1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Pfarrer Karl Heinz Bassy über den Nutzen von Löwenzahn

Kolumne Denkanstoß : Nachruf auf einen verlorenen Kampf

Wer seinen Feind nicht besiegen kann, sollte sein Freund werden, schreibt unser Autor. So erging es ihm mit dem Löwenzahn in seinem Garten.

Die diesjährige Schlacht ist geschlagen und ich habe sie erwartungsgemäß wieder verloren. Dabei hatte man mich gewarnt: Du kannst ihn nicht besiegen, er ist zu hartnäckig, zu zahlreich, zu unbesiegbar. Ich hatte es dennoch versucht. Jahrelang, immer wieder. Und immer wieder erfahren: Er war stärker und wurde es mit jedem Tag mehr. Keinen Tropfen Schweiß habe ich mir erspart, keinen Knochen und Muskel geschont, er nahm keine Rücksicht und lachte mich täglich aus, wenn er aus seiner Deckung kam: Löwenzahl in einem gepflegten Garten ist grausam! Genauer: war grausam.

Viele Jahre haben wir miteinander gerungen, der Rasen war unsere Arena, mehr: unsere Kampfzone. Ein kundiger guter Freund (Friedhofsgärtner seines Zeichens) meinte: Vergiss es, du wirst ihn nicht los, seine Waffe: Pfahlwurzeln. Ein winziges übriggebliebenes Stück im Boden reicht und er kommt wieder. Ich habe ihm lange nicht geglaubt. Jetzt glaube ich ihm. Genauer: Seit der Geschichte mit den Bodendeckern: Wunderschön in allen Farben strahlte das saubere Beet mich an. Löwenzahnfrei, wie ich betone! Stundenlang habe ich die Wurzeln entfernt, es zumindest redlich versucht. Das Beet war befreit. Eine befreite Zone in meinem Garten! Hurra! Dann kamen Herbst und Winter und schließlich das Frühjahr. Sie ahnen: Löwenzahn beherrscht die Guerillataktik, gräbt sich ein, kommt über Nacht. Kleine grüne Männchen, die heimlich einsickern und die befreite Zone zurückerobern. Also nochmal der Versuch, ihm Herr zu werden. Und noch einmal. Und wieder. Irgendwann, der Garten ist groß, blieb mir nur die Kapitulation. Und ich erfuhr: Wunder geschehen! Nena hat recht.

  • Hans-Peter Albert (r.) von der Gesellschaft
    Aus dem Nachlass vom Technischen Leiter im Pressehaus Neuss : NGZ vom 16. Mai 1945 — Stadtarchiv erhält Rarität
  • Hilfe bei Bienenschwärmen in Korschenbroich : Schwarmfänger sacken Bienentrauben ein
  • Jäger haben Umweltsünder auf frischer Tat
    Im Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe :  Jäger ertappen Müllsünder

Meines geschah in Form eines himmelgeschenkten Gedankens: „Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, mache ihn zu deinem Freund oder werde sein Freund.“ Seit einem Jahr steht ein großes selbstgebautes Wildbienenhotel (Geschenk unserer Kinder) im Garten und zieht die Blicke auf sich. Um die Röhrchen und Hölzer herum summt und sirrt es fleißig. Ich mache einen Imkerkurs. Meine Schwester Löwenzahnsalz. Meine Frau Salat.

Neulich beim Rasenmähen ließ ich ihn sogar stehen: Es waren zu viele Bienen auf den Blüten. Und alle sollen es wissen: Die sind wichtig! Etwa 1000 Blüten muss eine Biene anfliegen, um ihren Honigmagen einmal zu füllen! Zwischen zwei und sieben Millionen Blütenflüge braucht man für ein Glas Honig! Da kann man den Tierchen doch mal die Arbeit erleichtern. Löwenzahngelb ist das neue Gold, habe ich gelernt. Grundlage für goldenen Honig.

Sage da noch jemand etwas gegen Löwenzahn im Garten! „Mach meinen Freund nicht an!“, kann ich da nur sagen! Neulich sprach ich mit meinem Nachbarn. Er kapituliert gerade. Wenn die Bienenstöcke stehen und er den ersten Honig bekommt, wird auch er einen neuen, gelbblühenden Freund haben und sich vielleicht daran erinnern, dass auch er einst Pusteblumen wunderschön fand.

Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, mache ihn zu deinem Freund. Wenn dir das nicht gelingt, werde seiner. Dann hast du gewonnen. Irgendwie. Gilt nicht nur im Garten…

Karl-Heinz Bassy ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Großheide.