Mönchengladbach: Professor Schermer und Schüler mit Diskussion über Gentechnik

Mönchengladbach: Die große Macht der Gen-Schere

Professor Bernhard Schermer von der Uniklinik Köln diskutierte mit Schülern der Marienschule über Gentechnik und deren Möglichkeiten. Und es ging auch um die Frage, wann der Mensch in den Bauplan des Menschen eingreifen darf.

Genome Engineeering, Gene Editing, Punktmutation, Mosaizismus, Doppelstranghelix, DNA, rna, Basenpaare, Phänotypen …. da sage noch einer, heutige Schüler „hätten es nicht drauf“.

Mit offensichtlichem Verständnis für die Materie und jeder Menge fundiertem Hintergrundwissen saßen etwa 25 Schüler des Biologie-Leistungskurs der Bischöflichen Marienschule im Biologieraum. Sie hatten hohen Besuch: der Nephrologe Professor Bernhard Schermer von der Universitätsklinik Köln übernahm den Unterricht für den Kurs der Stufe 12 und referierte über ein hochaktuelles Thema: Genome Engineering. Diese Methode, auch Gene Editing genannt, ist seit 2012 populärwissenschaftlich als „Gen-Schere“ bekannt geworden. Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier gelten als die „Erfinderinnen“ des sogenannten CRISPR/Cas Verfahrens. Schermer: „Es würde mich nicht wundern, wenn die beiden mal den Nobelpreis bekommen.“

Mit dieser Gen-Schere kann man gezielt und punktgenaue Mutationen an Genen vornehmen. Die Schere durchtrennt den DNA-Doppelstrang, der dann wieder erneuert und repariert wird. Am Ende ist in Pflanzen oder Menschen kein fremdes, von außen eingeführtes Gen-Material vorhanden. Die Gen-Schere kann bei der Heilung beispielsweise von Erbkrankheiten eingesetzt werden.

Biologielehrer Cornel van Bebber und Schermer haben sich über die „Forschungsbörse“ getroffen. Das ist eine seit 2010 bestehende Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Schulen können über diese Plattform kostenfrei Wissenschaftler in den Unterricht einladen. Bernhard Schermer ist fünf-, sechsmal im Jahr in einer Schule unterwegs und freut sich über die Möglichkeit, den Schülern die Anwendung und praktische Seite eines wissenschaftlichen Fachs näher bringen zu können. Es sind durchweg, so Schermer, engagierte Schulen, die eine solche Kooperation eingehen mit Lehrern, „die nicht stereotyp arbeiten“, so Schermer.

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Der Professor gab lachend zu, selbst Bio in der 11.Klasse abgewählt zu haben. Er hat sich nach einem Studium der Theologie der Medizin zugewandt, ist als Arzt approbiert, doch seit 2001 im Labor tätig. An der Universitätsklinik Köln arbeitet er am Nephrolab der Uniklinik in der Grundlagenforschung zu Nierenzellen.

Nicht nur Schüler, auch einige Lehrer und Eltern folgten dem Vortrag Schermers, der ganz offensichtlich die Vorkenntnisse der Schüler gut einschätzte, gelegentlich nachfragte und dem hochkomplexen Thema gemäß eine Sprache wählte, der auch Laien über weite Strecken folgen konnten. Die Schüler ihrerseits fragten nach und brachten kritische Fragen vor.

Die Technik der Gen-Schere, so Bernhard Schermer, „bedarf gesellschaftlich einer extremen Diskussion“. Es ist ein Forschungs- und Anwendungsfeld, das sich in einem rasanten Tempo weiterentwickelt hat. Umso notwendiger ist es, die moralischen, ethischen Fragen zu stellen: Wie sicher ist die Methode? Was darf die Biomedizin leisten? Wie geht man mit unerwünschten Mutationen (off Target-Effekte) um? Darf der Mensch überhaupt in den Bauplan des Menschen eingreifen?

Schermer ist sicher, dass diese Frage der Europäische Gerichtshof entscheiden muss. In den Anmerkungen der Schüler wurde deutlich, wo der Zwiespalt liegt: Geht es darum, ein gesundes Kind ohne genetische Krankheitsdisposition zur Welt zu bringen, ein Menschenleben zu retten, scheint die Antwort auf alle Fragen „Ja“ zu heißen. Geht es aber um andere, manipulative Anwendungen, wachsen die Zweifel. Was für ein anregender Biologieunterricht.

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