Mönchengladbach: Polizei rettet Küken in Rheydt

Ende eines Jungfernfluges: Polizei rettet jungen Wanderfalken

Einer der Falken, die im Turm der Rheydter Hauptkirche nisten, stürzte beim Wochenmarkt bei den ersten Flugversuchen ab. Ein Polizist und Falken-Experte barg das Jungtier und brachte es zu einer Tierpflegerin.

Der erste Flugversuch eines kleinen Wanderfalkens in Mönchengladbach ging schief. Das Jungtier aus dem Nest im Rheydter Kirchturm landete ziemlich unsanft auf dem Marktplatz. Aber die Rheydter Bürger haben den Wanderfalken-Nachwuchs aus dem Turm der Hauptkirche längst adoptiert. Am Samstag riefen sie die Polizei an, weil sie auf dem Marktplatz ein verletztes Falkenbaby entdeckt hatten. Glücklicherweise befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade ein Polizist in der Nähe, der auf dem Gebiet der Falknerei professionell bewandert ist.

Der fachkundige Beamte wusste sofort: Das ist ein kleiner Falke aus der evangelischen Hauptkirche, in der die geschützten Vögel jedes Jahr nisten. Nach erster Begutachtung des Jungtiers beschloss der Polizist, das Küken zu einer ihm bekannten Tierarzthelferin zu bringen, die über die behördliche Erlaubnis verfügt, verletzte Greifvögel aufzunehmen und zu pflegen, wie die Polizei mitteilte. „Dort wird das junge Kerlchen ein paar Tage unter Beobachtung bleiben“, sagt Polizeisprecherin Cornelia Weber. Und: „Sollte sich herausstellen, dass der kleine Falke wieder wohlauf ist, werden die Tierarzthelferin und der Beamte das Jungtier dann gemeinsam wieder in das Nest in der Kirche zu seinen Eltern zurück zu setzen. Auf dass die nächsten Flugstunden erfolgreicher verlaufen.“

RP-Leser Daniel Lehnen hat einen der
RP-Leser Daniel Lehnen hat einen der jungen Falken fotografiert, der sich auf dem Dach eines Marktstandes niedergelassen hat. Foto: Daniel Lehnen

Die Brut der Wanderfalken im Rheydter Kirchturm werden von Naturschützern begleitet. Auch die Kirchengemeinde nimmt regen Anteil an der Vogelfamilie. Pfarrer Stephan Dedring hatte die Bürger schon gewarnt: „Kleine Falken überschätzen sich bei den ersten Flugversuchen schon mal.“ Alle Rheydter sollten auf „gestrandete“ Jungvögel achten.  Das haben sie getan. Die Wandervögel aus dem Rheydter Kirchturm gehören zum Stadtteil.

Zuvor hatten Marktbesucher beobachtet, wie sich einer der jungen Falken nach dem ersten Flug aus dem Turm auf den Dächern von Marktständen niederließ. „Er flog von Hänger zu Hänger“, sagte Marktbeschicker Daniel Lehnen, der den Falken fotografierte und das Bild unserer Redaktion schickte. Auf einem Dach blieb der Vogel schließlich sitzen und schaute sich das Treiben auf dem Platz aus der Nähe an.

Die Küken sind vor gut fünf Wochen im Rheydter Kirchturm geschlüpft. Weil sie bisher große Scheu vor menschlicher Nähe hatten (und entsprechend Rabatz machten, wenn man sich ihrem Nest näherte), konnte deshalb auch die Uhr im Kirchturm nicht auf die richtige Uhrzeit gestellt werden. Seit sieben Jahren ist das „Appartement mit Aussicht“ im Rheydter Kirchturm dauervermietet an Wanderfalken. Als NABU-Experte Bernd Bäumer vor Jahren das erste Wanderfalkenpaar in der Nähe des Rheydter Marktes sah und bei der Kirchengemeinde nachfragte, ob er eine Ausflughilfe am Turm anbringen könne, war Pfarrer Stephan Dedring sofort einverstanden. Seitdem gibt es im Kirchturm beinahe jedes Jahr eine Niederkunft.