Mönchengladbach: Pfarrer will Lebensstil für das Klima ändern

Kolumne Denkanstoß : Eine Frage des Lebensstils

Gott steht mit für ein gutes Klima, und auch wir können, so wie wir leben, für ein gutes Klima stehen – schreibt unser Autor im „Denkanstoß“.

Wir leben in stürmischen Zeiten. Das Klima ändert sich und bringt die Frage mit sich, ob auch wir uns ändern können. Wenn wir uns nicht ändern, dann wird das Klima uns und unsere Lebensweise verändern. Es liegt geradezu in der Luft: Ein anderer Lebensstil ist vonnöten und echte Erneuerung wird zum Gebot der Stunde. Gesellschaftlich sind neue politische Impulse gefragt und wir spüren, wie sehr es in unseren politischen Parteien rumort und arbeitet. Es wird gerungen um überzeugende Konzepte und noch mehr um überzeugende Personen. Viele winken ab und scheuen die Übernahme von Verantwortung in der derzeitigen politischen Umwelt. Das Klima wird rauer und die Turbulenzen größer.

Das gilt auch für das Miteinander in unseren Kirchen. In der katholischen Kirche rumort es kräftig, und unsere Bischöfe wirken hilflos und ratlos. Aufgehäufte Fragestellungen und verweigerte Reformschritte vergangener Jahre machen sich bemerkbar, und gemeinsame Lösungswege sind nicht überzeugend eingeübt. Das neue Klima einer rasant sich wandelnden Welt erschwert die Erneuerung zusätzlich. Das Christentum selbst droht in unseren Breitengraden Schaden zu nehmen und verliert zusehends an Überzeugungskraft. Woher können noch Impulse für eine echte Erneuerung kommen?

 Mit Blick auf die Kirchen wage ich es einmal, mit der Tür ins Haus zu fallen. Vielleicht liegt ein Impuls zur Erneuerung ja in der Botschaft des kommenden Sonntags: Die evangelischen Christen nennen den Sonntag nach Pfingsten „Trinitatissonntag“ und die Katholiken nennen ihn „Dreifaltigkeitssonntag“. Gemeinsam ist uns Christen, dass wir diese Botschaft selbst nicht mehr so recht verstehen. Einig sind wir uns darin, dass wir die Sache mit dem dreifaltigen oder dem dreieinigen Gott schnell als ein undurchdringliches Geheimnis abtun und legen es dann innerlich beiseite. Wie wäre es, wenn diese revolutionäre Gottesvorstellung zwischen uns Christen zu einer echten Offenbarung würde?

 Gott ist und bleibt natürlich immer das große Geheimnis eines religiösen Lebensentwurfs. Aber eben so, dass sein Geheimnis nicht versteckt werden will und dann als verborgenes Geheimnis in die Mottenkiste der Geschichte gerät. Gottes Geheimnis ist ein sich zeigendes und sich offenbarendes Geheimnis, eines, das Interesse wecken will. Gott möchte sich aussprechen und sich dann auch ansprechen lassen. Gott ist Einheit in der Vielfalt und Vielfalt in der Einheit. Er ist der Eine, indem echte Beziehung nicht untergeht. Er fragt nicht zuerst nach seinem eigenen Wohlstand, sondern nach dem Wohlstand der Anderen. Er schaut nicht zuerst auf sich, sondern auf seine Schöpfung und findet alles, was geworden ist, einfach gut. Er erfreut sich an der Vielfalt des Lebens und will diese Vielfalt bewahren und schützen. Gott steht für ein gutes Klima, damit alles, was atmen kann, auch Luft bekommt und einstimmen kann in das Lied der Freiheit. Gott verbreitet ein gutes Klima, weil in seinem Innersten ein gutes Klima herrscht. Wie wäre es, wenn sein Lebensstil der unsere würde?

 Die Gottesfrage stellt sich: Im Konzert der Religionen genauso wie in der Auseinandersetzung mit rein säkularen Lebensmodellen. Wir Christen haben die Chance, unserem Gott mit vielen Menschen guten Willens wieder neu auf die Spur kommen zu können. Vielleicht lernen wir gemeinsam, die Gottesfrage mit der Klimafrage zu verknüpfen. Gott steht mit seinem innersten Sein für ein gutes Klima und auch wir können so wie wir leben für ein gutes Klima stehen. Die Gottesfrage wie die Klimafrage ist letztlich und zugespitzt eine Frage des Lebensstils.

Pfarrer Peter Blättler ist Propst an St. Vitus.

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