem Land des immerwährenden Lächelns hat sie tatsächlich von Wagnerianern erfahren, dass sie durch die Musik des deutschen Komponisten nach tiefer Depression wieder ins Leben zurück fanden. „Das war sehr ergreifend.“

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Unter einem gemeinsamen internationalen Dachverband mit Sitz in Bayreuth gibt es 135 Wagner-Vereine mit 22.000 Mitgliedern. Elfi Vomberg hat insgesamt 18,2 Kilogramm Protokolle, Briefe, Reiseberichte und Erinnerungen, 5490 Meter Magnetband auf 37 Kompaktkassetten mit 61 Stunden Tonmaterial ausgewertet. Danach ging das ganze Material ins Wagner-Museum nach Bayreuth.

Die Musikwissenschaftlerin hat auf der Grundlage ihrer Auswertung Kontakt zu Wagnerianern aufgenommen. „Ich bin der Frage nachgegangen, wie es sein kann, dass sich auf der ganzen Welt Menschen so sehr für Wagner engagieren.“ Insgesamt hat sie auf ihren Reisen 522 Wagner-Verehrer interviewt – und dabei bemerkenswerte Geschichten gehört. Wie die des Japaners, der zu ihr sagte: „Ohne Wagner hätte ich mich umgebracht.“

Richard Wagner ist Kult. Anders ist die Huldigung des großen deutschen Komponisten nicht zu erklären. „Seine Anhänger reisen nicht, sie pilgern – und nennen sich nicht einfach Fans, sondern Wagnerianer“, schreibt Elfi Vomberg im Klappentext ihrer Dissertation. Das jährliche Treffen der Wagnerianer sei wie ein Familienfest. Seit dem Tod von Richard Wagners Enkel Wolfgang, der von ihnen verehrt wurde wie ein hochrangiges Familienmitglied, habe sich allerdings einiges verändert. „Mit Wolfgang Wagner waren sie eng verbunden, sie aßen zusammen, wurden von ihm nach Hause eingeladen“, sagt Elfi Vomberg. Fans aus den USA hätten ihm jedes Jahr zum Geburtstag 50 lachsfarbene Rosen geschickt, in Japan hängen Fotos von Wolfgang Wagner neben denen der Familienmitgliedern. „Seit seinem Tod fehlt den Wagnerianern die familiäre Anbindung an die Wagners.“ Zudem habe sich das Erlebnis „Bayreuther Festspiele“ in den vergangenen Jahren verändert. „Das hat vielerlei Gründe“, sagt Elfi Vomberg. Diese hat sie in ihrer Doktorarbeit akribisch herausgearbeitet.

In wenigen Tagen macht sie sich nach Bayreuth auf. „Ich habe, nachdem ich mich zehn Jahre lang beworben habe, endlich eine Eintrittskarte bekommen.“ Und dann verrät sie voller Vorfreude auf die Festspiele: „Ich liebe Wagners Musik.“