Pferdeauktion in Mönchengladbach : „Hippologische Kultur“ auf dem Abtshof

18 besonders ausgebildete Pferde wurden auf dem Abtshof vorgeführt und versteigert.

„Den kann man sich auf eine Wiese legen und daneben picknicken.“ – „Der ist besonders gehfreudig und charakterstark.“ – „Der ist arbeitswillig und geht leicht am Zügel.“ Die Rede ist von Pferden. Und noch so ein Satz: „So ein Pferd ist wie ein Ehemann: Gib ihm zu essen und er macht alles mit.“

Für einen Sonntag lang ist Mönchengladbach zum Zentrum der Pferdewelt geworden. Internationale Pferde traben und galoppieren durch die Reithalle des Abtshofs, lassen den Sand unter ihren Hufen hoch fliegen und führen vor, was sie beherrschen.

Zum ersten Mal in Mönchengladbach, nein, genauer gesagt: zum ersten Mal in Deutschland werden an diesem Sonntag 18 Pferde öffentlich versteigert. Es sind Pferde, die für eine große Pferdeschau – ein Musical in Peking – vorbereitet und ausgebildet wurden. „So etwas“, erklärt Volker Raulf von der Firma Mennraths zur Auktion, „hat es in Deutschland noch nie gegeben“

Die Tiere wurden vorgeführt und zeigten, was sie alles gelernt haben. Einige waren besonders trickreich und begeisterten die Gäste auf dem Abtshof. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Volker Raulf ist als Diplomagraringenieur Kenner der Materie. Seit 21 Jahren arbeitet er als Sachverständiger bei der Landwirtschafskammer Nordrhein-Westfalen: wenn der pekuniäre Wert eines Pferdes ermittelt werden muss, wenn Haltung und Aufzucht von Pferden beurteilt werden muss, wenn ein Gutachten zu verunfallten Pferden benötigt wird, dann steuert Volker Raulf sein Fachwissen bei. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Versteigerung von Pferden.

Am Sonntagvormittag ist der Pferdeexperte für die höchst vergnügliche und ebenso informative Vorstellung der zur Auktion vorgesehenen Pferde zuständig. Warum überhaupt findet eine solche Auktion in Mönchengladbach statt? Mönchengladbach, so Raulf, liege im Rhein-Ruhr-Ballungszentrum, wo man viele Menschen erreiche. Und außerdem: „Gibt es einen passenderen und schöneren Ort dafür als den Abtshof?“

Und warum eine Matinee zur Einführung der Pferde? „Das sind Showpferde, wir sind Showleute. Wir haben gedacht: Aus dieser Vorstellung machen wir was Besonderes, “ sagt Raulf.

Dies gelingt ihm mit leichter Hand, mit viel Humor und großer Fachkenntnis. „Hippologische Kultur“ eben, eine Wortfindung seinerseits. Ganze Familien nehmen an der Matinee teil. Ein Junge darf sogar mal mit auf den Platz und – assistiert vom Trainer – das Pferd auf seinem Weg über den Sand führen.

Jennifer, eine Westernreiterin, wird von Raulfs aufgefordert, sich einmal als Kurzzeittrainerin zu versuchen. Sie soll testen, ob es ihr gelingt, das Pony dazu zu bringen, einen Knicks zu machen. Mit vereinten Kräften klappt es.

„Den neuen Besitzern“, erklärt Raulf, „bieten wir Hilfen an. Unsere Trainer werden ihnen zeigen, welche Knöpfe man bei den Pferden drücken muss.“

Er und Sacha Eckjans, Geschäftsführer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) führen durch die Matinee. Eckjans‘ Firma bringt den Reitsport nach China. Für die Musicalproduktion Troja, die in Peking aufgeführt wurde, wurden eine große Anzahl Pferde vorbereitet. Diejenigen, die es doch nicht in die Produktion schafften, stehen nun zum Verkauf.

An Raulfs und Eckjans‘ Seite moderiert außerdem, wenn er nicht gerade auf dem Rücken eines der Pferde sitzt, Herbert Stein, Chefausbilder des Musicalprojektes.

Das Clownspferd Piu macht ein wenig Unsinn – auf Kommando natürlich. Er spreizt alle viere von sich, dem Pferd von Pippi Langstrumpf nicht unähnlich, es legt sich auf den Boden. „Vom Charakter her könnte Piu auch ein Therapiepferd abgeben“, beschreibt Eckjans Piu.

Auch ein Kutschpferd braust herein, gelenkt von Roland. Ganz besonders: das Pferd Peaton, das sich auf Kommando schlafen legt und die Peitschenhiebe gelassen über sich ergehen lässt.