Mönchengladbach: Polizist wird absichtlich zweimal angefahren

Wieder Übergriff in Mönchengladbach: Polizist wird an Unfallstelle absichtlich zweimal angefahren

Ein Polizist in Mönchengladbach ist an einer Unfallstelle absichtlich mehrfach angefahren worden. Bereits vor einem halben Jahr gab es einen ähnlichen Fall in der Stadt. Angriffe auf Polizisten und Stadtmitarbeiter nehmen zu.

Eine Strafanzeige ist ihm sicher, und vielleicht wird er nach dem tätlichen Angriff auch noch seinen Führerschein verlieren: Ein 61-jähriger Mann soll am Sonntagabend absichtlich einen Polizisten angefahren haben – und das gleich zweimal.

Geschehen ist dies im Rahmen einer Verkehrsunfallaufnahme. Dafür hatte am Sonntag zwischen 17.05 und 19.05 Uhr die Straßenkreuzung Auf dem Damm / L39 gesperrt werden müssen. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, war die abgeriegelte Unglücksstelle durch Pylonen, Warnleuchten und Polizeifahrzeuge mit Blaulicht deutlich erkennbar.

Der 61-jährige Autofahrer habe dennoch in den abgesperrten Bereich fahren wollen. Auch die Erklärungen des uniformierten Beamten (35), der an der Absperrung stand, halfen nicht. Der Mann setzte seine Fahrt fort – auch dann noch, als sich der Polizist vor das Auto stellte.

Mit Schrittgeschwindigkeit sei der 61-Jährige vor die Beine des Beamten gefahren. Dieses Verhalten habe er wiederholt und dem Polizeibeamten anschließend die „Scheibenwischergeste“ gezeigt. Dann habe der Autofahrer seinen Wagen auf dem Rechtsabbiegerfahrstreifen entgegen der Fahrtrichtung abgestellt und diesen somit für die anderen Verkehrsteilnehmer blockiert. Der Beamte sei zum Glück unverletzt geblieben.

Trotzdem wurden die Personalien des 61-Jährigen aufgenommen, der laut Polizeibericht immer noch völlig uneinsichtig war. Weil er die Zeichen und Weisungen der Ordnungshüter nicht beachtet habe, vor allem aber wegen des absichtlichen Anfahrens eines Polizisten, wurde gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet. Der Tatvorwurf lautet „tätlicher Angriff auf einen Polizeibeamten“. Zudem wurden die Straßenverkehrsbehörden über den Sachverhalt informiert, mit der Bitte, die Eignung des Mannes zum Führen von Kraftfahrzeugen zu überprüfen.

147 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt, darunter auch tätliche Angriffe auf Polizisten wurden im vergangenen Jahr in Mönchengladbach bekannt. 2017 waren es 102. Dazu kommen 144 Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Feuerwehrleute und Rettungssanitäter. Wie Polizeisprecherin Cornelia Weber berichtet, höre sie häufig von Kollegen, dass die Respektlosigkeit gegenüber Beamten zunehme.

Auch die Stadtverwaltung macht in den vergangenen Jahren die Erfahrung, dass die Zahl der Bürger und Kunden, die sich gegenüber den Mitarbeitern respektlos zeigen, sie bedrohen oder sogar tätlich werden, zunimmt. „Wir gehen in solchen Fällen konsequent vor und erstatten Strafanzeigen“, sagt Stadtsprecher Dirk Rütten.

 Seit 2017 seien von der Personalabteilung 20 Anzeigen wegen Beleidigung, übler Nachrede, Bedrohung, tätlicher Angriffe, Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung erstattet worden. Vor einem halben Jahr wurde ein Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes ebenfalls absichtlich angefahren. Auslöser dieses Übergriffs war eine Zwangsräumung.

Nicht alle packen solche Erlebnisse leicht weg wie der Ordnungsdienstmitarbeiter, der sich mit einem Hechtsprung gerettet hatte. Rütten: „Den Kolleginnen und Kollegen, die solche traumatischen Erfahrungen machen, steht bei der Stadt Mönchengladbach unter anderem eine unabhängige kostenlose psychologische Beratung zur Seite.“

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